Kirchheim

Geschichte hautnah

Ausstellungseröffnung Die spektakulären Funde vom Kirchheimer Hegelesberg sind erstmals öffentlich zu sehen. Ein „Kelte“ begleitet die Vernissage. Von Iris Häfner

Dicht drängten sich die Besucher im Kornhaus um die Vitrinen, um die Objekte zu bestaunen.                                  Foto
Dicht drängten sich die Besucher im Kornhaus um die Vitrinen, um die Objekte zu bestaunen. Fotos: Markus Brändli

Da ist wieder der Papa - ich habe ihn an der Hose erkannt“, sagt ein aufgewecktes Mädchen, das sich im Kirchheimer Kornhaus den Film zur Ausstellung „Steinzeitdorf - Keltengold“ in der ersten Reihe auf den Sitzwürfeln anschaut. Der Papa ist Landeskonservator Dr. Jörg Bofinger, und der hat wenige Minuten zuvor im Manfred-Henniger-Saal der Kirchheimer Kreissparkasse in die Ausstellung eingeführt.

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„Das ist ein Highlight der Landesarchäologie. Es sind faszinierende Funde und gleich aus mehreren Gründen außergewöhnlich“, strapazierte er gleich vielfach die Superlative. Da ist zum einen die schiere Größe des Areals am Hegelesberg, jetzt Gewerbegebiet, mit etwa acht Hektar Fläche. Ein Fachteam hat es dann dank Sondierung auf rund 2,5 Hektar eingegrenzt. Erstmals wurde auch eine neue Dokumentationstechnik getestet, die damals beispielhaft und mittlerweile üblich ist. Es kam eine Drohne zum Einsatz - die nach vier Jahren bereits museumsreif ist und deshalb auch im Kornhaus zu sehen ist. Und dann sind da vor allem die spektakulären Entdeckungen, die weit über die Grenzen Kirchheims hinaus für Aufsehen gesorgt haben.

Im Sommer 2014 begannen die Ausgrabungen. Die Archäologen rechneten mit Funden, denn bereits in den 1930er-Jahren wurden dort einzelne Scherben gefunden. Gleich zu Beginn der Arbeiten stießen die Wissenschaftler auf ein jungsteinzeitliches Dorf mit mehreren kompletten Häusern. „Das waren beeindruckende Langbauten, 20 bis 30 Meter in der Ausdehnung“, erklärte Jörg Bofinger. Sie stammen aus der linearbandkeramischen Kultur und sind damit die älteste bäuerliche Kultur. Das markiert den Übergang zum Sesshaftwerden der Menschen. Das war vor rund 8000 Jahren, und die Kirchheimer Funde belegen die älteste jungsteinzeitliche Kulturgruppe im Südwesten Deutschlands.

Dank der Drohne hat es Kirchheim in die ZDF-Doku „Deutschland von oben“ geschafft. „Der Quadrocopter erhält sein Gnadenbrot in der Ausstellung als Vertreter der ersten Generation“, erklärt der Archäologie mit Augenzwinkern.

Im Zentrum der Ausgrabung steht das keltische Frauengrab, das im August 2015 entdeckt wurde. „Zuerst dachten wir an ein Grubenhaus. Ein Kollege stieß auf einen bronzenen Ring. Beim zweiten sind wir dann hellhörig geworden und haben uns vorsichtig weitergearbeitet“, beschreibt Jörg Bofinger. Im Kopfbereich kamen dann weitere Goldobjekte zum Vorschein, was Grund genug für eine Blockbergung war, an der auch die Feuerwehr Kirchheim beteiligt war. Zwischen 300 und 400 Kilogramm schwer war der Erdbatzen. Unter Laborbedingungen konnten die Stücke dann wieder ans Tageslicht befördert werden. Das Grab der „Dame vom Hegelesberg“ war reich mit Goldschmuck ausgestattet und wird um das Jahr 575 vor Christus datiert. Außerdem fanden sich Gagatperlen. Dabei handelt es sich um pechschwarzes versteinertes Holz.

Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker hob in ihrem Grußwort die gute Zusammenarbeit zwischen Stadt und Landesdenkmalamt hervor. „Ich freue mich sehr, dass wir heute diese besondere Ausstellung eröffnen können. Es war die archäologische Entdeckung zwischen Alb und Neckar, und die Funde werden hier in Kirchheim erstmals ausgestellt“, sagte sie. Die Stadt komme ihrer gesetzlichen Verpflichtung nach. „Das tut zwar manchmal weh - in diesem Fall ist das Geld mehr als gut investiert“, so das Stadtoberhaupt. Dank moderner Forschungsmethoden sei man tief in die Vergangenheit eingetaucht. „Menschen mit bäuerlicher Kultur haben hier in Kirchheim Fuß gefasst. Das zeigt, uns Kirchheimer gibt es schon ziemlich lange“, sagte Angelika Matt-Heidecker nicht ohne Stolz. Das zeige, auf welch einzigartigem Erbe man stehe und wie tief die Wurzeln sind. „Das Bewahren der Funde ist Kirchheim ein großes Anliegen“, erklärte sie.

Ein weiteres Grußwort gab es von Sigrun von Strauch, Regierungsvizepräsidentin beim Regierungspräsidium Stuttgart. „Das ist ein Fund ähnlich der Heuneburg. Es wurde die früheste sesshafte Bevölkerung im Land aufgedeckt“, sagte sie.

Eröffnung der Ausstellung Steinzeitdorf und Keltengold, in KSK und Kornhaus
Eröffnung der Ausstellung Steinzeitdorf und Keltengold, in KSK und Kornhaus
Eröffnung Ausstellung Steinzeitdorf und Keltengold, In der KSK und im Kornhaus
Eröffnung Ausstellung Steinzeitdorf und Keltengold, In der KSK und im Kornhaus
Eröffnung der Ausstellung Steinzeitdorf und Keltengold, in KSK und Kornhaus
Eröffnung der Ausstellung Steinzeitdorf und Keltengold, in KSK und Kornhaus