Lokale Kultur

"Flecka auf d'r West"

KIRCHHEIM Schon eine halbe Stunde vor Beginn war das Foyer der Kirchheimer Stadthalle gefüllt mit Besuchern und "Fans", die sich mit Sekt und Small Talk auf das neue Theaterstück der Städtleskomede Neuffen einstimmten. Die Mitglieder des Dialekttheaters hatten mit der Komödie "Flecka auf d'r weißa West"

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HEIDE BRÖSAMLEN

ein Stück ausgewählt, das sich in einem Büro abspielt. So war auch gleich zu Anfang musikalisches Schreibmaschinengeklapper zu hören, durch das sich jedoch die beiden "büroschlafenden" Buchhalter dargestellt von Thomas Pfisterer und Willi Tohmann nicht stören ließen.

Die Zuschauer konnten sich nicht so recht vorstellen, wie die Firma Kümmerle Gewinn machen soll. Die Buchhalter spielen "Schiffe versenken", die hübsche Conny (Rebecca Pfisterer) ist mit dem Besorgen von Lkw's, von "Leberkäsweckle" beschäftigt, und der Arbeitstag von Rosi (Regina Reichert), der Nichte des Chefs, ist ausgefüllt mit Versuchen, sich einen Mann zu angeln.

Wenn dann Archibald Kümmerle (Walter Woitzik), der gefrustete Firmenchef auftaucht, ist kurzfristig hektische Betriebsamkeit angesagt und Chefsekretärin Heidi (Katja Reichert) muss zum Diktat. Dann gibt es noch die zänkische Ernestine (Gertrud Zimmermann), die Schwester des Chefs, vor der alle stramm stehen.

Das Stück, das von dem bekannten schwäbischen Autor Winfrid Wagner geschrieben wurde, hat durchaus aktuelle Bezüge. Der schwäbische Kleinunternehmer Archibald leidet nämlich unter einem "Burn-out-Syndrom" und will nur noch "ab in den Süden". Da seine Firma nicht so viel abwirft, um diesen Traum verwirklichen zu können, hat er sich bei der EU in Brüssel unter falschen Angaben Subventionen in Höhe von 2,4 Millionen Euro erschlichen. Er ist der Meinung, dass den Staat zu "b'scheißa koi Verbrecha isch".

Als sich dann sein neuer Geschäftsführer Oliver Oßwald (Martin Schnerring) als V-Mann entpuppt, ist die Aktualität zur heutigen Zeit erneut hergestellt. Überirdisch und turbulent wird es erst, als Archibalds Schutzengel Bonus (Ute Pfisterer) und dessen Begleiter Malus (Ulla Kien) auftauchen. Doch dem neuen, tüchtigen Geschäftsführer gelingt es, die Irrungen und Wirrungen zu entflechten und das Happy-End einzuleiten.

Die Schauspieler der Städtleskomede Neuffen konnten unter der Regie von Thomas Oser einmal mehr beweisen, dass auch ein Laientheater Stücke, die aus dem Leben gegriffen sind, überzeugend darstellen und dem Publikum "rüberbringen" kann. Mit geschickt eingebauten Kommentaren wurden auch die Sponsoren gestreift und die Zuschauer belohnten die Akteure vor und hinter den Kulissen mit viel Applaus.