Lokale Wirtschaft

Fördern und Fordern

Die Forderungen der Kammerorganisation an die Landesregierung nach den Wah-len, vor allem aber die Bildungspolitik stellte der Präsident der IHK-Bezirkskammer Esslingen-Nürtingen, Wolfgang Kiesel, in den Mittelpunkt seiner Ausführungen bei der Sitzung der Bezirksversammlung.

ESSLINGEN "Jeder Schulabgänger im Land muss lesen, schreiben und rechnen können, Leistungs- und Verhaltensdefizite müssen abgebaut werden", so Wolfgang Kiesel. Er plädierte dafür, für Kindergärten und Schulen Standards aufzustellen, die regelmäßig überprüft werden und deren Ergebnisse zu veröffentlichen seien. Präsident Kiesel sprach sich für ein flexibles und leistungsorientiertes Gehaltssystem für Lehrer aus, für Erzieherinnen und Erzieher forderte er Bachelor-Studiengänge an Pädagogischen Hochschulen oder Berufsakademien.

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"Zu diesem Paket gehört auch die Kindergartenpflicht zumindest im Vorschuljahr, eine deutliche Verbesserung der Ganztagsbetreuung auch an Schulen und eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie." Das Bildungssystem müsse gemessen an der finanziellen Ausstattung und an der Qualifizierung der Pädagogen vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Eine Lanze brach Kiesel für die schwächeren Bewerber um Ausbildungsplätze, denen man ebenso eine Chance geben müsse wie Schülern mit Spitzennoten. Er nannte beispielhaft einige Unternehmen, die gezielt Bewerber mit mittleren oder mäßigeren Begabungen eingestellt und gute Erfahrungen gemacht hätten. "Klagen und fordern nützt nicht viel fördern und fordern ist angesagt."

Vizepräsident Horst Keller stellte das Kirchheimer Projekt "Tandem-Ausbildung" vor, eine Verbundausbildung, die erfolgreich und nachahmenswert sei. Dr. Susanne Herre, die Steuerexpertin der Kammer, berichtete über aktuelle Änderungen im Steuerrecht, über "Reformen und Reförmchen" und über geplante Gesetzesvorhaben der neuen Bundesregierung in der Steuerpolitik.

Daran schloss sich eine lebhafte Diskussion an. Die Mitglieder der Bezirksversammlung waren sich einig: Grundlegende Verbesserungen sind in den kommenden Jahren leider nicht zu erwarten, der großen Koalition wird ein großer Wurf kaum gelingen.

pm