Lokale Kultur

Gemeinsame Annäherung an die Stille

KIRCHHEIM Der Begriff "Perspektiven" wird definiert als Ausblick, Durchblick oder auch Aussicht für die Zukunft, als Standpunkt, von dem aus gesehen und literarisch dargestellt wird und als Darstellung von räumlichen Gegenständen. Vom heutigen Freitag bis einschließlich Sonntag, 19. November, steht dieses Thema im Mittelpunkt eines von Jochen Herzog und Monika Majer zusammengestellten, anspruchsvollen Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramms.

Anzeige

Bei der Vernissage, die am heutigen Freitag um 19 Uhr im Atelier für Skulptur in der Stuttgarter Straße 158 in Ötlingen beginnt, sorgt Thomas Horstmann für den musikalischen Rahmen. Judith Schenten führt in die Ausstellung mit Arbeiten von Anja Majer, Regine Sigel, Sabine Rempp-Durla, Jochen Herzog und Monika Majer ein.

Am morgigen Samstag werden um 17 Uhr Maria Ammann, Schauspielerin und Sprecherin aus Köln und Peter Schönfeld, Musiker und Komponist aus Kirchheim, gemeinsam versuchen, sich in ihrer Performance aus Wort, Klang und Musik dem Wesen der Stille zu nähern. Die Basis dafür bilden Kompositionen von Peter Schönfeld, eine Vertonung von Eckard Koltermann und Texte von Samuel Beckett, Ernst Jandl, Friederike Mayröcker, Erich Kästner, Werner Berggrün, Eckard Tolle, Sören Kierkegaard, Anselm Grün, R. M. Rilke, Matthias Claudius, Wislawa Szymborska, Selma Meerbaum-Eisinger, Helena Raszka, Ramon del Valle-Inclan und aus der Bibel. Veranstaltungsort der Performance ist die Aussegnungshalle am Kirchheimer Waldfriedhof.

Am Sonntag, 19. November, wird der Schorndorfer Keramikermeister Kai Koesling auf Einladung von Monika Majer und Jochen Herzog am Waldfriedhof einen Workshop anbieten, in dem die Teilnehmenden eine Urne aus Ton schaffen können. Ob für sich selbst, einen nahen Angehörigen oder einen lieben Freund, ist es eine schöne Möglichkeit, sich im aktiven Tun mit dem Tod auseinanderzusetzen und eigene Gedanken, Gefühle und Bilder in die Gestaltung der Urne einfließen zu lassen. Die Urne, das Gefäß für die letzte Reise kann Abschiedsgruß für einen nahestehenden Menschen oder eigener Lebensbegleiter werden. Die Teilnehmerzahl ist auf sechs Personen begrenzt. Anmeldungen werden unter der Rufnummer 0 70 21 / 72 08 22 entgegengenommen. Informationen über das komplette Programm können unter www.stein-gestalten.de abgerufen werden.

Im Rahmen einer Ausstellung im Atelier in Ötlingen nähern sich fünf verschiedene Künstlerinnen und Künstler den Perspektiven an: Anja Majer studierte nach dem Studium der Neueren deutschen Literatur, der Linguistik des Deutschen und der Allgemeinen Rhetorik und einer Ausbildung mit Abschluss zur staatlich geprüften Designerin an der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim im Studiengang Schmuck und Gerät. Nach der Auszeichnung mit verschiedenen Förderpreisen und mehreren Ausstellungen sowie Ausstellungsbeteiligungen arbeitet die Wahlberlinerin seit 2004 als freie Künstlerin. Sie wird sich mit einer Installation an der Ausstellung beteiligen.

Regine Sigel aus Owen studierte an der freien Kunstschule Nürtingen textiles Gestalten. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind textile Objekte, für die sie pflanzengefärbte Wolle verarbeitet. Ihre gesamte Arbeit hat etwas sehr Wertvolles, Sakrales in ihrer Ausstrahlung. Oft bezieht Regine Sigel mitgebrachte Dinge von Reisen, insbesondere aus Nepal, in ihre Arbeiten ein. Sie wird an der Ausstellung textile Objekte zeigen.

Sabine Rempp-Durla, Musikerin und Künstlerin aus Leonberg, studierte bei Mämmerle, Güdemann und Dreyer an der staatlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart und wurde 1999 mit dem Akademiepreis ausgezeichnet. Den Schwerpunkt ihrer Arbeit bilden neben der Zeichnung Collagen, Objekte und Installationen aus gefundenen, schon benutzten Materialien. Sie wird zu Perspektiven eine Materialcollage ausstellen.

Jochen Herzog, Bildhauer aus Kirchheim, hat sich in den letzten Jahren durch verschiedene Ausstellungen und Projekte einen Namen gemacht. Seine Arbeiten aus Stein sind meist anthropomorphe Skulpturen. Groß, schlank und oft sehr statisch, stehen sie wie unbeweglich und kehren doch für den Moment ihr tiefstes Inneres nach außen. Jochen Herzog zeigt zum Thema Perspektiven eine Kalksteinskulptur.

Monika Majer, Bildhauerin aus Kirchheim, schloss nach ihrer Ausbildung zur Steinmetzin ein Studium an der Akademie für Gestaltung in Ulm ab. Neben der Konzeption und Realisation vieler Ausstellungen und Projekte liegt der Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit bei der Bildhauerei. Durch die konzeptionelle Auseinandersetzung mit einem Thema entstehen meist klare, kubische Formen, die sich dem Betrachter oft erst durch dessen eigene Neugier erschließen. Sie wird die Besucher durch eine Installation zu verschiedenen Perspektiven einladen.

pm