Lokale Wirtschaft

Grünes Licht für Festo

Die Pläne der Firma Festo, ihren Stammsitz in Berkheim zu erweitern, ist im Esslinger Gemeinderat auf große Zustimmung gestoßen. Das Gremium beschloss, ein Änderungsverfahren für den Flächennutzungs- und Bebauungsplan im Gebiet "Rohräcker" einzuleiten.

KORNELIUS FRITZ

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ESSLINGEN Bei Festo selbst hatte man in der vergangenen Woche noch alle Zahlen über mögliche Arbeitsplätze, die auf dem Areal neben der Aufstiegsstraße entstehen könnten, dementiert. Das Unternehmen konnte aber nicht verhindern, dass auch im Gemeinderat Zahlen kursieren: von 2800 neuen Jobs war in der Sitzung die Rede. Angesichts solcher Aussichten hatten die Fraktionen von CDU, SPD und Freien Wählern bereits in der vergangenen Woche ihre Zustimmung zu den Plänen signalisiert. Die fiel ihnen in der Sitzung wohl noch leichter, nachdem Baubürgermeister Wilfried Wallbrecht im Gemeinderat noch einmal die Ergebnisse der beiden Klimagutachten der Firma Ökoplana aus Mannheim und des Instituts für Hydromechanik an der Universität Karlsruhe vorgestellt hatte. Dabei ging es um die Frage, inwieweit eine Bebauung auf der Zollberger Seite der Aufstiegsstraße die Kaltluftströme von den Fildern ins Neckartal beeinflusst. Die Karlsruher Forscher hatten dafür sogar das Gebiet rund um das Firmengelände im Maßstab 1:1000 nachgebaut, und die Ströme an dem Modell simuliert. Dabei sei herausgekommen, dass der Bereich, in dem Festo seinen Neubau plant, im "Strömungsschatten" liege, berichtete Wallbrecht. Es sei deswegen nicht mit einer Verschlechterung des Luftaustausches zu rechnen.

Bei der Stadt ist man deshalb optimistisch, dass auch der Verband Region Stuttgart mitspielt. Da das Gebiet im Regionalplan als "Grünzäsur" ausgewiesen ist, muss der Verband im Rahmen eines so genannten Zielabweichungsverfahrens zustimmen. Wallbrecht betonte allerdings, dass solche Änderungen des Regionalplans gar nicht so selten seien: "In den vergangenen zehn Jahren gab es 75 solcher Verfahren, es handelt sich hier also nicht um eine ,Lex Festo'".

Und so wurde Hermann Wenzler, Leiter des Gebäude- und Immobilienmanagements bei Festo, auf der Zuhörerbank Zeuge, wie fast alle Redner die Pläne seines Unternehmens lobten: Edward-Errol Jaffke von der CDU-Fraktion würdigte die Bemühungen der Firma um eine umweltgerechte Lösung. Das Unternehmen will sieben namhafte Stadtplaner und Architekten zu einem Ideenwettbewerb einladen. "Wenn innovativ gebaut wird, kann man die Pläne nicht nur rechtfertigen, sondern sogar empfehlen", ist Jaffke überzeugt. Darauf setzt auch Heidi Bär, die die Position der SPD vortrug: "Grundsätzlich gibt es zwar einen Interessenkonflikt zwischen Ökonomie und Ökologie, wir hoffen aber, dass die besondere Situation in diesem Gebiet berücksichtigt wird." Dieter Deuschle von den Freien Wählern freute sich über die "ungewohnte Situation, dass ein Unternehmen anbietet, Arbeitsplätze aufzubauen." Seine Zustimmung verband er mit dem Wunsch, dass bei dem Wettbewerb auch über Verkehrsfragen, die Parkplatzssituation und die optimale Gestaltung der verbleibenden Grünflächen nachgedacht werden sollte. Zustimmung gab es auch von Ulrich Fehrlen (FDP) und Rudolf Brenneis (REP).

Die Grünen-Fraktion enthielt sich der Stimme. "Im Moment ist für uns noch nicht abzusehen, ob die Ökologie genügend gewürdigt wird", begründete Clarissa de Ponte die abwartende Haltung. Den Unmut vieler Räte zog Hüsniye Toy vom Bündnis FÜR (Fortschrittlich, Überparteilich, Rege) auf sich, als sie Zweifel anmeldete, ob es Festo wirklich um Arbeitsplätze und nicht nur um eine Steigerung der Grundstückswerte gehe. Auch sie enthielt sich.