Lokale Wirtschaft

Gummi-Spezialist startete im "Mausloch"

Die Hoffmann GmbH mit Sitz in Kirchheim feiert dieses Jahr ihr 50-jähriges Bestehen - Profi für Hightech-Verbundteile

In einem kleinen Kellerraum in der Kirchheimer Neuffenstraße begann die Geschichte des Gummi-Fabrikanten Manfred Hoffmann. 50 Jahre und eine Generation später hat sich die Hoffmann GmbH zu einem Hightech-Hersteller für Verbundteile entwickelt.

Kirchheim. Im Jahr 1961 wurde die Manfred Hoffmann Kautschukpresserei gegründet. Im März schickten die Firmengründer Manfred Hoffmann und seine Frau 30 Postkarten an potenzielle Kunden. Am 1. Mai ging es dann los. Die erste Betriebsstätte befand sich im Keller eines Wohnhauses in der Neuffenstraße 5, im Wohngebiet Rauner in Kirchheim. Weil sie so klein war, bekam diese Betriebsstätte den Spitznamen „Mausloch“. Die Verwaltung der Firma fand an einem Schreibtisch im Wohnzimmer der Familie statt. Schon vom ers­ten Tag an wurden Gummiformteile produziert. Die erste Presse war ein Eigenbau. Zum Entgraten und Kont­rollieren von Formteilen war die ganze Familie im Einsatz. Zu den Kunden der ersten Stunde gehörte beispielsweise die Firma Gummi Fischer in Stuttgart, die bis heute noch Kunde bei Hoffmann ist. Das bekannteste Bauteil der damaligen Zeit waren Gummi-Düsenkörper für die Scheibenwaschdüsen des VW Käfers.

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1963 zog das Unternehmen dann in die erste richtige Produktionshalle in die Krebenstraße. Eine Firma in Köngen hatte eine gebrauchte Halle zum Kauf angeboten. Diese wurde in Köngen demontiert und in Kirchheim wieder aufgestellt. Erst 1966 wurde die heutige Hoffmann GmbH gegründet.

1968 war die Halle schon wieder zu klein geworden. Die Hoffmann GmbH zog deshalb in einen umgebauten Bauernhof in die Jesinger Straße. Zum ersten Mal gab es nach diesem Standortwechsel auch eigene Büroräume in der gelben Villa gegenüber. 1969 startete in der alten Halle in der Krebenstraße der Bau von Formen.

Die Firma expandierte kräftig, sodass 1970 die erste Ausgründung möglich war:

Siegfried Hoffmann, ein Onkel des heutigen Geschäftsführers Dr. And­reas Hoffmann, übernahm die Geschäftsführung der Firma Hoffmann-Adler in Hepsisau.

Einige Jahre lang war das Unternehmen dann auf vier Betriebsstätten verteilt. Ein weiteres Wachstum war an den jeweiligen Standorten jedoch nicht mehr möglich, also wurde ein Neubau ins Auge gefasst.

1977 schließlich erfolgte dann der erste Bauabschnitt im neuen Industriegebiet Bohnau. „Wir waren eines der ersten Unternehmen, das hier gebaut hat“, erinnert sich Dr. Andreas Hoffmann. „Alle bisherigen Produktionsstandorte und der Formenbau konnten endlich an einem Standort vereint werden.“

1985 wurde die Produktionsfläche nochmals verdoppelt. Eigentlich waren in der Bohnau ursprünglich nur Produktionsräume vorgesehen gewesen. Nach einem nochmaligen Umbau 1988 erfolgte 1989 zu guter Letzt auch der Umzug der Verwaltung. Damit war nach 30 Jahren die Firma zum ersten Mal an einem Standort vereint – ausgenommen der Heimarbeiterinnen und Heimarbeiter, die Prüf- und Kont­rollarbeiten an Gummiformteilen noch bis 2010 zu Hause erledigten.

1990 startete Dr. Andreas Hoffmann dann aktiv als Geschäftsführer: Der erste Generationswechsel in der Geschäftsleitung des Unternehmens wurde eingeläutet. „Das war wirtschaftlich und politisch eine sehr interessante Zeit“, so Andreas Hoffmann. Nach dem Fall der Mauer begann der Aufbruch Richtung Osten. Der Wettbewerbsdruck stieg. Firmen mit günstigen Arbeitskräften in Ostdeutschland, in der damaligen Tschechoslowakei und in Ungarn drängten massiv auf den Markt.

Vor diesem Hintergrund wurde 1991 die Ergumi GmbH, Müller + Hoffmann mit einem Werk in Wünschendorf im Erzgebirge in der Nähe von Chemnitz gegründet. Die ersten einfacheren Gummiformteile wurden verlagert. In Kirchheim konzentrierte sich das Unternehmen immer mehr auf Gummi-Formteil-Spezialitäten. Dafür wurde der eigene Formenbau weiter ausgebaut. Inzwischen verkaufte das Unternehmen auch Formen an andere Formteilhersteller.

In die Neunzigerjahre fielen der Aufbau eines Managementsystems und die ersten Qualitäts- und Umweltzertifizierungen des Unternehmens. Besonders im Bereich der Automobilzulieferer sind diese Zertifikate Voraussetzung für die Zulassung als Lieferant.

