Lokale Kultur

Für den Galerieraum entstanden

Kurt Strohms „Raumbeschreibung“ tritt mit dem Fachwerk in Verbindung

Kirchheim. Arbeitet ein bildender Künstler betont raumbezogen, nennt man es für gewöhnlich einen „Eingriff“ den er in den Raum vorgenommen habe. Dieser prägnanten

Florian Stegmaier

und vertrauten Sprechweise können sich immer wieder erfrischende, individuell geschöpfte Alternativen zur Seite stellen, die das schwer überschaubare Konglomerat all dessen bereichern, was die Installationskunst zu bieten hat.

Hinsichtlich Kurt Strohms „Raumbeschreibung“ die derzeit in der Städtischen Galerie des Kirchheimer Korn­hauses zu sehen ist, möchte man weniger von einem installativen Eingriff, als von einer wesenhaften „Einlebung“ sprechen, die sich inmitten des Fachwerks vollzieht. Keine aus Exponaten zusammengefügte „Werkschau“ erwartet die Besucher, sondern ein künstlerischer Organismus, der für den Galerieraum entstanden und mit ihm in Verbindung getreten ist.

Unprätentiös, dennoch spielerisch und lebendig kommen darin Prozesse in Gang. Entfaltungen werden sichtbar. In ihren verschiedenen Aggregatzuständen erobert die Linie den Raum. Der Betrachter folgt ihren Windungen und Wicklungen und erlebt, wie elementare Gegensätze – innen und außen – Licht und Schatten, Fläche und Umriss – sich im permanenten Wechselspiel aufheben und verflüssigen. Die fortgesetzte Wandlung, eine unaufhaltsame Metamorphose schält sich als einzig Bleibendes heraus.

Bemerkenswert ist die Ökonomie der Mittel, mit der Strohm vorgeht. Der Laichinger Künstler bedient sich der Wellpappe, einem Material, das seiner Neutralität nach zunächst kaum etwas vorzugeben scheint, im künstlerischen Umgang dann jedoch umso mehr zulässt.

Drei solcher Skulpturrollen schlän­geln sich abwickelnd durch die Vierungen der Galerie. Der vom Künstler gewollte flexibel gehaltene Verlauf umschreibt einen sich stets neu findenden Reichtum organisch bildender Kräfte und erzeugt so einen dynamischen Formfluss, in dem jede neue Ausprägung die Auflösung und Auslöschung vorheriger Zustände bedingt.

Auch mit zweidimensionalen Mitteln ergreift und beschreibt Kurt Strohm den Raum. Die Bildebene mit den Galeriewänden optisch verschmolzen, ziehen sich malerische und grafische Arbeiten durch die Ausstellung. Kraftvoll und dezent eröffnen sie als Pendants zu den Bodenarbeiten raumdurchspannende Sicht­weisen, weisen sich aber in ihrer stillen Souveränität als gänzlich autonome Werke aus.

Paarweise oder gereiht, teils in Blöcken verdichtet, erwachsen den einzelnen Blättern neue Assoziati­onsräume und schärfen den Blick für den Variantenreichtum im Detail. Eine fest stehende Ur-Form geht als roter Faden durch die Malerei. Sie erschließt sich weniger als starres, auf Reproduzierbarkeit gemünztes Logo, als vielmehr ein wandlungsfähiges Leitmotiv, das aus seinem eigenen Fortschreiten Veränderung erfährt und diese sichtbar widerspiegelt.

Kurt Strohms „Raumbeschreibung“ ist bis einschließlich Sonntag, 22. Februar, im ersten Obergeschoss der Städtischen Galerie im Kornhaus zu sehen. Am letzten Ausstellungstag besteht ab 14 Uhr Gelegenheit zum Gespräch mit dem Künstler.

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