Lokale Kultur

Finale mit „Bobo und Susu“

Gabriele Beier und Stefanie Saule sorgten für einen spektakulären Schlusspunkt der Reihe „szenenwechsel“

Kirchheim. Die inzwischen schon siebten Kirchheimer Kinder- und Jugendtheaterwochen „szenenwechsel“ haben kaum angefangen und sind doch schon fast wieder Geschichte – allerdings und dankenswerterweise eine insgesamt sehr erfreuliche. „Wer viel bietet, kann vielen etwas bieten“ lautet eine bekannte und daher überaus oft zitierte Erkenntnis – die daher so falsch gar nicht sein kann.

WOLF-DIETER TRUPPAT

Für ein ganz besonders fulminantes Finale sorgten im Vortragssaal der Kirchheimer Stadtbücherei die vorwiegend für Schauspiel, Tanz und Gesang verantwortlich zeichnende Gabriele Beier und die sie mit ihrem Akkordeon musikalisch unterstützende Stefanie Saule vom Kinder- und Jugendtheater „Flexs“ in Augsburg. Im Gepäck hatten die beiden mit dem Stück „Bobo und Susu“ eine von Rafik Shami erwartungsgemäß brillant erzählte Liebesgeschichte, der sie in zwei begeisternden und gut besuchten Aufführungen im Vortragssaal der Kirchheimer Stadtbücherei viele originelle Glanzlichter verliehen.

Dass eine winzige Maus und ein riesengroßer Elefant grundsätzlich ein relativ ungleiches Paar darstellen, das nicht unbedingt von allen akzeptiert werden muss, die ihnen begegnen, nahmen die Kinder, die begeistert der virtuosen Aufführung folgten, durchaus kritisch zur Kenntnis. Dass eine kleine aber umso selbstbewusstere Maus sich traut, mit einem riesengroßen Elefanten zu streiten und ihm auch gleich noch rotzfrech eine Ohrfeige anzudrohen, beeindruckte sie offensichtlich fast noch mehr, als die nach stundenlanger Kletterarbeit von der verliebten Maus eingelöste „Drohung“ eines Küsschens für den aus ihrer Perspektive natürlich ganz besonders großen Elefanten. Das engagiert erkletterte Küsschen lockte die ungemein gut mitgehenden Kinder dann wirklich völlig aus der ohnehin von Beginn an kaum mehr vorhandenen Reserve.

Dank der ungemein einfallsreichen Regiearbeit von Gabriele Beier, die mit ihrer eindrucksvollen roten „Elefantenrüssel-Krawatte“ schon auf Anhieb punkten konnte und vor allem mit ihrem wackelnden und wirkungsvoll überdimensionierten Elefanten-Hinterteil berechtigte Lachsalven auslöste, erlebten die Kirchheimer Kinder- und Jugendtheaterwochen einen absolut überzeugenden und die Vielfältigkeit des Angebots abrundenden Schluss.

Astrid Lindgrens berühmter „Michel aus Lönneberga“ war genauso zu Gast wie die sicherlich weit weniger bekannte „Reimemachefrau“, „Der kleine König“, das Stück „Wenn Kängurus fliegen könnten“ oder „Der Zapperdockel und der Wock“.

Dem von club bastion, Kulturring, dem Kulturkreis Ötlingen, den Buchhandlungen Schieferle und Zimmermann sowie den Kirchheimer Schulen und der Stadtbücherei auf die Beine gestellten Programm muss attestiert werden, dass unterschiedlichste Gruppen erfolgreich angesprochen werden konnten. Mit vergleichweise einfachen Mitteln, aber enormem Einfallsreichtum setzten sie auf die Bereitschaft von Kindern, sich gerne in eine fremde Welt der Fantasie entführen zu lassen und weckten Lust auf Theater.

Mit ihren an beiden Knien festgemachten Elefantengesichtern, einer aus Papier ausgeschnittenen Mäuseriege, einer gefährlich daherkommenden Katze und vor allem ihrem originellen „Elefantenkostüm“ konn te die baletterprobte Gabriele Beier nicht zuletzt auch durch ihre anmutigen Tanzbewegungen überzeugen, und auch mit ihrer Stimme und der eingesetzten Klarinette ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen.

Von Stefanie Saule begleitet, sorgten sie mit der aus dem Kinderbuch „Der Kameltreiber von Heidelberg“ stammenden Geschichte für Theatervergnügen, das einen eindrucksvollen Schlusspunkt unter die abwechslungseichen Kirchheimer Kinder- und Jugendtheaterwochen „szenenwechsel“ setzten konnte.

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