Lokale Kultur

Gelungener Angriff auf die Lachmuskeln

KIRCHHEIM Peter und Gerda Steiner präsentierten am vergangenen Samstag ihren Theaterstadl mit Musik in der ausverkauften Kirchheimer Stadthalle. Mit dabei beim lustigen Klamauk waren "Frau Wäber", die beiden "Grashüpfer" sowie die

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RAINER STEPHAN

"Feldberger". Ihre Gäste begrüßten Vater und Tochter Steiner im Duett, gewürzt mit altbekannten Kalauern wie der "Bieramyde", dem ersten Bierproduktionsstandort im alten Ägypten. Der Altmeister des Volkstheaters konnte sich sogar mit Schillers Glocke im kurzen Vierzeiler klassisch offenbaren: "Loch in Erde, Bronze rin, Glocke fertig, Bimbimbim".

Den musikalischen Auftakt übernahm das Musikduo "Grashüpfer" mit Stücken aus ihrer neuen CD "Tanz der Träume". Mit dem Lied "Heut sind wir alle wieder super drauf" trafen Bernd und Jürgen aus dem Glottertal offensichtlich den Geschmack der Zuhörer. Auch ihr Lied "Auf der Hütt'n" verkörperte dieselbe Stilrichtung moderner Volks- und Schlagermusik. Während das Playback gut funktionierte, zeigte sich der inzwischen wohl obligatorische Bühnennebel nur sporadisch.

Eine klassische Verwechslungskomödie bescherten die Steiners mit ihrem nächsten Sketch. Während Peter Steiner sich im Heiratsbüro wähnte, erläuterte seine Tochter die Vorzüge des Reitens und der Pferde auf "Gut Sitz". Herzhaftes Lachen beim Publikum war hier allenthalben hörbar. Mit dem Lied "Alles braucht im Leben seine Zeit" setzten die "Grashüpfer" einen willkommenen musikalischen Kontrapunkt.

Gezielt andersartig zeigte sich der Beginn des Auftritts von "Frau Wäber": Auf einem Moped fuhr sie lautstark auf die Bühne ein. Mit Hut, Hornbrille, Handtasche und in gebeugter Haltung parodierte sie in ihrem Genre: Den Rat ihres Arztes auf eine Heilkur mit Luftveränderung an der Nordsee befolgte sie durch Beschaffung eines Ventilators und eines Herings. Auch den Therapievorschlag des Hausarztes gegen ihren Ischias interpretierte "Frau Wäber" falsch. Vorwurfsvoll wies sie darauf hin, dass das empfohlene Katzenfell nicht hinunterzukriegen sei.

International zeigte sich die Künstlerin beim Besuch in Meran und den Erlebnissen mit Bergführer Sepp. Dessen Hinweis auf den schönen roten Schal anlässlich einer anstrengenden Bergbesteigung entgegnete sie, dass es sich hierbei um ihre Zunge handle.

"Frau Wäber" verstand es vorzüglich, ihren Monolog zeitweise zum Dialog mit dem Publikum werden zu lassen. Hierbei hatte es ihr offensichtlich ein Herr mit Krawatte angetan. Ehrlich und offen war auch ihre Aufforderung an die Besucher, die Eintrittskarten als Geburtstagsgeschenk erhalten hatten: "Hoch mit den Mundwinkeln, zeigen sie ihre Freude!".

Größtenteils befassten sich die Gespräche und Sketche der Steiners mit dem Liebesleben und -werben des Altmeisters in früheren Zeiten. Zuweilen derb und deftig, aber meistens humorvoll trug Peter Steiner seine Witze vor. Mit dem Lied von der "Schwarzwaldmarie" verabschiedeten sich die "Grashüpfer" in ihre alemannische Heimat. Die beiden sympathischen Musikanten wurden mit reichlich Beifall bedacht. Dass er in verschiedenen Genres arbeiten kann, zeigte Steiner als Mime des "Dieners Johann" inmitten eines Aristokratenhaushalts. Obwohl gutwillig, konnte er die Erwartungen seiner Herrin wegen eklatanter Begriffsstutzigkeit nicht erfüllen.

Mit viel Schwung leiteten die "Feldberger" das volksmusikalische Finale ein. Das seit 1987 existierende Quartett hat bereits über 15 Alben herausgebracht und errang Auszeichnungen in Gold und Platin. Beim ersten Lied "Edeltraud" erläuterte der Sänger sogar die Funktionsweise des diatonischen Systems der eingesetzten steirischen Ziehharmonika. Auch auf einen Auftritt bei einer Touristikmesse in Japan konnte die Kapelle verweisen. Inspiriert hiervon erwies sich die Ballade "Die Welt von ganz weit oben seh'n" als musikalischer Blick über den heimatlichen Tellerrand hinaus.

Die Aktivierung des Publikums war das erklärte Ziel der "Feldberger": Während die Damen gemäß Anweisung des Frontmanns bei erhobener rechter Hand "Hey, hey, hey" sangen, konnten die Herren im Saal bei Betätigung der linken Hand im unteren Stimmbereich musikalisch glänzen. Mehr fürs Herz war das Lied des Leadsängers "Ich bin ein Blumenmann". Bei reichlich Vogelgezwitscher und schönstem Bühnenbild durfte der Rest der Kapelle "Schön, schön, schön" mehrstimmig im Kehrreim entgegnen. Das Publikum teilte augenscheinlich die Aussage des Sängers: "Heut ist die Nacht der guten Laune". Größtenteils stehend und klatschend wurden die Künstler verabschiedet.