Lokale Kultur

"Essen muss einfach Spaß machen"

KIRCHHEIM Gut essen gehen ist eine Sache, das Gebotene mit Punkten zu bewerten eine ganz andere. Auf die Idee zu kommen, einen Streifzug durch bekannte Lokalitäten



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RUDOLF STÄBLER

zu machen, diese zu bewerten und in einem Buch dann seine Erfahrungen dem interessierten Leser mitzuteilen, ist eine Idee, die nicht unbedingt neu ist. So wollten der Winnender Wolfgang Scherrmann und der Schlierbacher Christof Rommel auch nicht in die Fußstapfen von Gourmet-Gurus der Michelins und sonstigen Küchenbewertern treten, "Essen muss Spaß machen" lautet die Devise der beiden Freunde, ein Versicherungsmakler und ein Filialdirektor.


So alle vier bis sechs Wochen leisten sich die beiden Feinschmecker einen Ausflug zu mehr oder wenig bekannteren Gourmet-Tempeln und das jetzt schon seit elf Jahren. Da wurde schon mal bewertet, der eine gab 16,5 Punkte, der andere gar 17,5 bei der nach oben nicht offenen Skala. "Bei 20 ist Schluss."


Nun haben sie zusammen "Und täglich lockt die Gänseleber" geschrieben und bebildert. Auf 56 Seiten stellen die Autoren 20 Restaurants vor, die alle mit einem Superlativ und etwas Besonderem aufwarten können. Da wird schon auch mal ein berühmter Fernsehkoch nicht gerade besonders freundlich behandelt. Das allerdings wollen und können sich die beiden Kritiker durchaus leisten, "wir sind keine beruflichen Gastrokritiker und haben auch kein Sponsoring."


Die Büchlesbewertung der einzelnen Lokalitäten erfolgt bei Rommel & Scherrmann allerdings nach Gänsen und dabei sind sechs davon das allerhöchste der Gefühle, das ein Essen aus den beiden herauskitzeln könnte. Bisher haben die Jungautoren noch nie zur "Höchstnote" gegriffen. Die Hitliste der beiden Genießer führt Harald Wohlfahrts Drei-Sterne-Lokal "Traube Tonbach in Baiersbronn mit fünfeinhalb Gänsen an, gefolgt vom "Staufeneck" in Salach und dem "L'Arnsbourg" im elsässischen Bärental mit je fünf Gänsen.


In 25 Jahren Außendienst ist Scherrmann zum Gastronomie-Fachmann gereift. Jeden Mittag gönnte er sich ein gutes Essen. Vor elf Jahren traf Scherrmann Christof Rommel, sozusagen einen Bruder im Genießen, mit dem zusammen er seither regelmäßig dem guten Geschmack huldigt.


Im "Faß" in Kirchheim haben die beiden Autoren dieser Tage ihr gemeinsames, im Selbstverlag herausgegebenes Büchlein, das bei der Buchhandlung Zimmermann zum Preis von 9,80 Euro zu erhalten ist, vorgestellt. Auch Stefano und sein Faß ist in diesem Buch zu Ehren gekommen. Dem schwäbischen Italiener bescheinigen die beiden Feinschmecker einhellig: "Hier gibt's noch was fürs Geld." Und noch ein Schulterklopfen: "Stefano steht für ehrliche, traditionelle, italienische Küche." Ein Zitat der Beiden gefällig: "Da lacht der Geldbeutel und der Ranzen spannt." Das ist das "Augenzwinkern", das sich durch das gesamte Buch zieht, wohl alles nicht so ernst gemeint.


Und Stefano wäre nicht Stefano, wenn er nicht zur Präsentation des Gourmet-Führers ein Menue, das selbst die beiden kritischen Tester total ins Schwärmen brachte, präsentiert hätte. Und auch einige Kostproben aus seinem persönlichen gut bestückten Weinkeller ließen die Zungen schnalzen und die Augen der Kenner leuchten.