Kirchheim

Händler gemeinsam im Netz präsent

Projekt Der attraktive Einzelhandel ist ein Pfund, mit dem Kirchheim wuchern kann. Er lockt Menschen an, die sich gerne in der Fachwerkstadt aufhalten. Von Iris Häfner

Künftig soll es einen virtuellen Marktplatz für Kirchheim geben. Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Künftig soll es einen virtuellen Marktplatz für Kirchheim geben. Archiv-Foto: Jean-Luc Jacques

Studenten der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt präsentieren ihre Ergebnisse für einen Kirchheimer Onlinemarktplatz den Einzelhändlern, denn immer weniger Kunden lassen sich hinter dem warmen Ofen hervorlocken. Gemütlich auf dem Sofa lümmelnd, lassen sich Socken und Rock, Hemd und Hose und alle anderen erdenklichen Artikel bequem per Mausklick bestellen, die dann noch frei Haus geliefert werden.

Ein Forschungsprojekt mit dem Titel „Onlinemarktplatz für Kirchheim“ unter der Federführung von Professor Dr. Dirk Funck vom Fachbereich Kooperationsmanagement der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen befasst sich mit der Thematik. Seine Studenten arbeiteten sich seit Oktober in die Fragen ein und präsentierten im Manfred-Henninger-Saal in der Kirchheimer Kreissparkasse ihre Ergebnisse. Zwei Fliegen wurden dabei mit einer Klappe geschlagen: Es war gleichzeitig die Prüfung für die jungen Frauen und Männer.

In den vergangenen Wochen sprachen die Studenten mit den Händlern. Dabei stellten sie einen „allgemeinen Zweifel am Erfolg eines möglichen Onlinekonzepts fest“, auch sei der Zusatznutzen infrage gestellt worden, zumal die Online-Präsenz nicht nur Mehrarbeit, sondern auch Mehrkosten verursacht. Die Risiken überwiegen für viele, wobei sich herausstellte, dass kleine Händler eher positiv mit dem Thema umgehen, große eher negativ. „Ein Onlinemarktplatz wird jedoch jeden Tag nötiger, ist aber nicht dringend. Das Risiko, nichts zu tun, ist allerdings größer, als etwas zu tun“, urteilt Dirk Funck.

Von „operativer Hektik“ hält er nichts. Mit eBay, Amazon, Zalando und Co. will er das Projekt gar nicht vergleichen, hier geht es um weitaus kleinere Brötchen. Der Wettbewerb gegen die Großen kann nicht gewonnen werden. „Ich muss also Lokalität reinkriegen. Die Frage ist: wie?“, sagt der Professor. So müsse es um Inhalte gehen, die sich gerne auch um städtische Themen wie Essen, Events und anderes drehen, denn nicht immer gehe es ums Kaufen. Die Neugier soll geweckt werden. „Es gibt keine Blaupausen, man muss sich rantasten“, erklärt Dirk Funck und erinnert an altersbedingte Unterschiede. Der virtuelle Marktplatz soll Kirchheim-spezifisch gemacht sein. „Das ist wichtig und dringend. Schritt für Schritt – wie es hier geht – ist ein guter Weg“, ist der Professor überzeugt. Ebenso davon, sich lieber etwas Zeit zu lassen und dann bedarfsgerecht umzusetzen.

Dirk Funck wollte Leben in den Hörsaal bringen, weshalb er seine Studenten losschickte. Die konnten sich dabei auf Erkenntnisse eines ersten Projekts stützen, das sich mit der Außenwirkung von Kirchheim und Stadtmarketing befasste. In diesem Semester ging es darum, auszuloten welche Möglichkeiten der Kirchheimer Einzelhandel hat, um sich im Verbund online zu präsentieren. Dazu wurden Verbraucher befragt und der Einzelhandel einbezogen. Die Kooperation mit der Stadt Kirchheim bewertet Dirk Funck durchweg positiv.

Dietmar Ederle, Regionalbereichsleiter der Kreissparkasse und Gastgeber der Veranstaltung, sprach von einem buntem Blumenstrauß, der von den Studenten übergeben wurde. Es gelte, mit einem kleinen Pflänzchen zu beginnen, um es dann zu gießen und zu pflegen. Wenn der Onlinemarktplatz gestartet ist, muss er auch stetig aktualisiert sein. „Für mich steht das Regionale im Vordergrund, ich sehe es als Chance“, erklärte er.

Eine positive Bilanz zog auch Saskia Klinger vom Referat für Wirtschaftsförderung und Nachhaltige Stadtentwicklung der Stadt. Gemeinsam mit Dirk Funck bildete sie die Prüfungskommission. „Die Studenten sind zu kleinen Experten in diesem Bereich geworden“, lobt sie. Für ihre spätere Arbeit haben sie ihrer Ansicht nach viel gelernt.

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