Lokale Kultur

"Ere-Mietwohnung" mit "Zöli-Bad"

KIRCHHEIM "Hallo, Hallo, öch bün oin Mönch!" Während einer Flussfahrt auf der Teck in Kirchheim

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HEINZ BÖHLER

gestrandet, begrüßte dieser am Freitag die Bürger von der Bühne ihrer Stadthalle herab. Die hielten sich zu diesem Zeitpunkt bereits eine ganze Weile die vor Lachen schmerzenden Bäuche, denn der im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Kunst und Kultur am Schloss" erwartete doppelte Halbbruder entpuppte sich als das Chaostheaterduo "Oropax".

"I ben heit blos dr Tonteschdr", wiegelte Bastion-Chef Andi Kenner ab, als er vor der Veranstaltung mit Applaus begrüßt wurde. Er bedauerte zunächst, dass man wegen eines heraufziehenden Unwetters die Veranstaltung von der Marstallwiese in die Stadthalle hatte verlegen müssen. Was danach kam, spottet eigentlich jeder Beschreibung: ein Feuerwerk an Wortwitzen, an einander jagenden Gags ließ den Saal nicht mehr zur Ruhe kommen. Vergessen das draußen tobende Gewitter, egal ob das Dachfenster nun zugemacht wurde, die in die Stadthalle gekommenen Gäste bogen sich vor Lachen und wenn es auf eigene Kosten ging.

Volker und Thomas Martins bringen es fertig, noch aus dem blödsinnigsten Umstand einen bühnenreifen Gag herauszukitzeln, spielen "Schere, Stein, Papier" miteinander, bis der Steinzeitmensch auftaucht und mit sich selbst "Stein, Stein" spielt: "Papier und Schere sind noch nicht erfunden.

Das idyllische Äußere eines Reisepasses führt zur Verwechslung mit einem Poesiealbum. Ein aus dem Mund des Bruders mittels Zahnseide extrahierter Speiserest habe dort schon mehrfach überwintert, so dass die verlorene Wette Volkers damit ihre Erklärung findet, er hatte Thomas Gottschalk davon überzeugen wollen, dass er an Thomas' Mundgeruch erkennt, welche Joghurtsorte dieser zuletzt verspeist habe.

"Dos wor knopp", atmet Thomas auf, nachdem er verhindert hat, dass Volker ihn als den Möch erkennt, der ihn seit über 20 Jahren nervt. "Das ist meine Show. Sie haben hier nichts verloren", herrscht er den in einer "Ere-Mietwohnung" mit "Zöli-Bad" lebenden "Heiligen" im Bademantel und einer adventsbekränzten Tonsur jedes Mal an und bekommt gebetsmühlenartig dieselbe Antwort: "Öch fönde jo ouch nöchts."

Eine handelsübliche Sahnetorte mit Kirschen obendrauf wird über komplizierte Berechnungen und einfachen Handgriffen zu einer trojanischen Fleischkäsetorte. Brad Pitt macht Werbung für eine bekannte Klebermarke: Nie benutze er den Bad Pritt.

Bei allen Späßen sind die Brüder Martins keineswegs unpolitisch: "Ich zähle den Irak schon dazu", entschuldigt Thomas die Rede von 53 Bundesstaaten der USA. Eine nicht unbedingt anziehend wirkende Prinzessin, eine gewisse Angelika Merkel oder so, kann beim Oropax-Frosch nicht landen, der bei ihrem Erscheinen aus seinem Gummihut kurzerhand einen Ganzkörperschutz zaubert.

Inzwischen sieht die Bühne aus wie ein Schlachtfeld. Die meisten der mitgebrachten Requisiten sind als Einwegprodukte bereits abgeschrieben und warten auf das Eingreifen des Bühnentechnikers "Andi Arbeit", der wohl die Nase voll hat von diesem Theaterchaos der Martinsbrüder. Zumindest bekam er am Ende seiner letzten Show mit "Oropax" einen Pokal mit Weizenbier zum Abschied überreicht. Offensichtlich hatten sich Oropax auf einen Openair-Auftritt gefreut. So musste letzte Bosheit der wirkliche Auftrittsort zum Schluss für ein letztes Wortspiel herhalten: Für Oropax war er ein "Schick-Saal".