Lokale Kultur

Fabelhafte Fabeln

KIRCHHEIM Das Motto des Abends "fabelhaft" versprach nicht zu viel. Mit seiner alljährlich stattfindenden musikalisch-literarischen Soirée im Kirchheimer Kornhaus kredenzte Bernhard Moosbauer

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FLORIAN STEGMAIER

eine gelungene Mélange aus Wort und Ton Tänze und Sonaten des Versailler Hofs umrahmten Fabeln von Jean de la Fontaine und entführte sein Publikum ins französische Barock des 17. Jahrhunderts.

Wenn auch hierzulande vergleichsweise wenig bekannt, gilt Jean de la Fontaine (16211695) in Frankreich als einer der größten literarischen Klassiker. Unter dem Mäzenatentum von Nicolas Fouquet, dem Finanzminister Mazarins, hatte der Dichter Gelegenheit, zahlreiche einflussreiche Persönlichkeiten kennenzulernen und den Aufbau des absolutistischen Herrschaftssystems Ludwig des XIV. zu verfolgen.

Aus dieser fruchtbaren Zeit, die im Jahr 1662 ein jähes Ende fand, als Fouquet bei dem berühmten "Sonnenkönig" in Ungnade fiel, datieren wohl die ersten Fabeln, die de la Fontaines Ruhm begründen sollten. Die nicht mehr in Prosagestalt verfassten, sondern dies war ein literarisches Novum in Verse gesetzten Fabeln zeichnen sich durch einen stets heiter-ironischen Grundton aus.

Was bei manchem seiner Vorgänger allzu belehrend daher kam, ersetzt de la Fontaine dank seines souveränen poetischen Umgangs mit den bekannten Fabelmotiven durch geistigen Witz und spielerische Anmut.

Mittels gewitzter Anspielungen und teil spitzer Seitenhiebe auf damals wie heute existierende Missstände in Gesellschaft und Politik, aktualisierte er die tradierten Stoffe und schuf so amüsante, meisterhafte Kleinodien, die aufgrund ihrer Zeitlosigkeit nichts von ihren Reizen verloren haben.

Um 1665 der Dichter hatte in Marguerite de Lorraine eine neue Gönnerin gefunden konnte er sich wieder seinem Hauptwerk widmen und publizierte 1668 in einer zweibändigen Ausgabe die ersten sechs Fabelbücher, die die meisten seiner heute vor allem aus Anthologien bekannten Fabeldichtungen enthielten. Weitere Veröffentlichungen dieses Genres folgten bis 1693, zwei Jahre vor de la Fontaines Tod in Paris.

In dieses umfangreiche dichterische Schaffen gewährte Bernhard Moosbauer seinen Hörern einen repräsentativen und vor allem unterhaltsamen Einblick. So griff er etwa die ambivalente Figur des zwar schlauen, jedoch auf Eigennutz bedachten "Reineke Fuchs" als roten Faden auf, lies aber auch die in all ihren Widersprüchlichkeiten in den Fabeln schonungslos in Szene gesetzten menschlichen Akteure nicht unberücksichtigt.

Zur Dichtung gesellte sich die Musik mit Werken dreier Größen des höfisch geprägten französischen Barock: Jean Baptiste Lully, Francois Couperin und Marin Marais. Gemeinsam mit Jens Wollenschläger am Cembalo brachte Barockviolinist Dr. Bernhard Moosbauer Suiten und Sonaten dieser drei Meister ihres Fachs zu Gehör und vermittelte dem Publikum auf diesem Weg gleichermaßen "fabelhaft" Impressionen der reichen französischen Musikkultur, die bereits im 17. Jahrhundert, ausgehend von einer regelrechten Sogwirkung des Versailler Hofs, zu einer beeindruckenden Blüte gelangen konnte.