Lokale Kultur

Große Leuchtkraft

WEILHEIM Am vergangenen Sonntag, im Kirchenjahr "Kantate" betitelt, kamen die Kirchenmusikfreunde wieder einmal auf ihre Kosten, denn in den Gottesdiensten im Land wurde intensiv gesungen

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RENATE SCHATTEL

und musiziert, so auch in der Peterskirche in Weilheim. Dort stand die Ratswahl-Kantate "Wir danken dir, Gott, wir danken dir", BWV 29, von Johann Sebastian Bach auf dem Programm. Bach hatte die Ratswahl-Kantaten zur Feier des alljährlich stattfindenden Gemeinderatswechsels komponiert, die Kantate Nr. 29 im Jahr 1731.

In Weilheim stand kein Ratswechsel an, sondern ein Festgottesdienst, der zahlreiche Besucher in die schmucke Peterskirche lockte, weil diese wussten, dass sie dort ein musikalischer Leckerbissen erwartete. Kantor Wolfgang Beck stand am Dirigentenpult und hatte den Chor in den Proben sorgfältig und exakt vorbereitet. Dem Chor zur Seite ein erlesenes Orchester mit Profis aus dem ganzen Land. Bernhard Moosbauer hatte die Musikerinnen und Musiker zusammengerufen. Ihre Spezialität: Barockmusik in historischer Aufführungspraxis auf Barockinstrumenten. Der Dritte im Bunde war Kirchenmusikdirektor a. D. Ernst Leuze, der auf der Orgel brillierte, improvisierte und gelegentlich einer Solistin den richtigen Ton zukommen ließ.

Zunächst jedoch begann Ernst Leuze mit einer hinreißenden Orgel-Intonation, die auf die Kantate einstimmte. Pfarrer Jörg Novak bereitete verbal auf die erwartete Kantate ein, wortgewaltig, mit vielen Sinnbildern und einem Lob auf den Gesang: "Was sich schwer aussagen lässt, kann leichter besungen werden". Die Dank- und Verkündigungskantate Johann Sebastian Bachs begann mit einer Sinfonia, die mit drei Trompeten, Pauken, zwei Oboen, Streichern, obligater Orgel und Continuo instrumentiert und eigentlich eine Umarbeitung des Preludio aus der Partita E-Dur für Violine solo ist. Den Violinpart schrieb Bach der Orgel zu. Organist Leuze und das Barockorchester an der Peterskirche ergänzten sich in exzellentem Zusammenspiel, weicher Ausdruckskraft und dem speziellen dunklen Barockklang der Instrumente. Der Chorsatz "Wir danken dir, Gott, wir danken dir und verkündigen deine Wunder", ist zweigliedrig durch die beiden Themen Dank und Verkündigung, entsprechend wird er musikalisch von zwei Themen beherrscht. Dirigent Wolfgang Beck verstand es bestens, die geforderte Intensität bis zum Jubelgesang zu steigern, im Chor bestach jede Stimmlage durch Klarheit und Homogenität, der Gesamtklang strahlte.

In der nachfolgenden Tenor-Arie bilden Solovioline und Singstimme gleichrangige Partner mit dem Continuo. Tobias Wall konnte hier mit seiner wendigen und filigranen Tenorstimme die schwungvolle Lebendigkeit überzeugend wiedergeben, Bernhard Moosbauer an der Barockvioline stand ihm in nichts nach. Nach dem schlichten Seccorezitativ, gesungen von Bariton Bertram Schattel, folgte die Sopran-Arie "Gedenk an uns mit deiner Liebe", ein von Oboen und Streichern begleiteter Siciliano-Satz, innig und warm interpretiert von Chormitglied Karin Hainzl. Das darauf folgende Alt-Recitativ mündet nach den Worten "und alles Volk soll sagen" in ein chorisches unisono "Amen" ein, was für den Chor zwar überraschend kam, aber dennoch hörbar wurde. Die Altstimme von Cecilia Tempesta hatte ungeheure Tiefen zu bewältigen, die sie mit Bravour meisterte und in ihrem großen Stimmumfang jederzeit weich und klar war. Im Schlusschoral hörte man wieder die volle Besetzung, die die ganze Strahlkraft des Werkes leuchten ließ.

Eingebettet in den liturgischen Ablauf des Gottesdienstes, dem Fürbitten, Gemeindelieder und der Segen folgten, erschien die Kantate BWV 29 als Glanzlicht, das seine Leuchtkraft im Können der Interpreten und der Vollendung der Komposition gleichermaßen bezog. Die Gottesdienstbesucher wussten das zu würdigen und spendeten nicht enden wollenden Beifall.