Kirchheim

Feuerwehr-Oldtimer wird rausgeputzt

Geschichte Als Kirchheim 1950 sein erstes Tanklöschfahrzeug bekam, war das ein Quantensprung. Eben jenes Auto wird derzeit von Mitarbeitern des Feuerwehrmuseums restauriert. Von Daniela Haußmann

Klaus Hirtreiter, Wilhelm Kurz und Walter Olpp (von links) haben das TLF noch in Aktion erlebt. Sie freuen sich darauf, das aufp
Klaus Hirtreiter, Wilhelm Kurz und Walter Olpp (von links) haben das TLF noch in Aktion erlebt. Sie freuen sich darauf, das aufpolierte Fahrzeug nächstes Jahr zum zehnjährigen Bestehen des Kirchheimer Feuerwehrmuseums öffentlich zu präsentieren. Foto: Daniela Haußmann

Walter Olpp gehört noch zu jenen Feuerwehrleuten, die in den Fünfzigerjahren mit Kirchheims allererstem Tanklöschfahrzeug, einem TLF 15 vom Typ Magirus 3000 S, in den Einsatz gefahren sind. Als das Feuerwehrauto am 20. April 1950 auf den Hof der Freiwilligen Feuerwehr rollte, brach für das Löschwesen der Teckstadt ein neues Zeitalter an, wie der rüstige Rentner versichert. „Es war zwar nicht unser erstes motorisiertes Fahrzeug, aber es war das erste mit einem 80 Liter großen Schaummitteltank und einem 2400 Liter fassenden Wassertank“, erzählt Olpp und betont: „Das war ein Quantensprung.“ Jetzt musste der Löschschaum nicht mehr aufwendig mit dem Kanister in der Hand hergestellt werden. Außerdem stand sofort Wasser zur Verfügung, auch an Stellen, an denen damals Entnahmestellen fehlten.

„In Kirchheim gab es zwar seit 1920 ein Hydrantennetz“, so Helmut Eiting, Vorsitzender des hiesigen Feuerwehrmuseums. „Aber auf der Autobahn zum Beispiel gab es das nicht“, erinnert sich Klaus Hirtreiter. „Deshalb bekamen wir für das damals 27 890 Mark teure Fahrzeug einen Zuschuss vom Land.“ Eine Investition, die sich auszahlte, wie das Museumsmitarbeiter betont: „Bei sämtlichen Einsätzen waren wir einfach deutlich schneller handlungsfähig.“ Dazu hat auch der Schnellangriffsschlauch beigetragen, der im Ernstfall rasch von der Haspel gezogen und an den Wassertank angeschlossen werden konnte.

Große Tankkapazität

„Das Strahlrohr mussten wir nicht erst anschließen, das war vorinstalliert“, erklärt Helmut Eiting. „So sparte man wertvolle Zeit. Denn noch während die Löschwasserversorgung aufgebaut wurde, schritt die TLF-Besatzung sofort zur Tat.“ Auch wenn der Oldtimer bald 70 wird, braucht er in punkto Tankkapazität den Vergleich mit modernen Fahrzeugen nicht zu scheuen. „Standardmäßig sind heute 2500-Liter-Wassertanks auf den Feuerwehrautos verbaut. Die größten fassen um die 3000 Liter“, weiß Dietmar Stöckle, der das Tanklöschfahrzeug aktuell mit einem Team von Museumsmitarbeitern überarbeitet.

Das ist notwendig, denn nachdem das gute Stück 1977 außer Dienst gestellt worden war, stand es bis 1985 auf dem Hof hinterm Feuerwehrhaus. Bei einem Camping-Urlaub lernte ein Feuerwehrmannn aus Kirchheim einen Unternehmer kennen, der in der Fahrschule hinter dem Steuer eines solchen Magirus saß - für ihn Grund genug, das Fahrzeug zu kaufen. Seither stand es in Nordrhein-Westfalen. „Wir haben es aber nie aus den Augen verloren“, versichert Helmut Eiting. „Als sich vor über zehn Jahren abzeichnete, dass wir ein Feuerwehrmuseum gründen, wollten wir den Oldie wieder haben.“ Doch erst im März 2018 kehrte das TLF an seine alte Wirkungsstätte zurück.

Um Platz zu schaffen, verkaufte das Museum einen Feuer-wehr­oldie aus Geislingen für 7000 Euro an die dortigen Floriansjünger. Das spülte entsprechend Geld in die Kasse. „So mussten wir aus eigener Kraft nur noch 1000 Euro stemmen“, so Eiting. Seit rund einem Jahr wird das 85-PS-starke Tanklöschfahrzeug überarbeitet. Bremsen, Motor, Fahrzeugrahmen, Holzdach - einiges muss geprüft und erneuert werden. Das ist laut Dietmar Stöckle teilweise knifflig. „Denn an diesem Feuerwehrauto ist nichts typisiert. Deswegen mussten wir den Bremszylinder vermessen, um Ersatzteile zu bestellen“, erklärt der Kfz-Meister, der Mitglied im Museumsvorstand ist. Mehr als 700 Arbeitsstunden und rund 5500 Euro sind bislang in die Restaurierung geflossen. Pünktlich zum zehnjährigen Bestehen des Museums, das 2020 gefeiert wird, soll das Tanklöschfahrzeug in neuem Glanz erstrahlen, um es der Öffentlichkeit zu präsentieren.

TLF fast von Anfang an begleitet

Darauf freuen sich Walter Olpp, Klaus Hirtreiter und Wilhelm Kurz, die das Fahrzeug noch in Aktion erlebt haben. Mit seinen 91 Jahren ist Olpp von den Dreien der Älteste. Damit hat er die Geschichte des TLF fast von Anfang an begleitet. Er erinnert sich noch an zwei Bauernhofbrände in Neidlingen. „Wir leisteten damals Überlandhilfe. In 20 bis 25 Minuten waren wir vor Ort. Unterwegs haben wir sogar noch die Weilheimer Wehr überholt“, erzählt Walter Olpp. Das ist nicht verwunderlich, denn in den Dörfern rückten die Einsatzkräfte lange mit Traktoren und Einsatzanhängern aus. Das kostete Zeit. Trotzdem wurden bei den zwei Einsätzen alle Menschen und Tiere gerettet. Solche Erlebnisse sind für Wilhelm Kurz untrennbar mit dem TLF verbunden. Umso mehr freut es ihn, dass es wieder in der Teckstadt steht.

Mitstreiter und Förderer gesucht

Der Verein für historische Feuerwehrtechnik, der in Kirchheim das Feuerwehrmuseum betreibt, sucht Mitstreiter. Die müssen laut Roland Reiff nicht der Feuerwehr angehören. Wer sich für die Rettungsorganisation, ihre Geschichte oder ihre Fahrzeuge interessiert kann Roland Reiff zufolge mit dem Kirchheimer Verein Kontakt aufnehmen.

Wer zur Restaurierung von Kirchheims erstem Tanklöschfahrzeug beitragen will, kann den Verein für historische Feuerwehrtechnik mit einer Spende unterstützen. Die Bankverbindung lautet: Kreissparkasse Esslingen, IBAN DE76611500200010247011. dh

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