Lokale Kultur

Friedrich Schillers „Don Carlos“ setzte Akzente

Württembergische Landesbühne Esslingen sorgte für ein überzeugendes Finale

Kirchheim. Ein schillernderes Theaterfinale hätte sich der Kirchheimer Kulturring eigentlich gar nicht wünschen können. Das Ende der aktuellen Spielzeit wurde vom Ensemble der Württembergischen Landesbühne Esslingen (WLB) eingeläutet. Mit

Wolf-Dieter truppat

Friedrich Schillers „Don Carlos“ stand ein Klassiker auf dem Programm, der am Donnerstag, 20. November, in Esslingen erfolgreich Premiere gefeiert hatte und auch wenige Tage später in der Kirchheimer Stadthalle überzeugen konnte.

In der Inszenierung von Matthias Brenner und im von Ulrike Reinhard zurückhaltend gestalteten, aber gerade deshalb ungemein beeindruckenden Bühnenbild präsentierte das WLB-Ensemble zum Finale der aktuellen Spielzeit einen Klassiker, der 1787 in Hamburg uraufgeführt wurde.

Friedrich Schillers dramatisches Gedicht in fünf Aufzügen um „Don Carlos“, den „Infant von Spanien“, wurde in der aktuellen WLB-Inszenierung unaufdringlich, aber gerade dadurch umso wirkungsvoller präsentiert.

Die im Programmheft unbarmherzig angedrohte Spieldauer von „circa drei Stunden mit Pause“ verlor rasch ihre Schrecken, denn das präsentierte klassische Theater war trotz der Durchhaltevermögen verlangenden Dauer und der kaum sich verändernden aber überzeugend gestalteten Guckkastenbühne ein Vergnügen, dem sich die Kirchheimer Kulturring-Abonnenten ohne aufkommende Ungeduld uneingeschränkt hingeben konnten.

Die komplexe Handlung um den Kronprinzen Don Carlos (Jonas Pätzold), der seinem Studienfreund Marquis von Posa (Frank Eberhardt) anvertraut, dass er die Königin Elisabeth von Valois (Nadine Ehrenreich) liebt, die seine Braut war, dann aber seinen Vater heiratete, gilt mit seinen 5 370 Versen als eines der längsten Dramen der deutschen Bühnenliteratur. Politik und Privates sind in dem dramatischen Gedicht Friedrich Schillers in der Textfassung von 1805 kongenial vermengt und konnten in der Inszenierung von Matthias Brenner in der Kirchheimer Stadthalle zweifellos überzeugen.

Die gefällige Inszenierung des Stücks, mit dem das WLB-Ensemble nach Kirchheim gekommen war, verstand es durchaus, nicht nur immer wieder neue, schöne und klassische Theaterbilder zu zeichnen, sondern vor allem auch durch die von Patrick O’Berne unterlegte, stimmige Musik zu überzeugen und zu gefallen.

Trotz der sehr komplexen Handlung um die tragischen Irrungen und Wirrungen eines Mannes, dessen einstige Braut die Frau seines Vaters wird, konnte das WLB-Ensemble mit dem Gedankenfreiheit, Großinquisitoren und privateste Gefühle virtuos verquickenden Stück Friedrich Schillers für einen zwar lange währenden, in sich aber stimmigen und überzeugenden Schlusspunkt der Spielzeit der Kirchheimer Theatermiete des Kulturrings sorgen.

Das als „Manifest der Menschenrechte“ gefeierte Stück um die von politischen und privaten Ränken und Intrigen markierten Niederungen des Alltags in höheren Kreisen sorgte für ein überzeugendes Finale der Kirchheimer Kulturring-Saison, die mit lang anhaltendem Applaus entsprechend gefeiert wurde.

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