Lokale Kultur

"Eremitagen" Objekte, Zeichnungen und Skizzen

KIRCHHEIM Unter dem Titel "Eremitagen" sind auf Einladung des Kunstvereins Kirchheim derzeit Ob-

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FLORIAN STEGMAIER

jekte, Zeichnungen und Skizzen des Stuttgarter Künstlers Karl-Heinz Bogner im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus zu sehen.

Karl-Heinz Bogner, Jahrgang 1966, studierte zunächst an der Freien Kunstschule Stuttgart, anschließend an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, wo seine Schwerpunkte im Bereich Architektur und Design lagen. Seit 1995 lebt er als freischaffender Künstler. Neben zahlreichen Einzelausstellungen, zuletzt im "Aedes East Extension Pavillon" in den Berliner Hackeschen Höfen, kann er auf Lehrtätigkeiten an der Universität Stuttgart, am Kunstseminar der Freien Hochschule Metzingen sowie an der Fachhochschule Schwäbisch Hall zurückblicken.

Laudator Dr. Günter Baumann ging im Rahmen seiner Einführungsrede unter anderem der Frage nach, inwiefern die Bognerschen Objekte es handelt sich um schwarze, fragile Konstruktionen, die der Künstler mittels der Namensgebung "Eremitagen" ausdrücklich als Schutz- und Rückzugsräume deklariert überhaupt als Architekturmodelle zu verstehen sind. Karl-Heinz Bogner, so führte Dr. Baumann aus, verwende den architektonischen Bezug als "eine Art Negativmaske im besten Sinn des Wortes".

Die "unnahbare Sperrigkeit" der Objekte, ihr "expressiv-existenzialistisches Pathos" stehe sogar jedem für gewöhnlich auf verstandesmäßige Klarheit drängenden architektonischem Planen entgegen. In den "Eremitagen" gehe es vielmehr um die "kreative Lust an der Verwandlung vom Körper zum Raum", um eine "Poesie des Raums" im Sinne Antonio Gaudis oder um die Schaffung einer "Architektur der Leere" im freikünstlerischen Sinn des Bildhauers Eduardo Chillida.

Wenn auch die Objekte weit davon entfernt seien, reale Architektur abzubilden, so dürfe man ihnen nicht leichtfertig die Nähe zu einer "fiktiven Architektur im Kleinen" absprechen. Weder in seinen dreidimensionalen Werken noch in seiner Malerei und Zeichnung, eröffne Karl-Heinz Bogner einfach nur geometrisch verankerte Räumlichkeiten, vielmehr schaffe er "Gedankenräume", die dem Betrachter zunächst als schwer durchdringbares Struktursystem aus geschichtetem Holz- und Kartonflächen gegenüberstehen, als ein "filigranes Gerüst", das den Rezipienten versetzt in "einen sublimen Schwebezustand zwischen Eintauchenkönnen und Steckenbleiben", in ein "Zustandsmoment des Zögerns und Verharrens".

Mit der Idee der "Eremitagen" findet Karl-Heinz Bogner sein konkretes Thema. Wie Günter Baumann darlegte, suche der Künstler dabei nicht die heimelige Stube, sondern das "Provisorium des Rückzugsraums", das die Möglichkeit des Geborgenseins genauso offenhält, wie die Gefahr des Unbehausten. Es ist Karl-Heinz Bogner nicht daran gelegen, vordergründig Harmonie zu erzwingen oder Widersprüche aufzulösen, er fordert sie im Gegenteil sogar heraus. Unter diesem Aspekt gesehen, so urteilte Dr. Baumann abschließend, komme der Künstler dem Refugium des Eremiten recht nahe, der die "Fragilität und Brüchigkeit" geradezu suche, um der "existenziellen Bedrohung des Menschen" zu begegnen.

Am kommenden Samstag ist Karl-Heinz Bogner auch persönlich von 11 bis 17 Uhr in der Städtischen Galerie im Kornhaus präsent. Seine Ausstellung "Eremitagen" Objekte, Zeichnungen, Skizzen ist noch bis Ostermontag, 17. April, zu sehen.