Lokale Wirtschaft

Farbe bekennen

Das Tauziehen um den Bau eines Möbelhauses in Sirnau bleibt spannend. "Interessenten, die sich um das städtische Grundstück bewerben, müssen sehr strenge Regeln für das Randsortiment akzeptieren", kündigt der Esslinger Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht an.

HERMANN DORN

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ESSLINGEN Mit deutlicher Mehrheit hat der Esslinger Gemeinderat im Mai den Weg für ein Möbelhaus in Sirnau geebnet. Gegen den Widerstand der Freien Wähler und Grünen wurde beschlossen, das Grundstück zum Verkauf auszuschreiben. Jetzt brütet die Stadtverwaltung über einer wasserdichten Vereinbarung zum Randsortiment. Wie ernst man diese Aufgabe nimmt, zeigt die Tatsache, dass mit Professor Birk ein namhafter Experte eingeschaltet worden ist. "Das Randsortiment des Möbelhauses muss auf 350 Quadratmeter beschränkt bleiben", erklärt Baubürgermeister Wallbrecht das Ziel, das ihm der Gemeinderat aufgetragen hat.

Für die Sorgfalt, mit der im Rathaus das Thema behandelt wird, gibt es bundesweit nur wenige Beispiele. Die Flächen, auf denen Glas, Porzellan, Keramik und Textilien angeboten werden dürfen, sollen in der Baugenehmigung exakt beschrieben werden. Mit strengen Regeln will die Verwaltung verhindern, dass das Randsortiment in anderen Abteilungen mit dekorativen Artikeln ausgeweitet wird. Investoren müssen auch mit regelmäßigen Kontrollen rechnen. Bei Verstößen drohen ihnen empfindliche Strafen.

Wallbrecht hat aus seinen Vorbehalten gegenüber einem Möbelhaus in Sirnau ebenso wenig ein Geheimnis gemacht wie Oberbürgermeister Jürgen Zieger. Beide treibt die Sorge um, ein solcher Magnet auf der grünen Wiese könnte den Einzelhandel in der Innenstadt treffen. Trotzdem haben sie akzeptiert, dass eine breite Mehrheit ein Möbelhaus wünscht.

Die Nagelprobe beginnt Ende Juli, wenn die Stadt ihr Sirnauer Grundstück zum Verkauf anbietet. Zwei bis drei Monate bleiben den Interessenten, um zu überlegen, ob sie die Bedingungen akzeptieren und ein Angebot vorlegen. Als heiße Kandidaten gelten Hofmeister und Rieger. Neben ihnen haben aber auch andere Möbelhäuser angeklopft, darunter Ikea. Die Entscheidung, wer den Zuschlag erhält, fällt im Oktober oder November.