Lokale Kultur

Glanzleistung zu vier Händen

Mona und Rica Bard glänzen an zwei großen Steinways

Kirchheim. Vor einigen Jahren schon als eine der Hauptattraktionen des Kirchheimer Zeltspektakels gefeiert, trat das international renommierte

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Ernst Kemmner

und mit zahlreichen Auszeichnungen bedachte Klavierduo Mona und Rica Bard nun im 2. Abonnementkonzert des Kulturrings erneut mit einem fünf Werke umspannenden Programm vor ein erwartungsfrohes Kirchheimer Publikum.

Am Beginn, sozusagen als „Aufmacher“ zum Konzertabend, standen die „Variationen über ein Thema von Paganini“ des Polen Witold Lutoslawski von 1941. Diese schillernde, fast reißerisch daherkommende Miniatur, ein Bravourstück von höchst beeindruckendem Schwung, setzte bereits erste musikalische „Duftmarken“ dessen, was die faszinierten Zuhörer an diesem Abend an souveräner Virtuosität, musikantischer Kompetenz und feinfühliger Gestaltungsfähigkeit erwarten sollte. Das Stück beinhaltet einen kurzen lyrischen Mittelteil, gerahmt von schnellen, hochvirtuosen Eckteilen mit vielen harmonischen Rückungen und eigenwilligen rhythmischen Variationen, die das Duo insgesamt kunstvoll darbot.

Mit der „Ouverture caractéristique et brillante“ Opus 54 von Carl Czerny, die an einem Instrument gespielt wurde, erklang ein Stück, das durch eine verträumte Eröffnung voll melodischen Wohlklangs glänzt, der sich aufblühend steigert und wieder verklingt. Die Hörer erlebten dabei zwei Pianistinnen, die in perfekter Harmonie und Abstimmung konzertierten, mit tadellosem, filigran perlenden Laufwerk der Oberstimme, begleitet von wuchtigen Akkorden im tiefen Register, breit angelegter Dynamik und sensibler Agogik und einem wirbelnden Schluss in Ab- und Aufwärtsbewegung.

Mit der „Rhapsodie espagnole“ (1907) von Maurice Ravel in der Fassung für zwei Klaviere folgte ein viel beklatschter Höhepunkt des Abends. Die originell eigenständige Komposition beinhaltet vier musikalische Stimmungsbilder, deren erstes – „Prélude à la nuit“ – durch seine monotone, auf vier absteigenden Noten basierende Struktur eines „perpetuum mobile“ eine gelöste, leicht schläfrige Abendstimmung verbreitet und schließlich, einer verglühenden Sternschnuppe gleich, im feinsten Pianissimo ausklingt. In scharfem Kontrast dazu die „Malgueña“, ein feuriger Tanz mit aufbrausender Klimax vor wirkungsvoller Generalpause und retardiertem Intermezzo mit abruptem Schluss – überaus mitreißend dargeboten. In der „Habanera“ mit ihrem eigenartig schwebenden punktierten Rhythmus wurden kleine Verzögerungen gekonnt platziert, bevor das markante spanische Kolorit der „Feria“, einem wogenden Festtrubel im musikalischen Gewand, die Zuhörer in Bann schlug, vor allem mit dem überschäumend orgiastischen Schluss in wirbelndem Fortissimo. Das Duo Bard bestach hier mit rhythmischer Präzision und Gestaltungssicherheit, mit viel Ausdruck und dem Gespür für die Feinstruktur dieser Komposition.

Nach der Pause erfolgte mit Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate D-Dur KV 448 dann der Griff ins Schatzkästlein der Klaviermusik der Wiener Klassik. Mona und Rica Bard stellten hierbei unter Beweis, dass sie auch herausragende Interpretinnen dieses Musikgenres sind. Schlanker Ton, federleichter Anschlag bei geradezu perlenden Laufkaskaden und unangestrengtes, passgenaues Ineinandergreifen der beiden Klavierstimmen waren in diesem Programmteil die Garanten ihrer gelungenen Darbietung.

Ob im inspirierten und beseelten Einstieg in das „Allegro con spirito“, das durch ungetrübte Spielfreude besticht, ob im in sich ruhenden, fein ausschwingenden „Andante“ mit einem dem Ohr schmeichelnden Hauptthema, ob im von aller Erdenschwere losgelösten Finale des „Molto Allegro“, das in einem wahren Tastenwirbel endet – die Interpretation durch das Duo Bard konnte in jeder Hinsicht überzeugen, ja begeistern.

Den Abschluss des Konzerts bildeten drei Stücke aus Igor Strawinskys Balletsuite „Petruschka“ von 1911 in der Fassung für zwei Klaviere. Im urwüchsigen, in der russischen Folklore verhafteten „Russischen Tanz“ mit drei tanzenden Puppen beeindruckt die mitreißende Rhythmik mit teils grellen Harmonien, kraftvoll hämmernden Phrasen und hart akzentuierten Akkordschlägen. Im Stück „Bei Petruschka“ wurde in der Darbietung des Duos Petruschkas Werben um die Ballerina mit kunstvollen Tanzschritten, seine folgende Verzweiflung und Eifersucht auf den Mohren förmlich greifbar.

Im gewichtigsten Stück mit einer Vielzahl kompositorischer Einfälle, dem „Fastnachtsfest“, konnte das Duo alle Register seines stupenden Könnens ziehen: das turbulente und lärmende Jahrmarktstreiben mit programmmusikalischen Elementen wurde in der Darbietung der beiden Musikerinnen zur veritablen Tastenhexerei und pianistischen Großtat, die zurecht vom Publikum mit frenetischem und lang anhaltendem Beifall gewürdigt wurde. Mit den „Ungarischen Tänzen“ von Johannes Brahms als Zugabe, wieder an einem Instrument dargeboten, revanchierte sich das Duo.