Kirchheim

„Handeln nach Recht und Ordnung“

Beim Ortstermin erläutert die Kirchheimer Ortsverwaltung ihre Prinzipien der Baumpflege

Wenn Bäume fallen, kochen die Emotionen hoch. Deshalb hatte die Stadtverwaltung Kirchheim zum Ortstermin mit dem Thema „Baumpflege in Kirchheim“ an die Lauter bei der Walddorfschule in Ötlingen geladen, um sich den Fragen der interessierten Bürger zu stellen.

Andreas Christoph (links) und Martin Müller erläutern ihre Untersuchungen an einer kranken Pappel. Rechts im Bild Bürgermeister
Andreas Christoph (links) und Martin Müller erläutern ihre Untersuchungen an einer kranken Pappel. Rechts im Bild Bürgermeister Riemer.Foto: Cornelia Wahl

Kirchheim. Starke Furchen auf der Grünfläche und abgeholzte Baumstämme prägen das Bild entlang der Lauter. Auf viele, die den daran vorbeiführenden Radweg benutzen und die Stelle seit vielen Jahren kennen, wirkt der Eingriff in die Natur wie ein Kahlschlag. So mancher fühlt sich schlecht informiert und fragt sich, ob dies nötig war – hatte es doch auf den ersten Blick den Anschein, als seien die Bäume gesund.

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Bürgermeister Günter Riemer führt aus, dass die Stadt neben den normalen Pflegemaßnahmen des Gehölz- und Baumbestands ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommen muss: „Bruchgefährdete und kranke Bäume müssen zum Schutz der Bürger gefällt werden.“ Kritik, Beleidigungen und eine „Anzeige wegen des Fällens zum Verkauf des Holzes“ hätten deswegen die Stadtverwaltung erreicht, erzählt er. Dabei verfolge die Stadt mit dem Abholzen keine wirtschaftlichen Interessen. Die Gesellschaft erwarte ein „Handeln nach Recht und Ordnung“, sagt Riemer und stellt fest: „Danach handeln wir.“

Warum die Bäume gefällt werden mussten, erläutern Forstingenieur und Baumgutachter Martin Müller und sein Mitarbeiter Andreas Christoph. Am Beispiel einer gefällten kranken Pappel erklären sie, wie Bäume untersucht werden. Der Zustand des Baums lässt sich über die Standsicherheit, die Bruchsicherheit und die Baumvitalität beurteilen. Dazu wird der Baum zunächst auf sichtbare Schäden und Auffälligkeiten von oben bis unten hin begutachtet. Für weitergehende Untersuchungen werden Messgeräte eingesetzt. Sie liefern Informationen über Hohlräume oder Holzabbau. Zudem lassen sich Schichtaufnahmen erstellen. Am Ende zeigt ein Querschnittsbild Hohlräume, Fäulnis und krankheitsbedingte Veränderungen. Außerdem wird der Baum auf Schädlinge und Pilze hin untersucht. Anhand aller Ergebnisse kann eine Aussage getroffen werden, ob der Baum an seinem Standort die Verkehrssicherheit gefährdet.

Ein Fällen unumgänglich in Kirchheim machen das Eschentriebsterben, der Pappelrindenbrand und die Erlen-Phytophthora. Zur Krankheitsentstehung tragen zudem die Klima- und Standortbedingungen bei. Bei ihrem Tun achten die Gutachter auf die Artenvielfalt und den Tierschutz.

Die Arbeiten an der Lauter dienen zudem dem Schutz des Gewässerrandstreifens, „der eine wichtige Aufgabe erfüllt“, wie Beate Baier vom Amt für Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Esslinger Landratsamt ausführt. Es sei immer eine Gratwanderung, etwas für die Natur zu machen und gleichzeitig auf den Schutz der Bevölkerung zu achten.

Die gefällten Bäume bleiben in Ötlingen als sichtbare Abgrenzung zur Lauter liegen. Von dem Totholz gehe keine Krankheitsgefahr für die Bepflanzung aus, so Müller. Auch eine Beschilderung soll folgen. Und Günter Riemer ist sich sicher, dass in wenigen Jahren von den Fällarbeiten nichts mehr zu sehen ist. Er hat die Anwesenden an denselben Ort eingeladen – in fünf Jahren.

Die drei wichtigsten Ursachen für Baumschäden in Kirchheim

Verursacher des Eschentriebsterbens ist ein asiatischer Pilz mit der Bezeichnung „Falsches weißes Stängelbecherchen“ (Hymenoscyphus pseudoalbidus). Der Pilz bildet im Sommer auf den am Boden liegenden Blattspindeln unauffällige Fruchtkörper aus. Deren Sporen verbreiten sich mit dem Wind und infizieren die Blätter. Zu erkennen ist dies an einer braun verfärbten Blattspreite. Von da aus wandert der Pilz über die Blattspindel in das unverholzte Mark von Zweigen und Trieben und weiter in den verholzten Bereich. Es entstehen typische Rindennekrosen. Der Pappelrindenbrand wird von einem Schlauchpilz (Cryptodiaporthe populea) verursacht. Die Pilzsporen dringen über kleine Öffnungen in die Rinden gesunder Bäume ein. Erste Symptome sind absterbende Zweige. Es folgt zunächst das Sterben der Äste und dann das des Baums. Die Verbreitung des Pilzes geschieht durch herunterlaufendes Regenwasser und durch den Wind. Die Erlen-Phytophthora ist auch als Wurzelhalsfäule bekannt. Sie zeigt sich durch schwarze Verfärbungen ab etwa einem Meter über dem Boden. Die Bäume sind geschwächt und anfällig für andere Holzfäulepilze. Die Krone vergilbt, die Belaubung ist spärlich und kleinblättrig. Der Baum stirbt ab.cw