Kirchheim

Fachwerk verträgt kein Feuerwerk

Silvester Seit 2009 gilt ein generelles Verbot für Böller und Raketen in Kirchheims Innenstadt – wegen der Brandgefahr.

Feuerwerk und Fachwerk passen nicht zusammen.Foto: C. Riedl
Feuerwerk und Fachwerk passen nicht zusammen. Foto: C. Riedl

Kirchheim. „Bitte beachten Sie das Feuerwerksverbot innerhalb des Alleenrings“: Deutlicher lässt sich der Hinweis nicht anbringen. An allen Zugängen zu Kirchheims Innenstadt hängt dieser Zettel, versehen mit einem eindeutigen Verbotssymbol - und mit der freundlichen Bitte um Beachtung.

Wer aber ein Verbot als reinen Willkürakt wahrnimmt, dürfte kaum bereit sein, es zu befolgen. Deshalb folgt hier die nähere Begründung für das Verbot: Es geht mitnichten darum, dass Stadtverwaltung und Gesetzeshüter hier einfach als Spaßbremsen auftreten wollen. Es wäre deswegen auch unangebracht, sich unter dem Motte „erlaubt ist, was gefällt“ einfach darüber hinwegzusetzen.

Der Sinn des Verbots hat einen ernsthaften Hintergrund: Zum Jahreswechsel 2008/2009 hatte ein Feuerwerkskörper das Dachgeschoss eines Hauses am Tübinger Marktplatz in Brand gesetzt. Ein Jahr später galt bereits das Feuerwerksverbot in der Nähe von Fachwerkhäusern, von Gebäuden mit Reetdächern oder auch von besonderen denkmalgeschützten Bauwerken. Dieses Verbot galt damals aber nicht nur in Tübingen, sondern bereits bundesweit in vielen historischen Innenstädten.

Auch Kirchheim war damals schon dabei - natürlich nicht wegen strohgedeckter Dächer, sondern wegen der vielen Fachwerkfassaden, die Kirchheims Innenstadt ihren besonderen Reiz verleihen. Diese Fassaden sollten nach Möglichkeit keinem Brand zum Opfer fallen, nachdem sie überwiegend in den 1690er-Jahren entstanden waren, nach dem großen Stadtbrand.

Die ersten beiden Jahreswechsel - bis Neujahr 2011 - war es für viele noch ungewohnt, auf das Feuerwerksspektakel in der Fußgängerzone zu verzichten. Inzwischen aber sind die meisten Innenstadtbesucher einsichtig genug, dass sie sich zum Abbrennen ihrer Raketen zumindest an den Rand der Altstadt begeben, also direkt an den Alleenring. Festzuhalten bleibt, dass sich Kirchheims Innenstadt seit vielen Jahren als dunkler Ring im bunten Feuerwerkstreiben abhebt. Folglich gab es bislang genügend Menschen, die das Verbot aus Einsicht befolgt haben. Andreas Volz

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