Lokale Kultur

Filmemacher stellten sich der Jury

16 Kurzfilme beim Regionalen Filmfestival Alb-Filder-Stuttgart auf dem Dettinger Guckenrain

Dettingen. Im Monat Februar herrscht bekanntermaßen Filmfestival-Fieber. Während sich auf der Berlinale Stars und Sternchen den roten Teppich streitig machen und in Hollywood die internationale Filmelite der Oscarverleihung entgegensieht,

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BrigiTte gerstenberger

um den nächsten Blockbuster zu küren, begaben sich ambitionierte, nicht kommerzielle Filmemacher auf den Weg nach Dettingen in den beschaulichen Ortsteil Guckenrain.

In der katholischen Kirche, die im Untergeschoss den Filmclub Teck (FCT) beherbergt, fand am Sonntag das Regionale Filmfestival Alb-Fildern-Schwarzwald statt, das vom Landesverband Baden-Württemberg im Bund Deutscher Filmautoren (BDFA) veranstaltet wurde. Sechzehn Kurzfilme liefen im Wettbewerb und stellten nicht nur die Jury vor die Wahl der Qual.

Viel Dokumentarisches gab es zu begutachten. Packende Erlebnisreisen standen ebenso hoch im Kurs wie Reportagen über selten gewordene Handwerkskünste. So wusste beispielsweise Karl-Heinz Kosmalla vom FCT über die Neidlinger Kugelmühle Wissenswertes zu berichten, während Volkmar Matthes vom Reutlinger Filmclub die jahrhundertealte Kunst des Buchdrucks genauestens unter die Lupe nahm.

Technisch perfekte Bilder, gestochen scharf, flimmerten da über die Leinwand. Der geneigte Zuschauer staunt und wundert sich – verwackelte Einstellungen Fehlanzeige. Nun, der Stand der Film- und Videotechnik ist mittlerweile grandios und ein Profistativ hilft auch auf rauer See noch, das Bild im Lot zu halten.

Trotz all der technischen Quantensprünge, das Apparate-Angebot mag zuweilen auch Amateure stressen, entscheiden doch letztendlich die kreative Gestaltung und die filmische Experimentierfreude. Dabei kann der Amateurfilmer aus dem Vollen schöpfen, genießt er doch Freiheiten, um die ihn jeder Berufsfilmer beneidet. So filmte einst der avantgardistische Filmregisseur Herbert Achternbusch wieder im Super-8-Format, um keine Fördermittel mehr beantragen zu müssen.

Filmaufbau, Form, kraftvolle Bildsprache, Ton, Lichtgestaltung und Dramaturgie sowie das Verhältnis der Filmlänge zum Filminhalt sind einige der Kriterien, die von einer Film-Jury zugrunde gelegt werden. Und so fand der informative Streifen „Bei Eric“ von Werner Henne vom Reutlinger Filmclub Gefallen bei den Preisrichtern.

„Ein sogenannter Herstellungsfilm, der kurz, knapp und prägnant mit sauberer Lichtgestaltung, kraftvollen Bildern und hoher Schnittkunst die Entstehung einer Harfe zeigte“, so das einhellige Urteil der Jury.

Eine ganz andere Intension verfolgte der Film „Ölsardinen“ von Josef Pettinger vom FCT. Manchmal kommt es anders als man denkt und so wurde aus einem ursprünglich geplanten Taucherurlaubsfilm am schönen Golf von Oman ein dokumentarisches Zeugnis der Folgen eines Tankerunfalls. Eine Umweltkatastrophe von verheerendem Ausmaß, das Mensch und Tier gleichermaßen ins Unglück stürzte, dramatische Bilder, die nachdenklich stimmten. Unterstützend zum Film ein nachhaltiger Text von Barbara Ibsch, der kritisch kommentierte, ohne dabei den erhobenen Zeigefinger zu bemühen.

Beide Beiträge sowie weitere Kurzfilme vom FCT, dem Reutlinger Filmclub und vom Waiblinger Filmclub erreichten die nächsthöhere Stufe und wurden somit von der Jury zum Landes-Filmfestival in Singen, das am 7. und 8. März stattfindet, weitergeleitet. Freilich, nicht jeder der sechzehn eingereichten Beiträge hielt den kritischen Augen der Jury beim Regionalfestival in Dettingen stand; ein leidiges Schicksal, das Filmemacher in Festivalzeiten, sei es am Guckenrain oder in Hollywood, gleichermaßen ereilt.