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Große stilistische Bandbreite

Der Komponist und Organist Hans Georg Bertram ist in Berlin gestorben

Große stilistische Bandbreite
Große stilistische Bandbreite

Esslingen. 30 Jahre lang, von 1978 bis 2008, war Hans Georg Bertram Organist an der Stadtkirche Sankt Dionys in Esslingen. Nun ist der Komponist 76-jährig in Berlin gestorben.

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Der Sohn eines Theologieprofessors wurde 1936 in Gießen geboren und studierte Evangelische Kirchenmusik und Orgel bei Hans-Arnold Metzger und Komposition bei Johann Nepomuk David an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. 1963 promovierte er in Musikwissenschaft an der Universität Würzburg. 1978 wurde er als Dozent für Orgelliteraturspiel, Orgelimprovisation und Musikgeschichte an die Hochschule für Kirchenmusik in Esslingen berufen und wirkte dort bis zu seiner Emeritierung Ende 1997. An der Esslinger Stadtkirche hat er das Erfolgsmodell „Stunde der Kirchenmusik“ über Jahre auf hohem kirchenmusikalischem Niveau weiterentwickelt.

Hans Georg Bertrams kompositorisches Werk umfasst über 200 Titel unterschiedlicher musikalischer Gattungen. Kennzeichnend für Bertrams Kompositionen ist die Verbindung klassischer Formen mit innovativen Elementen. Bertram komponierte Chor- und Orgelwerke, Kammermusik, Orchesterwerke, zwei Sinfonien, Konzerte und Oratorien. Sein bekanntestes Oratorium ist „Ecce homo“, das er im Gedenken an Dietrich Bonhoeffer komponierte. In den letzten Jahren war ein Schwerpunkt von Bertrams Schaffen Kompositionen für Orgel und Sprecher. Dabei griff er oft auf Übersetzungen biblischer Bücher durch Walter Jens zurück, mit dem ihn eine lange Zusammenarbeit und Freundschaft verband.

„Hans Georg Bertram deckte stilistisch mit seinen Werken eine große Bandbreite ab – von gemäßigt modernen Stücken, bei denen man die Herkunft aus der kirchenmusikalischen Praxis spürte, bis hin zu avantgardistischen Werken“, sagt Uwe Schüssler, der als Bezirkskantor eng mit Bertram an der Stadtkirche Esslingen zusammenarbeitete. Bertram habe sich in erster Linie als Komponist verstanden, so Schüssler. Besonders innovativ sei er in seinen Werken für Sprechstimme und Orgel gewesen. „Er hat hier den Begriff des Oratoriums ganz neu gefüllt.“ Bertrams Werke werden häufig aufgeführt und regelmäßig gab es auch Rundfunkaufzeichnungen.

Dekan Bernd Weißenborn würdigt das Wirken des Verstorbenen in Esslingen: „Hans Georg Bertram hat in Esslingen Musikgeschichte geschrieben. Er hat der Kirchenmusik an der Stadtkirche zu einem hervorragenden Ruf verholfen. Er hat seinen Beitrag dazu geleistet, dass die Kirchenmusik unabdingbar zum kirchlichen Leben unserer Gemeinde gehört. Damit hat er auch einen Verkündigungsauftrag wahrgenommen. Dafür sind wir ihm sehr dankbar und behalten ihn in guter Erinnerung.“

Am 21. September wird es um 18 Uhr einen Trauergottesdienst für Hans Georg Bertram in der Esslinger Stadtkirche geben.pm