Kirchheim

Entspannt alarmbereit

Dürre Die Feuerwehren im Kreis Esslingen sehen sich für Waldbrände ausreichend gewappnet. Szenarien wie in Ostdeutschland seien im Albvorland kaum zu erwarten, heißt es von offizieller Seite. Von Bernd Köble

Besser vorbereitet sein: Die Feuerwehren aus dem Lenninger Tal bei einer Waldbrandübung vor vier Jahren.Foto: privat
Besser vorbereitet sein: Die Feuerwehren aus dem Lenninger Tal bei einer Waldbrandübung vor vier Jahren.Foto: privat

Mehr als 1 200 Hektar Wald in Flammen, 2 500 Brandbekämpfer im Dauereinsatz, Hunderte Bewohner in der Nähe evakuiert - das Feuer bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern wirft auch an anderen Orten der Republik die Frage auf: Kann das bei uns auch passieren, und sind die Einsatzkräfte darauf vorbereitet? Im Kreis Esslingen beantwortet man den letzten Teil der Frage mit einem klaren Ja. „Ich bin seit 17 Jahren Kreisbrandmeister,“ sagt Bernhard Dittrich. Seitdem habe sich die Zahl der Einsätze bei Waldbränden nicht auffallend verändert. „Waldbrände lagen bei uns bisher im einstelligen Hektarbereich“, sagt Dittrich. „Dabei handelt es sich hauptsächlich um Bodenbrände.“ Ein Grund dafür: Im Landkreis Esslingen sind Monokulturen aus harzreichem Nadelholz wie in Mecklenburg-Vorpommern oder in Brandenburg die seltene Ausnahme. Wenn es doch einmal brennt, sind die Löschkräfte meist schnell am Brandherd, weil ein dichtes Netz aus Forstwegen die Wälder überzieht. Fachleute wie Dittrich sprechen von „geringer Eindringtiefe.“

Tatsache ist dennoch: Auch hierzulande dehnen sich Dürreperioden aus, erholt sich die Vegetation immer schleppender von zunehmender Trockenheit und steigenden Temperaturen. Im Osten der Republik werden deshalb die Feuerwehren inzwischen aufgerüstet. Mecklenburg-Vorpommern hat erste Konsequenzen aus dem verheerenden Brand der vergangenen Tage gezogen und acht Landkreise mit zusätzlichen Tanklöschfahrzeugen ausgestattet.

Die gibt es auch im Landkreis Esslingen. Seit 2012 verfügen die Feuerwehren im Kreis über sieben zusätzliche Tanklöschfahrzeuge, die speziell für den Katastropheneinsatz ausgerüstet sind. Die größten, mit einem Fassungsvermögen von 5 000 Litern, sind in Kirchheim, Lichtenwald, Leinfelden-Echterdingen und Filderstadt stationiert. Am Flughafen Stuttgart stehen zwei Fahrzeuge mit sogenannten Abrollbehältern abrufbereit, die 10 000 Liter Löschwasser aufnehmen können. Reicht das nicht aus, muss die Bundeswehr einspringen, die über Helikopter mit riesigen Löschtanks verfügt. Spezielle Löschflugzeuge, wie man sie von Einsätzen am Mittelmeer kennt, kämen im Schurwald, Schönbuch oder auf der Albhochfläche ohnehin nicht infrage, weil es an geeignetem Gewässer zum Auftanken fehlt.

Leichte Schutzkleidung fehlt

„Wir brauchen keine neuen Fahrzeuge“, sagt auch Frieder Lieb, der für den Brand- und Katastrophenschutz zuständige Mann im Stuttgarter Regierungspräsidium. Er räumt jedoch ein, dass nicht jede Feuerwehr im Südwesten über leichte Schutzkleidung verfügt, die nötig wäre, um Löschkräften bei größeren Waldbränden und mehrtägigen Einsätzen größtmögliche Bewegungsfreiheit zu garantieren. „Da gibt es partiell Nachholbedarf“, so Lieb.

Einig sind sich alle Experten darüber, dass es gilt, wachsam zu sein. „Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass sich die Situation in Zukunft verschärft“, sagt Frieder Lieb. Deshalb finden regelmäßig Seminare und Übungen statt. Die größte fand zuletzt im Sommer 2017 unter dem vielsagenden Titel „Heißer Süden“ im Schönbuch statt. Auch die Zusammenarbeitet zwischen den Feuerwehren und der Bundeswehr werde ständig hinterfragt und verbessert. Ende Juli findet in Bad Cannstatt ein erstes Waldbrand-Symposium unter Federführung des Stuttgarter Innenministeriums statt. Dort sitzen alle gemeinsam am Tisch, die gefragt wären, wenn das, was in Lübtheen für Anwohner und Einsatzkräfte zum Albtraum wurde, plötzlich auch hier Wirklichkeit würde.

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