Kirchheim

Frauenhaus hat nicht genug Platz

Gewalt 21 Frauen mit ihren Kindern haben 2017 im Kirchheimer Frauenhaus Schutz gefunden. 63 mussten abgelehnt werden, meist wegen Überfüllung. Ein Heilpädagoge ergänzt seit Kurzem das Angebot. Von Melinda Weber

Wenn der Partner gewalttätig ist, bleibt vielen Frauen mit ihren Kindern nur die Flucht ins Frauenhaus.Symbolbild: Jean-Luc Jacq
Wenn der Partner gewalttätig ist, bleibt vielen Frauen mit ihren Kindern nur die Flucht ins Frauenhaus.Symbolbild: Jean-Luc Jacques

Seit über 20 Jahren ist das Frauenhaus in Kirchheim eine sichere Anlaufstelle für Frauen in Not. Wo häusliche Gewalt droht oder herrscht, bietet die Einrichtung Frauen und ihren Kindern Schutz und Unterkunft. Beratungsangebote und praktische Hilfen sollen den Betroffenen ermöglichen, zu einem selbstbestimmten und gewaltfreien Leben zurückzufinden.

21 Frauen und 24 Kinder haben im Jahr 2017 Zuflucht im Kirchheimer Frauenhaus gefunden. 63 Frauen mussten abgelehnt werden - meist, weil nicht genügend Platz zur Verfügung stand. Manche bleiben nur eine Woche, andere bis zu einem Jahr. Die meisten Frauen leben etwa drei Monate lang in der Wohnanlage, deren Adresse zum Schutz der Hilfesuchenden anonym gehalten wird.

Der Verein „Frauen helfen Frauen“, der das Frauenhaus betreibt, bietet auch externe Beratung in einem Büro am Kirchheimer Postplatz an. Die Nachfrage ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen: 119 persönliche und telefonische Beratungsgespräche konnten die im Frauenhaus beschäftigten Sozialpädagoginnen verzeichnen. Selbst Frauen aus anderen Landkreisen und Bundesländern nahmen das Angebot wahr. Die Frage, wie eine gewaltgeprägte Beziehung beendet werden kann, ohne dass es zu erneuten Zwischenfällen kommt, stand meist im Zentrum der Gespräche. Neben Betroffenen können sich Fachkräfte und Angehörige zum Thema häusliche Gewalt beraten lassen.

Das Kirchheimer Frauenhaus steht unabhängig von Alter, Nationalität und Herkunft allen Frauen offen, die Hilfe und Unterstützung benötigen. Im letzten Jahr lebten Frauen aus elf verschiedenen Ländern und im Alter zwischen 20 und 60 Jahren im Frauenhaus. Die meisten waren zwischen 25 und 40 Jahre alt. Zwei Drittel der Hilfesuchenden kamen mit Kindern.

Eine große Besonderheit ist der neue Heilpädagoge Peter Beck, der seit Ende vergangenen Jahres das Team des Frauenhauses unterstützt. Auch wenn es eine eher ungewöhnliche Personalsituation für ein Frauenhaus sei, sollte es auch eine männliche Identifikationsfigur geben, findet Irmgard Pfleiderer, Sozialpädagogin im Frauenhaus. Anfängliche Unsicherheiten konnten schnell ausgeräumt werden. „Es gab überhaupt keine Berührungsängste, und die Kinder freuen sich jedes Mal über den Besuch von Herrn Beck“, erzählt sie. Ein bis zwei Mal pro Woche bietet er im Frauenhaus ein heilpädagogisches Angebot für die Kinder an, bei dem das Spiel und verschiedene Freizeitaktivitäten im Vordergrund stehen. Den Kindern, die oftmals väterliche Gewalt erleben oder mit ansehen mussten, „ein positives männliches Rollenbild anzubieten“, sei ihm ein großes Anliegen, so Beck im Jahresbericht.

Die Suche nach einer geeigneten Anschlusswohnung der Bewohnerinnen entpuppte sich auch 2017 als äußerst schwierig und zeitaufwendig. Dennoch geht aus dem Bericht hervor, dass nur eine der 21 Frauen nach ihrem Aufenthalt im Frauenhaus in die gewaltgeprägte Lebenssituation zurückgekehrt ist.

Informationen gibt es unter www.frauenhaus-kirchheim.de oder telefonisch unter 0 70 21/45 53. Bürozeiten sind montags bis freitags von 8.30 bis 12.30 Uhr. Außerhalb dieser Zeiten ist ein Anrufbeantworter geschaltet.

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