Lokale Wirtschaft

"Erfolg braucht Solidität"

Ist Erfolg planbar? Dieser Frage stellte sich Erwin Staudt, Präsident des VfB Stuttgart, bei einem Vortrag in den Räumen der Oberboihinger Firma Riempp.

OBERBOIHINGEN Gastgeber und Unternehmer Friedrich E. Riempp begrüßte Staudt als einen tatkräftigen, entscheidungsfreudigen Menschen, der es nicht scheue, sich einer manchmal auch unangenehmen Medienbeobachtung zu stellen. Erwin Staudt (67) sieht den Verein als einen Partner für die Region Mittlerer Neckar. Daher sei ihm der Kontakt zu lokalen Sportvereinen, mit denen er den VfB in einer symbiotischen Verbindung sieht, besonders wichtig. Das Produkt, das ein Fußballverein verkaufe, sei der Unterhaltungswert, die Emotionen, wie es Staudt gerne bezeichnet.

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Um dieses Produkt zu erzeugen, benötige man Kapital, Arbeitskraft und Mitglieder. Eine solide Finanzbasis sieht der ehemalige IBM-Manager als Voraussetzung für den Erfolg eines Spitzen-Sportvereins an. Die Haupteinnahmequelle im Fußball-Geschäft stelle der Verkauf der Fernsehrechte dar. Weiteres Kapital fließe dem Verein durch Sponsoring, Zuschauer und Merchandising zu. Um die Erträge nachhaltig zu steigern, werde nun am Image des VfB gearbeitet.

Hatte der Verein beim Amtsantritt Staudts noch 7 500 Mitglieder, so habe sich diese Zahl mittlerweile vervierfacht. Das macht den VfB zum drittgrößten Sportverein Deutschlands. Mit dem Neubau des Stadions soll sich aber auch einiges an der Infrastruktur des Clubs ändern. Anstelle der Stadiongaststätte findet der Besucher demnächst ein Event-Center vor, das neben vielen Attraktionen auch ein Geschäft für Fan-Artikel und Lifestyle-Produkte der VfB-Partner anbieten wird. Die Jugend-Akademie, ein Internat für 20 bis 30 Schüler, die neben einer schulischen auch eine hochqualifizierte fußballerische Ausbildung erhalten sollen, ist ebenfalls Teil der neuen VfB-Welt.

Auf die Frage aus dem Publikum, wie planbar denn Erfolg sei, wenn dieser auf sportlicher Ebene ausbleibe, antwortete Staudt charmant und gewandt, er kenne sein Presseimage als Sparer und bisweilen auch als Langweiler. Dennoch halte er an dem eingeschlagenen Weg fest, dem Verein die freie Beweglichkeit zu erhalten, indem man auf eine Verschuldung verzichte. Als seriöser Verein sei der VfB eingebettet in die Region und würde, so Staudt, mit guter Infrastruktur und einer guten Mannschaft den Grundstein für einen dauerhaften Erfolg legen. Das Konzept der "Jungen Wilden", die preiswerter sind als teure Verpflichtungen von Spitzenspielern, solle beibehalten werden.

Am Ende seiner Ausführungen betonte Staudt nochmals, dass Erfolg nur durch wirtschaftliche Solidität stabilisiert werden könne. Einen eindrucksvollen Beweis für die Richtigkeit dieser Aussage liefere derzeit der Bundesligist Borussia Dortmund. Mit dem Verkauf der Vermarktungsrechte auf Jahre im Voraus beraube man sich der notwendigen Flexibilität, auf Marktveränderungen rechtzeitig reagieren zu können.

nz