Die zunehmende Globalisierung führte auch bei Hoffmann zu immer größerem Wettbewerbsdruck und enormen Rationalisierungsanstrengungen. 1998 musste das

Unternehmen seine Beteiligung an der Ergumi GmbH wieder verkaufen, da das Preisniveau einer Fertigung in Ostdeutschland inzwischen nicht mehr attraktiv war.

Nach der Jahrtausendwende zeigte sich immer deutlicher, dass das Unternehmen mit seinem bisherigen Produktspektrum an einkomponentigen Spezialitäten-Formteilen immer mehr an Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland verlor. Besonders asiatische Länder mit extrem günstigen Lohnkosten drängten auf den Markt.

Für den Weiterbestand des Unternehmens war es daher von existenzieller Wichtigkeit, sich in dieser geänderten Marktsituation neu aufzustellen. Gerade in dieser Zeit wollte auch die Firma Gummi-Metall Scheufele & Gienger in Weilheim ihren Standort schließen. Stattdessen taten sich jedoch Gummi-Metall, der Spezialist für Verbundteile, und die Hoffmann GmbH, die überwiegend bei einkomponentigen Formteilen am Markt war, zusammen.

Mit dem Eintritt von Jochen Kugler, dem ehemaligen Geschäftsführer der Gummi-Metall Scheufele & Gienger GmbH in die Unternehmensleitung, richtete sich das Unternehmen gezielt auf Verbundteile, also Gummi-Metall- und Gummi-Kunststoff-Verbindungen, aus.

Gleichzeitig wurden erste Schritte zum Aufbau einer Handelswaren-Schiene unternommen. Gummiform­­artikel, die in Kirchheim nicht mehr kostendeckend gefertigt werden konnten, wurden ins Ausland verlagert. Mit Schwingungsdämpfern wurden erste Verbundteile als Katalogware ins Lieferprogramm aufgenommen.

Anfang 2004 wurde aus strategischen Gründen entschieden, den eigenen Werkzeugbau aufzulösen. Die Konzentration auf Verbundteile wurde verstärkt, sodass es 2006 bereits Anfragen über größere Serien an Hybridteilen gab.

Im Jahr 2007 fiel die Entscheidung, die unternehmenseigene Werkzeugkonstruktion endgültig einzustellen und eine Zusammenarbeit mit externen Formenbauern zu beginnen. Zudem wurde das Profitcenter Handelsware ins Leben gerufen. Das Standardprogramm erfuhr eine Erweiterung durch Schraubenkopfdichtungen und Gammaringe.

Mit der Finanzkrise, die weltweit zu einer Wirtschaftskrise führte, rutschte das Unternehmen in die Rezession, die in der Firmengeschichte noch nie da gewesen war. Im November 2008 musste Kurzarbeit angemeldet werden, die 23 Monate lang anhielt.

Im selben Jahr rief das Unternehmen seine jüngste Produktgruppe Mikroverbundteile ins Leben. Diese Präzisionsteile mit einem Gummigewicht von teilweise weit unter einem Gramm bewegt sich im Highend-Bereich von Elastomerteilen.

2009 drehte sich für die Hoffmann GmbH alles um ein Ziel: das Überleben. Gegenüber 2008 verlor das Unternehmen 40 Prozent des Umsatzes. Kostensenkungsprogramme, die Banken und vor allem die Solidarität der Mitarbeiter sicherten den Fortbestand des Unternehmens. Trotz allem investierte die Firma im Krisenjahr in eine Spritzgießmaschine mit 450 Tonnen Schließkraft und ein CAQ-Sys­tem. Passend zur Ausrichtung von Hoffmann auf Hoch-Präzisionsteile wurde auch das Äußere mit einer umfangreichen Gebäudesanierung in Schuss gebracht.

2010 hellte sich der Konjunkturhimmel schließlich auf, sodass die Kurzarbeit Ende Mai in der Fertigung und im September für das ganze Unternehmen beendet werden konnte. Die Heimarbeit, in der die Endbearbeitung der Produkte erfolgte, wurde von „zu Hause“ erstmals in die eigenen Fertigungsräume verlagert: Für die Mitarbeiter wurde ein Prüf- und Kontrollcenter eingerichtet.

Die ersten Erfolge im Bereich Mikroteile führten zu Investitionen in eine Mikro-SGM, Mikro-Strahlkabine, Mikro-Härteprüfgerät und Mikro-Messmaschine.

Mittleweile stellt das Unternehmen zu über 60 Prozent Verbundteile her – 2003 waren es gerade mal 20  Prozent gewesen. Vermehrt kommen die reinen Gummiformteile aus dem asiatischen Raum. Die Handelsware hat sich mit 25 Prozent Anteil am Gesamtumsatz zu einem Erfolgsgarant von Hoffmann entwickelt.

Grund zur Freude gibt es im Jubiläumsjahr auch aufgrund der guten Zahlen: Die Hoffmann GmbH kann nach einem halben Jahrhundert Auftragseingangs- und Umsatzrekorde verbuchen.