Lokale Kultur

Extrem polare künstlerische Positionen

KIRCHHEIM "Gegensätze" unter diesem Titel sind derzeit Arbeiten von Erich Reiling und Herbert Volz in der Galerie der Kirchheimer Kreissparkasse zu sehen. Mit dieser Ausstellung werden zwei Künstler präsentiert, deren Werke bereits vor fast

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FLORIAN STEGMAIER

20 Jahren ihren Weg in die Sammlung der Kreissparkasse mit dem Titel "Junge Kunst im deutschen Südwesten" gefunden haben. Laudator Professor Günther Wirth betonte, dass es wohl noch nie in den Kirchheimer Ausstellungen der Kreissparkasse gelungen sei, innerhalb eines Mediums solch extrem polare künstlerische Positionen zu zeigen, die wenn auch aus total unterschiedlichen Konzepten und Ausgangsbasen herkommend jedoch vollkommen zeitgenössisch seien.

Erich Reiling, Jahrgang 1953, ist seit 2001 Professor für Malerei an der Pforzheimer Fachhochschule für Gestaltung, er lebt und arbeitet in Ettlingen bei Karlsruhe. In den meist großformatigen Arbeiten der letzten Jahre wurde die Farbe zur dominierenden Kraft. Der Künstler spricht diesbezüglich von "Farbe als Architektur", womit so die Deutung von Professor Wirth auf die "koloristische Gliederung der Fläche" hingewiesen werde. Der Zugang zu manchen Bildern sei vielleicht dadurch erschwert, so führte der Laudator weiter aus, dass Reiling mit "überraschenden Brechungen" arbeite, um alles zu vermeiden, was vordergründig nach Virtuosität aussehen könnte.

Eine treffende Beobachtung des Einführenden liegt in dieser konsequenten künstlerischen Haltung doch schon der Schlüssel zur hohen Qualität der Reilingschen Malerei verborgen. Im Gegenüber mit den Bildern bemerkt man sofort, dass hier kein Künstler zu Gange ist, dem an Eindeutigkeiten oder von außen aufgesetzten, fiktiven Konzepten gelegen ist. Vielmehr wird eine authentische Haltung spürbar, aus der heraus sich Bildwelten entwickeln, die sich eben nicht vordergründig und platt anbiedern, sondern die verstanden, erarbeitet und erlebt werden möchten.

Eine farbige Welt konkreter Formen begegnet in den Skulpturen und Malereien von Herbert Volz. Der 1944 geborene Künstler studierte in den 60er-Jahren freie und angewandte Malerei in Saarbrücken. Seit 1976 ist er als freischaffender Bildhauer und Maler tätig, 1986 wurde er mit dem Kulturpreis Schlesien ausgezeichnet. Herbert Volz lebt und arbeitet in Ulm.

Professor Wirth wies auf die Bedeutung des vierfarbigen Systems des Kantenspektrums hin, das Volz seinen Malereien und Skulpturen als Ausgangspunkt zu Grunde legt. Dieses so genannte "Kantenspektrum" ist ein in der Gegenwartskunst kaum beachtetes, wenn auch bereits von Goethe beobachtetes Phänomen der Lichtbrechung durch ein Prisma, das an den Rändern der Abstrahlung entsteht. Dieses spezifischen Ansatzes wegen sei das Bildwerk von Herbert Volz mit dem anderer konkreter Maler nicht mehr vergleichbar, da diese für gewöhnlich mit den herkömmlichen drei Grundfarben arbeiten. Daher nehme Volz, so Wirth abschließend, mit seinen "schönen und klangvollen" Bildern, die inhaltlich das "Ausschnitthafte unserer Seh- und Denkweise" sichtbar machen möchten, im Sektor der konkreten Malerei eine ganz eigene Position ein.

Die Werke sind noch bis 2. September in der Galerie der Kreissparkasse Kirchheim zu sehen.