Lokale Kultur

Exotisches, Virtuoses und deutsche Weihnacht

KIRCHHEIM Mit einem umjubelten Weihnachtskonzert in der Stadthalle beschloss die Kirchheimer

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GUNTHILD ARNOLD

Stadtkapelle ihr an musikalischen Höhepunkten wahrlich nicht armes Jubiläumsjahr zum 175-jährigen Bestehen. Viel Weihnachtliches, zwei solistische Highlights und eine farbenreiche, breitgefächerte Palette aus allen Bereichen des Blasorchesterrepertoires bildeten das ebenso umfang- wie abwechslungsreiche Programm.

Wie immer eröffnete die Jugendkapelle den Abend: Eine stattliche Schar tüchtiger junger Musikerinnen und Musiker, mit denen Harry D. Bath exzellente orchestererzieherische Arbeit leistet und in deren Reihen die kompetenten Musiker der eigentlichen Stadtkapelle heranwachsen, nein Nachwuchsprobleme kennt man hier nicht.

Die vertrackten Rhythmen der eröffnenden "Ukrainischen Glockenfantasie" präsentierten die Jungmusiker mit Bravour und Glanz. Im folgenden Weber-Concertino stellte sich Konzertmeisterin Marisa Scaffidi als talentierte Klarinettensolistin vor. Mit flinken Fingern meisterte sie das virtuose Passagenwerk, musikalisch ausdrucksvoll phrasierte sie die Melodiebögen der lyrischen Teile. Ihre begleitenden Kollegen unterschieden genau zwischen diskreter Begleitung der Soli und knackigem Tutti-Forte.

Und dann ging's mit vollen Segeln in den satten Hollywood-Breitwand- Sound der von Klaus Babelt gekonnt arrangierten Filmmusik zu "Fluch der Karibik". Das Jugendkapellen-Schiff mit seiner temperamentvollen Besatzung steuerte unter dem souveränen Kommando von Kapitän Bath schwungvoll durch die hoch aufbrandenden musikalischen Wogen, dass es eine helle Freude war. Glücklich lief man ein im Heimathafen deutschen Weihnachtsliedguts, mit dem die Jugendkapelle ihren rundherum überzeugenden Auftritt beschloss.

Während die Stadtkapellen-Jüngsten sich für ihren Vorstufenorchester-Auftritt vorbereiteten, ließ Vorsitzender Andreas Haussmann noch einmal die Ereignisse und Veranstaltungen des Jubiläumsjahres Revue passieren. Als Zeichen der Verbundenheit mit der Diakonie Stetten, der auch in diesem Jahr eine stattliche Summe aus der Kalenderaktion zufließt, überreichte er den symbolischen Riesen-Scheck und hob dabei die wichtige Bedeutung dieses sozialen Bandes hervor.

Auf eine vergnügliche Schlittenfahrt nahmen die ebenso präzis wie schwungvoll musizierenden, hörbar gut vorbereiteten Jüngstmusiker ihr Publikum im "Snow Valley Sleigh Ride" mit, bevor sie es mit dem "Jungen Weihnachtskonzert" von Alfred Bösendorfer, einem bunten Strauß beliebter und bewährter Weihnachtsmelodien in die Pause entließen. Auch hier, auf der "Vorstufe", konnte man Spielfreude und genaues Zusammenspiel bewundern.

Modest Moussorgskys Tondichtung "Eine Nacht auf dem Kahlen Berge" schildert zwar die furchterregenden Ereignisse eines Hexentreffens in der Johannisnacht, passt aber zur nicht minder sagenumwobenen und geheimnisumwitterten Wintersonnenwendnacht just dem Konzerttermin am 22. Dezember ebenso gut. Schon die einleitenden Holzbläserfiguren ließen aufhorchen. Hier wurde, wie es für die Kirchheimer Stadtkapelle und Harry D. Bath selbstverständlich ist, auf höchstem blasorchestralem Niveau musiziert. Mächtig drohende Bassregister, Beweglichkeit in allen Stimmen, klangliche Differenzierung und packende musikalische Gestaltung die ambitionierte Interpretation des anspruchsvollen Stücks ließ keine Wünsche offen.

Ein instrumentales Phänomen ist die junge Marimbafonistin Vanessa Wünsch. Angesichts eines Wettbewerbs-Preises auf höchster Bundesebene waren die Erwartungen an ihren Soloauftritt in Alfred Reeds Konzert für Marimba und Blasorchester wahrlich hoch angesetzt Vanessa Wünschs fulminantes Spiel übertraf sie mit Leichtigkeit und löste wahre Jubelstürme aus.

Die faszinierende instrumentale Virtuosität ist für sie Selbstverständlichkeit und erst die Voraussetzung für ihr hochmusikalisches, ausdrucksvolles Spiel. Wie sie etwa im ersten Satz über die schnellen Tonrepetitionen hinweg weite melodische Bögen spannte, wie sie in der fetzigen Schluss-Toccata trotz des schnellen Tempos den Klang genau ausdifferenzierte das verdient höchste Bewunderung.

Gelegenheit zu überzeugenden solistischen (Kurz-)Auftritten aus den Reihen der Stadtkapellenmusiker bot das mit Temperament und der unterschwelligen, Klezmer-typischen Melancholie gespielte Werk "Klezmer-Classics" von Johan de Meij, dessen "Herr der Ringe"- Sinfonie in der Stadtkapellen-Interpretation noch in allerbester Erinnerung ist. Weihnachtliches in Gestalt einer glitzernden "Jingle-Bells"-Paraphrase, eines "Dream in Silent Night"-Wintertraums und des wohltuend schlicht und innig musizierten "Vom Himmel hoch, oh Englein kommt" schloss das Programm, das auch in diesem Jahr charmant von Stefanie Rauschnabel moderiert wurde. Blumen für Harry D. Bath, herzlicher, langanhaltender Beifall: schöner hätte das musikalische Jubiläumsjahr 2007 für die Stadtkapelle nicht enden können.