Lokale Wirtschaft

Grünes Licht für Möbelhaus

Das Ringen um den Bau eines Möbelhauses in Sirnau ist entschieden. Eine klare Mehrheit des Esslinger Gemeinderats hat sich dafür ausgesprochen, das Vorhaben auf einem städtischen Grundstück zu ermöglichen. Das Areal neben Metro wird zum Verkauf ausgeschrieben.

HERMANN DORN

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ESSLINGEN Die Weichenstellung brachte ein überraschend deutliches Ergebnis. CDU und SPD sorgten zusammen mit Oberbürgermeister Jürgen Zieger sowie drei weiteren Stadträten für eine sichere Mehrheit. 24 Befürwortern standen elf Stadträte der Freien Wähler und Grünen gegenüber, die mit Nein stimmten. Auch ein Mitglied der SPD-Fraktion lehnte das Vorhaben ab.

Für das Grundstück interessieren sich neben Rieger und Hofmeister zwei Firmen aus der Schweiz und aus Österreich. Sie bekommen nun die Chance, sich zu bewerben. Die Entscheidung fällt im Sommer. Neben dem finanziellen Gebot kommt es auf das Konzept an. "Ein Mittelzentrum wie Esslingen darf nicht unter eine Käseglocke gestellt werden", begründete CDU-Fraktionschef Edward-Errol Jaffke sein Ja. Zahlen belegten den Bedarf. Befürchtungen, eine solche Attraktion werde dem Einzelhandel in der Innenstadt schaden, teilt Jaffke nicht. "Ein Möbelhaus kann unsere Stadt stärken", argumentierte er. Ähnlich äußerte sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Koch: "Der Standort Esslingen würde an Attraktivität gewinnen." In dem Möbelhaus sieht er eine "einmalige Chance".

Nachdem OB Zieger den Möbelhaus-Plänen anfangs mit großer Skepsis begegnet war, stimmte er nun für das Vorhaben. Seinen Meinungswechsel begründete er mit einem Gutachten, wonach die negativen Folgen für die Innenstadt nur gering sind, wenn das Randsortiment wie vorgesehen auf 350 Quadratmeter begrenzt wird. Zieger hegt zwar weiterhin Vorbehalte gegen das Möbelhaus. Dem offenkundigen Wunsch weiter Bevölkerungsteile nach einem solchen Angebot "will ich mich aber nicht verschließen".

Die Befürworter waren sich einig, dass die Grenze für das Randsortiment in einem städtebaulichen Vertrag verbindlich festgeschrieben werden muss. In ihm wollen sie den Käufer auch verpflichten, bei der Architektur den unter Denkmalschutz stehenden Sirnauer Hof zu berücksichtigen. Außerdem pochen sie auf ein zusätzliches Gutachten zu den Folgen für den Verkehr. Dieter Deuschle (Freie Wähler) und Carmen Tittel (Grüne) ließen sich durch solche Zusagen von ihrem Nein nicht abbringen. Sie wollen das Grundstück für eine gewerbliche Nutzung reservieren. Beide fürchten überdies, das Möbelhaus könnte der Altstadt schaden. "Das Möbelhaus ist in dieser Form kein Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung unserer Stadt", so Deuschle. Für ihn kommt das Angebot nur an einem anderen Standort in Frage, wobei er beim Randsortiment eine Nulllösung verlangt. Carmen Tittel könnte sich allenfalls mit einem "kleinen Möbelhaus an einem verträglichen Standort" anfreunden.

Dass die Grünen behaupten, ein städtebaulicher Vertrag könne die Warnung vor unerwünschten Entwicklungen in Sirnau nicht dauerhaft entkräften, trug ihnen heftige Kritik der SPD ein. Koch warf ihnen vor, sie würden "den Teufel an die Welt malen". Mit solchem Misstrauen lasse sich keine Standortpolitik betreiben, meinte er. Obwohl auch Zieger behauptete, der Vertrag sei ein zuverlässiges Instrument, wollten die Zweifel nicht verstummen. Neben den Grünen blieben auch die Freien Wähler bei ihren Bedenken.