Lokale Kultur

Grenzüberschreitender Dialog, der goldene Brücken baute

KIRCHHEIM Mit dem Titel "Freiheit des Selbst" ist eine Ausstellung überschrieben, die Kunstbegeisterten noch bis Ende September im ArtHotel Billie Strauss in Nabern Gelegenheit bietet, sich mit der abstrakten Kunst Frederick D. Bunsens auseinander zu setzen. Der Auftakt der Ausstellung im Kreis geladener Gäste war zweifellos perfekt inszeniert. Bei der sinnerhellenden Vernissage wurde dem sich selbst und seine Arbeit beredt analysierenden und sensibel interpretierenden Künstler mit dem Stuttgarter Galeristen Bernd Heidelbauer ein langjähriger Freund und Wegbegleiter als bodenständiges Korrektiv gegenüber gestellt.

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Von dem zuletzt auch mutig nach kommunalpolitischem Ruhm strebenden "Gastrosophen" kritisch begleitet, versuchte der Deutsch-Amerikaner Frederick D. Bunsen seine Kunst gerade dort verständlich zu machen, wo zuweilen etwas Ratlosigkeit in den Augen der Betrachter sichtbar wird. Zeitgenössischer Künstler durch und durch, berichtete Frederick D. Bunsen von seiner Arbeit, seinen Träumen, seinen Intentionen und seinem immer wieder höchst differenziert dargestellten Selbstverständnis. Bernd Heidelbauer übersetzte das in einem charmanten Zwiegespräch nicht nur ins Schwäbische, sondern auch in eine verständliche Alltagssprache, die sich nicht nur intellektuellen Insidern der Kunstszenerie erschließt.

Die abstrakte Kunst des in Winnenden lebenden Künstlers wird von seinem Lebensmodell geprägt und ist grenzenlos oder auch eher grenz-überschreitend. Seine Bilder gehen in ihrer Tiefenräumlichkeit weit über Begrenztes und über Messbares hinaus. Gestisch gemalte Lebensstriche, die er flächendeckend bündelt oder transparent gestaltet, bilden diese Räume, in denen sich die Grenzerfahrung widerspiegelt. So lässt sich der Lebensweg des Künstlers in seiner Malerei wieder entdecken und an den sich kreuzenden und verdichtenden Strichen ablesen.

Frederick D. Bunsen war und ist immer unterwegs, hielt er sich doch nach dem Fall des eisernen Vorhangs in Tschechien, Polen und Ungarn auf. Durch diese bewegte Ruhelosigkeit begreift er seinen Lebensweg und sich selbst viel besser und bringt es in der heute schon alten Tradition des abstrakten Expressionismus zum Ausdruck. In der Kunstszene galt er lange Zeit als einer, der seine Gesprächspartner leicht schwindelig reden konnte mit seiner Luhmannschen Kunsttheorie außer vielleicht Bernd Heidelbauer . . .

Heute kann er längst versinnbildlichen, worin ein tieferer Sinn der Kunst liegen könnte. Auch deshalb war er Lehrender mit einer Professur an der Kunstschule Klausenburg in Rumänien und hat aktuell die Leitung der Freien Kunstschule Knittlingen inne.

Bis Ende September besteht im Art-Hotel Billie Strauss in der Weilheimer Straße 18 20 in Nabern Gelegenheit, Frederick D. Bunsen in seiner Offenheit und Weite kennen zu lernen und damit eine Kunst zu erleben, die über das Diesseits hinaus ins Transzendente geht und zugleich die "Freiheit des Selbst" zum Thema hat. Die Kunst ist dabei so frei, wie sich der amerikanische Künstler und Nachfahre des Erfinders des Bunsenbrenners fühlt: Brücken bauend und grenzenlos.

kk