Lokale Kultur

Große musikalische Erinnerungen an kleine Eskapaden

KIRCHHEIM "Darf's was sein?" fragt die schöne Müllerin in der Krone ihre Gäste. Möge sie zu ihren Lebzeiten ebenso viel Beifall für das von ihr Dargebotene bekommen haben wie die Sopranistin Sylvia Heermann, nachdem sie den Part der Kronenwirtin in Georg Lawalls Kammeroper "Lulu" gesungen hatte.

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HEINZ BÖHLER

Zum Abschluss der abwechslungsreichen Kunst- und Kulturwoche am Kirchheimer Schloss musizierten und sangen Georg Lawall und Sylvia Heermann zusammen mit der Violinistin Agathe Steiff-Schall und dem Tenor Georg Grunenberg im Innenhof des Schlosses. Bei schönem Wetter aber leider eher mäßigem Besuch boten die vier Musiker ein ausgesprochen abwechslungsreiches Programm.

Georg Lawall begann das Konzert mit einem Stück auf der Sitar, begleitet von Agathe Steiff-Schall an der Tampura, einem ebenfalls aus Indien stammenden Saiteninstrument. Darauf folgte ein von ihm zu einem Text von Hermann Hesse komponiertes Recital über Hesses Aufenthalt in der "Kastanienstadt" Kirchheim. Lautmalerisch gesetzte Töne und Harmonien begleiten die frappierend klare und bis in den letzten Winkel des Schlosshofes gut verständliche Tenorstimme von Georg Grunenberg.

Eher befremdlich dürfte im Anschluss das von Agathe Steiff-Schall virtuos vorgetragene Violinsolo "Vernissage" auf manch ein Gehör im Publikum gewirkt haben. Georg Lawalls in diesem Stück ausgeübtes Spiel mit Dissonanzen legt nahe, dass er sich auf einer gleichnamigen Veranstaltung nicht unbedingt wohl gefühlt haben mag. Die einzige fremde Feder, mit der sich der Gitarrist und Komponist Georg Lawall an diesem Abend schmückte, war das zum Abschluss des ersten Konzertteils mit der Gitarre vorgetragene Präludium d-Moll mit darauf folgender Fuge a-Moll von Johann Sebastian Bach.

Hier zeigte der Meister eindrucksvoll, dass er sein ursprüngliches Handwerk das klassische Gitarrenspiel keineswegs verlernt, sondern im Gegenteil, noch verfeinert und vervollkommnet hat. Nach einer etwa halbstündigen Pause nahm Georg Lawall wieder mit der Sitar auf der Bühne Platz, um einen Auszug aus seiner Kammeroper "Lulu" mit dem Gesang der Harfe "Silberlied" einzuleiten. Die dieser Oper zu Grunde liegende ebenfalls von Hermann Hesse stammende Novelle enthält die Erzählung eines Märchentraumes, der ein Stück Kirchheimer Wirklichkeit widerspiegelt.

In den folgenden zwölf Liedern und seinen zwischen die einzelnen Stücke geschobenen Erläuterungen erhellt sich die Handlung dieses Spieles um ein gestohlenes Amulett, eine Prinzessin und ein Trio jugendlicher Helden, die allesamt Verehrer der Prinzessin sind. Georg Lawall ging beim Schreiben dieser Oper bewusst über die Schubladeneinteilung von E- und U-Musik hinaus, schließlich beschäftigt er sich ja mit einem Traum, in dem Grenzen ja auch gelegentlich verschwimmen.

Sopranistin Sylvia Heermann wusste in einer Doppelrolle nämlich der der Kronenwirtin und der Lulu zu gefallen. Vor allem den Part der Lulu brachte sie mit ihrer glockenklaren Stimme, der jede Härte fremd zu sein scheint, höchst überzeugend auf die Bühne. Eine Hexe Zischelgift dagegen, in die sich im Traum die Kronenwirtin verwandelt, wird sie nimmermehr.

Romantische Stimmungen leiten die männlichen Rollen des Ludwig Ugel und Herrmann Lauscher, die Tenor Georg Grunenberg in sich vereinigt. Zarte Melodien und leidenschaftlicher Gesang gipfelten im Duett der Sopranistin mit dem Tenor. Dazu hatte sich Sylvia Heermann hinter die Reihen der Besucher begeben, sodass diesen der Tenor war auf der Bühne geblieben nun von zwei Seiten klargemacht wurde: "Die Fürstin heißt Elisabeth".

Nicht mehr zur Oper gehörte eine Hommage des Komponisten an alle Mönche dieser Welt. In dieser Komposition für Sologitarre wollte Lawall "die Stimmung einfangen, die Klosterschüler in die Welt tragen." Zum Schluss stieg Agathe Steiff-Schall mit ihrer Violine zum Übergang in die Sinfonia "Lilienvorhang" ein.

Für eine Zugabe allerdings schien den Musikern trotz des anhaltenden Beifalls des Publikums die Nacht in der Zwischenzeit inzwischen doch schon zu kalt geworden zu sein.