Lokale Kultur

Freiwillig barfuß zum Matterhorn und wieder zurück . . .

KIRCHHEIM "Durchs Land der wilden Schwaben" wollten sich die beiden bekennenden Bewohner des wilden Südens bewegen. In ihren bekannten Rollen als "Hämmerle und Leibssle" hatten sie auf Einladung

Anzeige

WOLF-DIETER TRUPPAT

des Kulturrings ganz spontan Bempflingen und Reggenbach den Rücken gekehrt, um mit ihrem grandiosen Auftritt in der Stadthalle das Publikum im Sturm zu erobern.

Dass sie neben der aufgeweckten "Ursula", der schlagfertigen "Erika", die "Ines" mit "dem Kerle danäben" und auch noch den gegen seine Müdigkeit ankämpfenden "Gerd" in der ersten Reihe vorfinden werden, konnten die beiden routinierten Kabarettisten nicht ahnen. Sie nutzten aber unbarmherzig jede sich bietende Chance, mit den ihnen hilflos ausgelieferten unschuldigen Opfern zu spielen, dass es eine wahre Freude war.

Wenn man sich schon gegenseitig permanent demontiert, sich schlecht redet und intimste Dinge ungeniert ausplaudert, ist es mehr als gerecht, dass auch die in der ersten Reihe Niedergelassenen nicht völlig von teilweise eher unbarmherzigen Humor-Attacken verschont bleiben.

Die selbstironie-resistenten Humor-Ikonen Bernd Kohlhepp und Eckhard Grauer kannten nicht nur den beiden fiktiven Schlitzohren "Schlotterbeck" und "Zeeb" sondern auch allen anderen Außenstehenden gegenüber kein Pardon. Alle in vorderster Front Sitzenden waren dem unbarmherzigen Spott der in smartem Cordsamt zur Sache gehenden Akteure und der Schadenfreude des "unbelästigten" Publikums sicher.

Statt am Stammtisch des "Schwanen" die cordbehüteten Charakterköpfe zusammenzustecken und abzulästern, hatten "Hämmerle und Leibssle" überhaupt keine Probleme, auch einmal den Kirchheimern reinen Wein einzuschenken und sie mit absurdesten Sinnfragen ins Grübeln zu bringen, die in Bempflingen oder Reggenbach derzeit vielleicht noch aktueller in aller Munde sind als im Mittelzentrum Kirchheim.

Die berechtigte Sorge, beim Spülen möglicherweise feuchte Hände zu bekommen und allergisch zu reagieren, wurde chromosomengerecht geklärt, um gleich darauf gewissenhaft der Frage nachzugehen, wie, ob und warum Menschen möglicherweise barfuß das Matterhorn besteigen wollen. Schließlich zieht man ja auch im Zug gerne die Schuhe aus, um das Abteil ganz für sich alleine zu haben.

Die Schrecken eines Schwagers aus Heidenheim wurden hinreichend beleuchtet, um anschließend das Hohelied von Sankt Peter-Ording als idealer Urlaubsort zu singen, dem Rom und Venedig nicht im entferntesten das Wasser reichen können und der zudem sprachlich schwer benachteiligten Schwaben Überlebensschancen bietet. Wer kaum in der Lage ist, außerhalb des eigenen Ortes auch nur ein Frühstücksei zu ordern, hat es nun einmal nicht leicht mit Urlaubsreisen in ferne Länder. "Henn Ihr koine Henna", lautete die verzeifelte Frage, als das mit dem Ei partout nicht klappen wollte. Im "Ausland" immer Müsli essen zu müssen, kann keine Lösung sein für solche Probleme, denen sich grundsätzlich so weltoffene und abenteuerlustige Menschen wie "Hämmerle und Leibssle" ihres "Sprach-Handicaps" wegen immer wieder stellen müssen.

Schon längere Radtouren werden da zu großen Herausforderungen, die bewältigt sein wollen. Auch Fragen der richtigen Ernährung standen die kalorienbewussten Kabarettisten "Hämmerle und Leibssle" ebenfalls sehr aufgeschlossen gegenüber. Bei gleich zwei bestellten Wurstsalaten ist die Kalorienmenge schließlich vernachlässigbar. Wenn man nur einen isst, den anderen aber einfach ignoriert, geht die Kalorienzählerei des Power-Fastens "praktisch Null zu Null auf".

Dass "Hämmerle und Leibssle" nicht nur gute Esser sind, die "Spätzla ond Soß" ganz besonders gerne essen, wenn auch ein großes Schnitzel dabei ist, verwunderte nicht. Dass die beiden aber nicht nur sehr gute Sänger, sondern auch noch bessere Tänzer sind, erstaunte viele, die den soliden Schwaben viel, aber nicht auch noch das zugetraut hätten.