Lokale Kultur

Gerhard Schröder war kein Seemann . . .

Die Galgenstricke Erich Koslowski und Herbert Häfele gastierten im Kirchheimer Bohnauhaus

Kirchheim. Auch wenn man mit Naturkatastrophen und sich schon längst abzeichnenden Klimaveränderungen eigentlich keine billigen Späße machen, sondern sie sehr ernst nehmen sollte, haben Erich Koslowski und Herbert Häfele ihr

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Wolf-Dieter Truppat

neues Programm – elegant wortspielend – mutwillig mit „Alles wird Flut“ überschrieben und dabei womöglich Nina Ruge nicht einmal um Erlaubnis gebeten.

Ob wie bei Nina Ruges einst intensiv strapazierter Formulierung tatsächlich alles gut oder – wie aktuell von den gallenbitteren Galgenstricken kabarettistisch-humoristisch angedroht – „alles Flut“ werden soll, muss sich zeigen. Nach viel Prominenz aus weiter Ferne wurde in Zeiten steigender Benzinpreise in der erfolgreichen Kabarettreihe nun erfreulicherweise auch ein Duo gebucht, das praktisch um die Ecke wohnt.

Die von den beiden weit über den Landkreis Esslingen hinaus bekannten Kabarettisten zu Recht zu erwartende Pointendichte wurde von Erich Koslowski und Herbert Häfele einem dankbaren Publikum im Bohnauhaus dann auch präsentiert.

Auf Einladung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) am Freitagabend im Kirchheimer Bohnauhaus gastierend, konnten sie ihrem zweifellos überflutungsgefährdeten Gewölbekeller in der Esslinger Webergasse mit ihrem aktuellen Programm einen Abend lang mutwillig und erkennbar entspannt den Rücken kehren und dafür geplagten Pädagogen einen vergnüglichen Abend bereiten.

„Alles wird Flut“ ist in ihrem Esslinger Kabarettdomizil derzeit der durch das abwechslungsreiche Hausprogramm führende rote Faden, dem als flankierende Maßnahme aus eigener Regie auch noch Erich Koslowskis Soloprogramm „Bettnäss-Wellness“ zur Seite gestellt wurde.

Deutlich widersprochen wurde den beiden Galgenstricken nicht, als sie sich beim Gastspiel in der Teckstadt im Kreis kabarettbegeisterter Lehrerinnen und Lehrer überzeugt davon zeigten, dass morgens um sieben die Welt noch in Ordnung ist.

Ganz genau zugehört wurde offensichtlich aber auch, als das Thema Schutzwesten für Hauptschullehrer angesprochen wurde. Mit der Angst vor echten und künftig verbotenen, echt aussehenden Spielzeugpistolen gingen Erich Koslowski und Herbert Häfele genauso souverän um wie mit von ihnen angeblich bei Lidl gekauften Peitschen. Wer ihnen nicht glaube, könne sich den Einkauf ja auf dem heimischen Videorecorder anschauen . . . 

Im erlauchten Kreis von Akademikern agierend, beschäftigten sie sich auch intensiv mit Kultusministerin Annette Schavan, die eigentlich Teufel werden wollte, jetzt aber doch lieber dominahaft im eigens gegründeten Erziehungsstudio agiere.

Tiefschürfende Gedanken verschwendeten die beiden Galgenstricke nicht nur auf „Migra-Kids“, „Parallelgesellschaftsdeutsch“ und auf die erstaunliche Erkenntnis, dass die mutig gegen einen Koch ankämpfende Andrea Ypsilanti ausgerechnet von einer Metzgerin abgeschlachtet wurde.

Überzeugt davon, dass Tabletten nicht süchtig machen, wenn man sie regelmäßig einnimmt, hatten Erich Koslowski und Herbert Häfele auch volles Verständnis dafür, dass ein VW-Chef zwar viele Millionen verdient, bedauerten ihn im Grunde aber dafür, dass er einen Volkswagen fahren muss. Dass sich Betriebsratsvertreter Lustreisen und von der Firma subventionierte Bordell-Besuche leisten können, wurde bei aller unter Beweis gestellten Boshaftigkeit aber nicht weiter vertieft.

Nicht einigen konnten sich Erich Koslowski und Herbert Häfele darüber, ob es nun schlimmer ist, dass Franz Beckenbauer in Österreich oder Jürgen Klinsmann in Kalifornien lebt. Völlig einer Meinung waren sie aber darüber, dass sich Angela Merkel „applausmäßig“ in Fußballstadien eher suboptimal vermittelt.

Dem Programmtitel entsprechend konnte nicht überraschen, dass zum Finale das Tragen von Schwimmflügelchen dringend empfohlen wurde, um dann gemeinsam gegen die drohenden Fluten anzusingen und an Gerhard Schröder zu erinnern und seine zwei Freunde: der Vladimir und das Meer. „Deine Freunde sind die Sterne über Moskau und Shanghai“, wurde zuletzt gemeinsam intoniert, um den ehemaligen Kanzler und Parteivorsitzenden lautrein dazu aufzufordern, Doris und die Partei zu vergessen, wieder hinauszufahren und dafür nie wieder nach Haus zurückzukehren. . .