Lokale Kultur

Exquisite Hausmusik für den guten Zweck

KÖNGEN Die meisten kennen Matthias Berg als eloquenten Juristen und Ersten Landesbeamten des Landkreises Esslingen. Dass er zu den erfolgreichsten Behindertensportlern der Welt zählt und auch schon als Kommentator bei den Paralympics am Mikrofon saß, wissen die wenigsten. In Köngen hatten die

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NICOLE MOHN

Besucher des Benefizkonzertes die Gelegenheit, den Vize-Landrat von seiner musischen Seite kennen zu lernen: Zu Gunsten des geplanten Baus eines Pavillons in Rama, der israelischen Partnergemeinde Köngens, spielte der mehrfach preisgekrönte Hornist zusammen mit Ehefrau Christina (Klavier) und seiner Schwester Juliane (Mezzosopran) in der Hauskapelle des Köngener Schlosses.

Hausmusik im Hause Berg, das hat wirklich Klasse. Und so durften sich auch die zahlreichen Gäste in der sich rasch füllenden Schlosskapelle auf eine exquisite Darbietung und eine erlesene Mischung aus E- und U-Musik freuen für die ungewöhnliche Zusammensetzung von Horn, Mezzosopran und Klavier. Die drei Bergs spannten den Bogen vom Barock bis hin zu Andrew Lloyd Webber und hatten für das Benefizkonzert einige musikalische Kostbarkeiten im Gepäck.

So zum Beispiel das selten gespielte Stück "Alphorn" aus der Feder von Richard Strauss, das der Komponist im zarten Alter von 14 Jahren verfasste. Wunderschön arbeitete Berg am Horn hier das Thema heraus. Juliane Bergs Mezzosopran glänzte nicht nur bei der Arie aus der Händel-Oper "Julius Cäsar", sondern vor allem bei der Interpretation der drei barocken italienischen Arien von Scarlatti, Caldara und Marcello. Mit ihrer klaren Stimme webte sie im Zusammenklang mit Schwägerin Christina am Klavier musikalische Bilder von Sonnenaufgang und Liebesleidenschaft. Ein kleiner Höhepunkt war aber sicher die Arie "Schon Abend" von dem eher für seine Ballettmusik bekannten Tschaikowski.

Nach der Pause schlug das Berg-Trio zeitgenössischere Töne an, die aber das Publikum nicht weniger begeisterten. "Close Every Door" aus dem Musical "Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat" waren die eher bekannteren dabei, hörenswert aber auch die Stücke von John Rutter, dem Komponisten vieler vertrauter Chorwerke.

Das Publikum jedenfalls zeigte sich zu Recht begeistert von dem familiären Konzert zu Gunsten Ramas. Mit Matthias Berg, seiner Frau Christina und Schwester Juliane standen drei hervorragende Musiker auf der Bühne der Schlosskapelle. Juliane Berg, Stipendiatin des Richard-Wagner-Verbandes und unter anderem Preisträgerin des Euregio-Gesangwettbewerbs, sang schon bei den Opernfestspielen in Bad Hersfeld und ist bekannt durch zahlreiche Konzerttourneen, TV-Auftritte und CD-Produktionen.

Auch bei ihrem Bruder sind die musischen Talente deutlich spürbar: Matthias Berg kam mit sieben Jahren über das Jagdhorn zum Horn. Mit 13 war er Jungstudierender an der Musikhochschule Freiburg und Stipendiat bei der "Heinrich-Strobel-Stiftung" des Südwestfunks und wurde 1981 Bundessieger bei "Jugend musiziert". Auch während des Jurastudiums ließ das Multitalent seine Begeisterung für die Musik nicht los: Er studierte sein Instrument weiter in Freiburg, sammelte auch im musikalischen Bereich hohe Auszeichnungen und wirkte wie seine Schwester in zahlreichen Funk-, Fernseh- und CD-Produktionen mit.

Seine Frau Christina begann ihre musikalische Laufbahn früh; spielte zunächst Blockflöte und Klavier, später kam das Cello hinzu. Die Studienrätin für Musik und Deutsch ist eine gefragte Kammermusikerin.

Am Freitagabend stellte das Berg-Trio sein Können in den Dienst der guten Sache. Die Einnahmen aus dem gemeinsam von Landkreis und Gemeinde organisierten Konzertabend kommen dem geplanten Bau eines Pavillons in Rama, einer arabischen Gemeinde im Norden Israels, zugute. Dorthin verbinden eingebunden in der Partnerschaft des Landkreises Esslingen mit der israelischen Stadt Givatayim die Gemeinde Köngen ebenso wie die Philipp-Matthäus-Hahn-Schule Nürtingen seit vielen Jahren partnerschaftliche Beziehungen. Wie Landrat Heinz Eininger, der wie Hans Weil dem Konzert beiwohnte, berichtet, wollen mit finanzieller Unterstützung aus Schwaben arabische, jüdische und deutsche Schüler im November an der Agricultural Technical High School in Rama den Pavillon bauen, der später vielfältig für schulische Zwecke genutzt werden soll.