Lokale Wirtschaft

Graupner/SJ bleibt in der Fliegerstadt

Nachbar Sprimag kauft Graupner-Immobilie – Neuer Modellbauvertrieb zieht im alten Firmenareal um

Der weltweit agierende Kirchheimer Spritzmaschinen-Spezialist Sprimag ist neuer Besitzer der Gebäude des insolventen Modellbauunternehmens Graup­ner. Dessen Nachfolgefirma Graupner/SJ kann aufgrund eines Mietvertrags mit Sprimag am Standort Kirchheim bleiben.

Das ehemalige Graupnerareal aus der Vogelperspektive: Neuer Besitzer der Gebäude ist Nachbar Sprimag (auf dem Foto nicht zu sehe
Das ehemalige Graupnerareal aus der Vogelperspektive: Neuer Besitzer der Gebäude ist Nachbar Sprimag (auf dem Foto nicht zu sehen).Luftbild: Werner Feirer

Kirchheim. Der international agierende Kirchheimer Hersteller von automatisierten Beschichtungs- und Lackieranlagen, Sprimag, kaufte die Immobilie seines insolventen Nachbarn Graupner in der Henrietten­straße. Dies bestätigte auf Anfrage Sprimag-Geschäftsführer Philippe Nollet. Er bezeichnete das Geschäft als „strategischen Zukauf“, den man auf die Zukunft ausgerichtet sehen müsse. „Wir brauchen den Platz nicht.“

Anzeige

Sprimag habe sich in den vergangenen fünf Jahren während seiner Geschäftsführertätigkeit sehr gut entwickelt. Lag der Umsatz des Spritzmaschinen-Spezialisten 2006 noch bei 24,5 Millionen Euro, so betrug er im vergangenen Jahr laut Philippe Nollet weltweit 52 Millionen Euro. In Deutschland, den USA sowie in Brasilien und Mexiko beschäftigt die Unternehmensgruppe 500 Mitarbeiter, davon allein in Kirchheim 180. „Wir arbeiten hier an unserer Kapazitätsgrenze“, so der Geschäftsführer. Was mit den neu erworbenen Graupner-Gebäuden geschehen soll, sei noch nicht klar. „Es gibt da ein paar Ideen“, meinte Philippe Nollet.

Auf die Frage, ob Graupner/SJ deshalb den Standort Kirchheim in der Henriettenstraße aufgeben müsse, beantwortete der Sprimag-Geschäftsführer mit einem klaren „Nein“. Demnach gibt es über den jetzigen Mietvertrag hinaus, der laut Graupner/SJ-Geschäftsführer Ralf Helbing Ende November auslaufen würde, aber bis Ende Februar 2014 verlängert werden könnte, eine mündliche Mietzusage von Sprimag. Ein entsprechender Kontrakt wird zurzeit noch schriftlich ausgearbeitet. „Es gibt eine mündliche Einigung. Der Mietpreis ist okay“, sagt Helbing. Jetzt gehe es nur noch um die Regelungen der Details, die eventuell finanziell ins Gewicht fallen könnten.

Die neue Firma Graupner/SJ, deren Geschäft sich nur noch auf die Entwicklung, den Vertrieb von Modellbausätzen und den Service beschränkt, zieht bereits innerhalb des ehemaligen Graupner-Firmenareals um. „Wir behalten das Hochregallager, das Lager und den hinteren Büroteil“, erklärt Helbing. „Damit kommen wir zurecht. Unser Ziel war natürlich, in Kirchheim zu bleiben. Es kam nur auf die Bedingungen an.“ Sobald der Mietvertrag unterschrieben sei, könnten auch die neun Lagerarbeiter weiter beschäftigt werden. Einschließlich der vier Außendienstmitarbeiter gibt der Geschäftsführer die Zahl der Beschäftigten mit rund 45 bis 50 an.

Das Kirchheimer Traditionsunternehmen, Graupner wurde vor 1930 gegründet, musste im Februar diesen Jahres Insolvenz anmelden. Bereits im Vorjahr hatte der ins Trudeln geratene einstige Modellbauprimus 45 von seinen damals 165 Mitarbeitern entlassen. Der koreanische Investor SJ Incorporated wollte nach der Insolvenz die Firma nur übernehmen, wenn die Zahl der Mitarbeiter auf 38 reduziert würde. Nachdem dies Insolvenzverwalter Dr. Wolfgang Bilgery gelungen war, kaufte SJ den Namen Graupner und das operative Geschäft. Alle entlassenen Mitarbeiter werden in der Transfergesellschaft „Refugio“ auf einen neuen Arbeitsplatz vorbereitet.