Lokale Kultur

Geprägt vom authentischen "Rhythmus der Wellen"

KIRCHHEIM Weit über seine Wahlheimat Kirchheim hinaus ist der Industriekaufmann Andreas Volz als christlicher Sänger und Liedermacher bekannt. Am Samstag präsentiert er seine neue CD "Auf Augenhöhe" im Steingau-Zentrum.

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ANDREAS VOLZ

Teckboten-Redakteur Andreas Volz hat sich mit seinem "Namensvetter" unterhalten. Die beiden sind weder verwandt noch verschwägert und waren sich vor dem Gesprächstermin noch nie begegnet.

"Das Rhythmusgefühl wurde mir in die Wiege gelegt", sagt der professionelle Hobbymusiker Andreas Volz und liefert die Begründung gleich nach: Er ist gewissermaßen ein Meerschaumgeborener. 1971 kam er zur Welt, "im Rhythmus der Wellen das Krankenhaus war vielleicht 15 Meter vom Strand entfernt". Sein Geburtsort heißt "Wewak" und ist eine der größten Städte Papua-Neuguineas. Seit 1963 waren seine Eltern dort als Missionare und Entwicklungshelfer tätig.

"Wir waren richtig im Busch", erinnert sich Andreas Volz jüngstes von drei Geschwistern an das Land, wo seine persönlichen Wurzeln liegen. Ungefähr alle drei Monate ging es unter abenteuerlichen Umständen per Auto in die Großstadt, um Vorräte einzukaufen. In der Regenzeit konnte es vorkommen, dass die Familie einige Stunden an einem Fluss warten musste, der über die Ufer getreten war. "Wir sind auch über Hängebrücken gefahren, die mussten wir vorher zu Fuß testen." Manchmal half nur die Umkehr.

Andreas Volz schwärmt rückblickend von einer sehr schönen und sehr interessanten Kindheit. "Da gab es alles, was das Kinderherz begehrt. Wir konnten Baumhäuser bauen, in Flüssen baden oder angeln. Die Fische haben wir selbst gebraten. Wir haben auch Eidechsen gefangen und die Eier gegessen." Während Zivilisationskinder mit gasgefüllten Ballonen durch die Straßen spazieren, gab es im Busch "große fliegende Käfer, mit schönen Farben". An eine Schnur gebunden, erfüllten sie denselben Zweck wie ein Ballon. Der Vorteil bestand darin, dass sie unversehrt wieder in die Freiheit entlassen werden konnten.

Einen Fernseher hatte Andreas Volz in seiner Kindheit nicht, dafür aber einen Plattenspieler und die echte, unverfälschte Folklore der Einheimischen. "Rhythmus spielt in dem Land eine große Rolle, auch der Tanz und die Buschtrommel." Für sein eigenes Leben sei die Musik immer wichtig gewesen. Nicht zuletzt auf dem Heimweg in der Dunkelheit habe er viel gesungen: "Auf so einem Buschweg kann es schon sehr dunkel sein."

1982 kam Andreas Volz mit seiner Familie zurück nach Deutschland. Die ersten drei Grundschuljahre hatte ihn seine Mutter selbst unterrichtet, mit Fernschul-Unterstützung aus Deutschland. Die vierte Klasse absolvierte er dann in einem Internat in Papua-Neuguinea. Bei einem Schulausflug in die Berge machte er erste Bekanntschaft mit dem Schnee. Seine deutschsprachigen Mitschüler waren drei an der Zahl. "Wir waren vier Freunde. Zwei Mädchen, zwei Jungs. Da war es natürlich eine riesige Umstellung mit 30 Leuten in Deutschland in der fünften Klasse."

Der Missionarssohn hat sich durchgeboxt. In Bad Liebenzell hat er die Schule abgeschlossen, den Führerschein gemacht, seinen Beruf erlernt. Dann kam der langwierige Entscheidungsprozess: Karriere als Musiker oder im Beruf? "Vier Jahre lang hab' ich relativ intensiv Musik gemacht und nur in Teilzeit gearbeitet. Die Musik hat auch zum Lebensunterhalt beigetragen." Inzwischen hat Andreas Volz längst "die Notbremse gezogen", ist beruflich im Vertrieb einer Kirchheimer Firma tätig und dabei voll eingespannt. Seine Freizeit widmet er seiner Frau, den beiden Kindern und dem Hobby Musik. "Einige meiner Musikerkollegen sind ins Verderben gerannt. Es ist ein verlockendes Geschäft. Du hast permanent die Aussicht auf einen Sechser im Lotto. Es gehört aber auch genauso viel Glück dazu."

