Lokale Kultur

Gelungene Interpretationen

KIRCHHEIM Im Rahmen der Abbonnementkonzerte des Kulturrings gastierte das Tübinger Kammerorchester unter der Stabführung von Gundi A. Emilson in der Kirchheimer

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FLORIAN STEGMAIER

Stadthalle. Das facettenreiche Programm wurde eröffnet mit den fünf "Griechischen Tänzen" von Kikos Skalkottas (1904 1949), Folklorist und Zwölftöner zugleich.

In seiner griechischen Heimat zu Lebzeiten als Kakophoniker verschrieen und weitgehend ignoriert, konnte er dort immerhin mit seinen zwischen 1931 und 1936 entstandenen "Griechischen Tänzen" für Aufmerksamkeit und Begeisterung sorgen. Hinreißend, temperamentvoll, mit zündendem, teils auch elegischem, volkstümlichem Idiom präsentierten sich die Tänze in der Interpretation des Tübinger Kammerorchesters.

Einen Höhepunkt der eigenen Art bildete Susanna Henkels Interpretation von Mozarts Violinkonzert D-Dur KV 218, einem Werk, das sich durch motivische Vielfalt und formale Experimentierfreude auszeichnet. Die junge Violinvirtuosin, mit renommierten internationalen Preisen hoch dekoriert, begeisterte mit einer mühe- und makellosen Technik, die jedoch selbst in den beeindruckenden Solo-Kadenzen nie zum prahlerischen Selbstzweck geriet, sondern stets geschmackvoll im Dienst der Interpretation stand.

Mit einem angenehm silbrigen Timbre in den hohen Lagen und einem nicht weniger klar akzentuierten warmen Ton im mittleren und tieferen Register, war Susanna Henkel für die vielfältigen Ansprüche des Mozartschen Tonsatzes gewappnet, wurde im Kopfsatz dem marschartigen Initialmotiv gleichermaßen gerecht, wie dem sich anschließenden anmutigen Seitenthema. Im Andante cantabile wusste sie die innige, aber auch tänzerisch-zierliche Atmosphäre des romanzenhaften Satzes wunderbar einzufangen und das voller Überraschungen steckende Rondo originell und spritzig zu gestalten.

Durchschlagendes tänzerisches Temperament dann auch zu Beginn der zweiten Konzerthälfte: Bartoks rumänische Tänze verwenden sieben Melodien aus der reichhaltigen Sammlung des Komponisten von über 1000 originalen Melodien mehrerer Völker. Der reiche, expressionistisch gefärbte Affektgehalt dieser Tänze er reicht von synkopierter Lebensfreude bis zur typisch slawischen Melancholie wurde in der Interpretation des Tübinger Kammerorchesters voll ausgeschöpft.

Auch die Deutung von Griegs populärer Holberg-Suite wusste voll und ganz zu überzeugen. Das Tübinger Kammerorchester arbeitete sorgfältig heraus, wo sich Grieg gegen eine reine Stilkopie sperrt, wo barocke Vorhalte zu Reizklängen werden oder Phrasen sich wider alle Regeln verlängern oder verkürzen. So wurde die Suite kenntlich als "Musik über Musik" in einer gelungenen Interpretation, die den von hämischen Kritikern gern erhobene Vorwurf, es handle sich um unausstehliche "Zopf-Musik" Lügen strafte.