Lokale Wirtschaft

Förderung von Kreativität und sozialer Kompetenz

Mit einem Ausbildungspreis will der Rotary Club herausragende Leistungen im Rahmen der Berufsausbildung im dualen System würdigen und fördern. Der Präsident des Rotary Clubs Kirchheim-Nürtingen, Dr. Jochen Balbach, verlieh Preisgelder in Höhe von insgesamt 3000 Euro in der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen.

CANTHERINE SIMON

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NÜRTINGEN "Die Jugend ist von Grund auf verdorben, böse und faul": So begann Oberstudiendirektor Harald Fano, der Schulleiter der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule seine Rede und erläuterte, das obige Zitat habe er kürzlich gelesen. Es stamme von einer 3000 Jahre alten babylonischen Tontafel und Erwachsene gäben diese Sichtweise von Generation zu Generation weiter zu Unrecht, wie der Abend zeigen solle: "Dieser Pessimismus bewahrheitet sich nicht. Die Berufsschule ist zwar sonst nur durch Negativmeldungen in den Medien, heute Abend geht es dagegen um die Förderung von Kreativität und sozialer Kompetenz".

Dr. Jochen Balbach wies darauf hin, dass mit dem Preis Jugendliche gefördert werden sollten, die in Ausbildungsbetrieb und Berufsschule außergewöhnliche fachliche Qualifikationen gezeigt hätten, daneben aber auch Gruppenprojekte: "Leistungsorientierung und Engagement für die Allgemeinheit, bürgerschaftliche Verantwortung und soziale Kompetenz sollten gewürdigt werden."

Die Auszahlung des Preisgelds ist an die Bedingung geknüpft, es zur Förderung der eigenen beruflichen Weiterbildung oder für weitere Unterstützung der Sozialprojekte zu verwenden. Die Preisträger müssen über Verlauf und Erfolg der Investitionen Rechenschaft ablegen.

Zugelassen waren Auszubildende, die an beruflichen Schulen im Landkreis Esslingen unterrichtet werden. Aus sechs Bewerbungen wurden von der Jury zwei als preiswürdig betrachtet.

Balbach zitierte die neueste Shell-Studie zur Lage der Jugend, die besage, dass Jugendliche nach Autonomie als dem wichtigsten Orientierungsmuster strebten. Bemerkenswert sei jedoch, dass Autonomie für Jugendliche auch Zivilcourage und Integration bedeute. Sich für Fremdes offen zu halten und anderen Menschen gegenüber tolerant zu sein, nennt die Studie "Solidarischer Individualismus" und dieser stehe uneingeschränkt für die Preisträger.

Der erste Preis über 2000 Euro ging an sechs Auszubildende zum Beruf des Automobilkaufmanns. Die Schüler der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule in Kirchheim (Manuel Hummel, Tobias Kenitz, Roman Michel, Thomas Ramin, Stefan Roos und Susanne Schweizer) hatten sich im "Haus der Mitte" in Bad Boll für ein Projekt zur Integration von Menschen mit Behinderung ins Arbeitsleben engagiert. Sie unterstützten die Holzwerkstatt und Bügelstube, indem sie eine Werbebroschüre für Absatzförderung und Kundengewinnung entwarfen.

Landrat Heinz Eininger und Ulrich Gottlieb aus der Jury lobten Einsatz und Einfühlungsvermögen, Organisationstalent und Kreativität der Preisträger. Sie hätten damit gezeigt, dass auch junge Menschen bereit seien, Verantwortung für andere zu übernehmen und die eigene Leistung hintanzustellen.

Für die Restaurierung eines jüdischen Friedhofs mit Gebäude im polnischen Pruszkow (mit dem den Kreis Esslingen eine Partnerschaft verbindet) bekamen die Schüler der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule in Nürtingen und angehenden Zimmerleute Andreas Eberspächer, Thomas Elholm, Martin Großmann, Martin Kottmann und Marco Wittek den zweiten Preis über 1000 Euro.

Die Jury, vertreten durch Professor Eberhard Weinbrenner und Thomas Pfäffle, lobte ihre sorgfältige Handwerksarbeit und nannte ihr Engagement ein symbolisches Zeichen der Versöhnung gegenüber der jüdischen Bevölkerung. Sie hoben besonders ihre intensiven Kontakte zu den polnischen Schülern hervor, welche bereits zu einem Gegenbesuch in Deutschland waren.

Nachdem beide Gruppen ihre Arbeit in Wort und Bild anschaulich präsentiert hatten, hob Balbach hervor, dass neben den Schülern auch Schule und Lehrbetriebe nicht außer Acht gelassen werden dürften. Engagement über das übliche Maß hinaus sowie die Freude am Beruf müsse von allen Seiten kommen.

Zum Abschluss überreichte Balbach dem Leiter der Chorjugend der Musikschule Kirchheim, Bertram Schattel, einen Scheck für seine Jugendarbeit und dankte dem Chor für die schwungvollen und frischen Beiträge, die dem Anlass einen würdigen Rahmen gegeben hätten.