Lokale Wirtschaft

Flaute an der Ferienjob-Börse

KREIS ESSLINGEN Gerade mal 30 Ferienjobs wurden der Agentur für Arbeit, Geschäftsstelle Kirchheim, gemeldet. "So wenig waren's noch nie", wirft Agenturleiterin Irene Krissler einen Blick auf die Zahlen vergangener Jahre. Dabei schrieben ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in zwei Aktionen im Mai und Juni Firmen im Geschäftsstellenbereich an, um Ferienjobs zu akquirieren. Die Zahl der Bewerber sank nicht mit der Zahl der Ferienarbeitsstellen. Sie blieb etwa gleich hoch wie im vergangenen Sommer. Rund 200 Schüler und Studenten meldeten sich auch in diesem Jahr auf der Suche nach der begehrten Ferienarbeit.

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Inzwischen sind noch 150 Bewerber registriert. Drei Jobs stehen noch in der Agenturkartei. Gesucht werden nicht selten junge Männer und Frauen für Tagesjobs, etwa auf dem Wochenmarkt oder im Supermarkt.



Auch in der Esslinger Agentur für Arbeit sieht es nicht anders aus: Tag für Tag klopfen Schüler und Studenten wegen einer Ferienarbeit an, doch Job-Expertin Estelle Meier muss meist passen. Arbeitsplätze sind generell rar, und auch bei den Aushilfsjobs für die Ferienzeit treten viele Firmen auf die Bremse. Die aktuelle Bilanz der Esslinger Agentur für Arbeit spricht denn auch für sich: Obwohl die Behörde 200 Betriebe angeschrieben hat, hat Estelle Meier derzeit nur rund 30 Job-Offerten in ihrer Kartei nur ein Tropfen auf den heißen Stein angesichts von etwa 230 Arbeit suchenden Schülern und Studenten, die registriert sind. Kein Wunder, dass Karlheinz Beck, der Teamleiter der Esslinger Arbeitsvermittler, fürchtet: "Diesmal werden sicherlich viele Bewerber leer ausgehen."



Die Flaute hält seit Wochen an: Gerade mal rund 100 Ferienjobs für Schüler und Studenten wurden bislang vermittelt in besseren Jahren waren es gut und gerne viermal so viele. Und auch die Zahl der Bewerber, die sich bei der Arbeitsagentur melden, ist rückläufig, weil mancher Interessent nicht mehr den Umweg über die Behörde nimmt, sondern mögliche Ferien-Arbeitgeber lieber direkt um einen Job angeht.



Genau wie die jungen Leute weiß auch Karlheinz Beck, dass längst nicht mehr alle Firmen, die Ferienjobber suchen, die Dienste der Agentur für Arbeit in Anspruch nehmen. Viele Unternehmen, die in früheren Jahren zu den Großkunden der Agentur zählten, bekommen inzwischen derart viele Bewerbungen ganz direkt ins Haus, dass sie ihren Bedarf auf eigene Faust decken. Andere Firmen setzen erst einmal auf bewährte Kräfte, die sich bereits im Vorjahr bewährt hatten, ehe sie Newcomer zum Zuge kommen lassen. Und wieder andere vergeben die wenigen Ferienjobs, die überhaupt noch angeboten werden, nur noch an Kinder ihrer Werksangehörigen als eine Art betriebliche Sozialleistung.



Dennoch hofft Beck, dass manche Firma bei kurzfristigem Personalbedarf doch noch mit einer Job-Offerte anklopft. Und er sagt allen, die den Service der Arbeitsagentur nutzen, prompte Bedienung zu: "Wer heute einen Ferienjob bei uns meldet, bekommt spätestens morgen einen passenden Bewerber vorgeschlagen." Das Spektrum der Jobs reicht vom Gastrobereich über Fahrertätigkeiten bis zur Büroarbeit, die Bezahlung pendelt sich zwischen acht und zwölf Euro ein. Besser bezahlte Jobs in der Produktion, die oft sogar mit Nacht- und Schichtzuschlägen verbunden waren, gibt es immer seltener. Allzu wählerisch sollten Schüler und Studenten unter solchen Vorzeichen nicht sein.



Dennoch rät Teamleiter Karlheinz Beck auch jenen Schülern und Studenten, die noch keinen Ferienjob gefunden haben, weiter am Ball zu bleiben: "Je länger jemand arbeiten möchte und je flexibler ein Bewerber ist, desto besser sind die Chancen. Viele Firmen reagieren immer kurzfristiger auf Bedarfsspitzen. Da ist es umso wichtiger, dass Bewerber gut zu erreichen sind und notfalls auch von einem Tag auf den nächsten anfangen können."

Annabel Stephanie Motzkus hatte Glück: Sie fand bei Festo einen der begehrten Ferienjobs.