Mit der Gruppe "Beatbetrieb" hatte der jetzige Kirchheimer einigen Erfolg. Es gab Fernsehauftritte, vom Tigerentenclub bis Viva "aber es war nicht mehr authentisch". Andere, mehr oder weniger fremde Leute hätten die Lieder geschrieben, Interviewtexte vorgegeben oder eine bestimmte Kleiderordnung vorgeschrieben. "In diesem Business bist du immer auf Abruf. Es bleibt keine Zeit, um Freundschaften aufzubauen. Statt selber zu leben, wird man gelebt."

Froh sei er, meint Andreas Volz, dem Musikgeschäft entronnen zu sein. Er habe nicht das Gefühl, irgendetwas zu versäumen. Bei "Deutschland sucht den Superstar" hätte es zwar einen sportlichen Reiz gegeben ("Wie weit würde ich kommen?"), aber eine Alternative sei es nie gewesen. Erstens müsse man zu diesem Zweck völlig ungebunden sein, und dann wäre es vor allem "nicht authentisch gewesen". Wegen der Authentizität hat Andreas Volz auch Schwierigkeiten mit englischen Liedern. Die Sprache ist dabei natürlich kein Problem, in Papua-Neuguinea ist er ohnehin mehrsprachig aufgewachsen. Und wenn er auf Hochzeiten spielt, gehören englische Songs ganz einfach zum gewünschten Repertoire.

Für seine eigenen Lieder bevorzugt Andreas Volz aber deutsche Texte. Lieder sind für ihn "gesungene Gebete", und zum Beten bedient er sich eben seiner Muttersprache. Außerdem kennt er eine der wichtigsten Regeln in der Musikbranche: "Was sich in den Charts auf Dauer hält, sind Leute mit eigenem Profil." Leu-te wie Herbert Grönemeyer oder Xavier Naidoo. Beide haben mit deutschen Texten großen Erfolg. Mit Xavier Naidoo verbindet Andreas Volz zudem der christliche Glaube und dessen musikalisches Bekenntnis.

"Meine Lieder handeln von dem, was mich bewegt. Hauptthema ist mein Glaube an Gott", sagt Andreas Volz. "Das ist mein Ankerplatz, das füllt mich aus. Bei Gott finde ich Gelassenheit, Ausgeglichenheit, meinen Seelenfrieden, den Sinn des Lebens." Seine Eltern hätten ihm den Glauben authentisch vorgelebt, und er sei nicht mehr davon weggekommen. Der Glaube hat ihn schließlich auch nach Kirchheim geführt: Über seinen christlichen Musikerkollegen Johannes Hopf kam er in Kontakt zur Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde der Baptisten in Kirchheim. Seit nunmehr acht Jahren lebt Andreas Volz in Kirchheim und fühlt sich dabei ausgesprochen wohl: "Als ,Heimatloser' habe ich hier meine Heimat gefunden."

Seine musikalische Heimat ist mittlerweile eindeutig die "Nische" des christlichen oder kirchlichen Bereichs. Die Auftritte hat er deutlich zurückgeschraubt. Waren es früher einmal 30 bis 40 im Jahr, so kommt er heute auf zehn oder zwölf. Vom Kirchentag über "Christival" bis hin zu Konzerten mit dem Laki-Pop-Chor reicht die Bandbreite seiner Engagements.

Und am Ostersamstag hat er um 20 Uhr seinen großen Auftritt im Kirchheimer Steingau-Zentrum. Gemeinsam mit seiner Band stellt er die CD "Auf Augenhöhe" vor. Es ist bereits seine zweite Solo-CD. Die erste heißt "in mir", und sie stammt auch komplett von ihm. Auf seiner aktuellen CD ist Volz mit Liedern zu hören, die Christoph Zehendner getextet hat. Die Musik stammt von Albert Frey. Trotzdem handeln die Lieder von dem, "was aus mir rauskommt" Andreas Volz, ganz authentisch.

INFODie CD "Auf Augenhöhe" ist bei "Felsenfest" erschienen, wird vom Kawohl-Verlag Wesel vertrieben und ist vorwiegend in christlichen Buchhandlungen erhältlich oder am Samstag beim Konzert im Kirchheimer Steingau-Zentrum. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.andreasvolz.de.