Kirchheim

Hauptsache: Das Werkzeug ist dabei

Vortrag Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Städten sind ein Reizthema – erst recht, wenn davon Betriebe und damit Arbeitsplätze betroffen sind. Manfred Kleinbielen von der HWK gab Tipps für Handwerker. Von Iris Häfner

Manfred Kleinbielen erklärt Handwerkern, wie sie mobil bei Fahrverboten bleiben.  Foto: Jean-Luc Jacques
Manfred Kleinbielen erklärt Handwerkern, wie sie mobil bei Fahrverboten bleiben. Foto: Jean-Luc Jacques

Damoklesschwert Fahrverbot in Städten: Dr.  Manfred Kleinbielen von der Handwerkskammer (HWK) Stuttgart kann zumindest für die nächsten zwei bis drei Jahre Entwarnung für Handwerksbetriebe geben. Er war auf Einladung der Energieagentur Landkreis Göppingen zu der Informations-Veranstaltung „Solarstrom als Fahrstrom“ für Handwerker und Unternehmen in die Kirchheimer Stadthalle gekommen.

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„Wir haben viele Anfragen aus der Region, wie man die Kunden noch erreichen kann, denn das Fahrverbot für Euro 4 Dieselfahrzeuge und schlechter gilt im gesamten Stadtgebiet Stuttgart - nicht nur am berüchtigten Neckartor“, sagte Manfred Kleinbielen. Froh ist er darüber, dass er (noch) Entwarnung geben kann. Lieferverkehr in jedweder Form reicht aus, man muss kein hauptberuflicher Spediteur sein, um zu Kunden zu gelangen. „Das ist klar definiert. Es reicht der Transport von Werkzeug und Material - und da kann man viel drunter packen, denn der Handwerker hat immer was dabei“, so der Referent. Wer in eine Kontrolle gerät, holt dann halt gerade Material vom Baumarkt oder beliefert die Baustelle. „Sollte es bei einer Kontrolle Schwierigkeiten geben: uns mitteilen“, sagte Manfred Kleinbielen. Er rät deshalb, immer gut sichtbar Werkzeug ins Fahrzeug zu legen, sollte es keine Firmenbeschriftung haben. Für Wochenend- und Freizeitfahrten gilt diese Sonderregelung jedoch nicht.

Diese lockere Handhabung ist auch nicht für alle Zeit festgeschrieben. „Damit die Betriebe ihren Fuhrpark umstellen können, gibt es diese zwei- bis dreijährige Übergangsphase. Meine Hand würde ich dafür aber trotzdem nicht ins Feuer legen, denn in der Politik ist vieles möglich“, warnte er vor allzu viel Gelassenheit. Die Modernisierung der Fahrzeuge ist aus seiner Sicht unerlässlich. „Das Ganze ist langfristig gesehen unsicher. Wir wissen nicht, wann mit einem Euro 5 Diesel Schluss ist“, erklärte er. Entwickelt sich die Luftqualität im Sommer schlecht, kann es aus seiner Sicht durchaus sein, dass schon 2020 auch diese Fahrzeuge vom Verbot betroffen sind. „Die Werte lassen nichts Gutes ahnen, man muss damit rechnen, dass in Stuttgart in naher Zukunft nur noch Euro 6 Diesel fahren dürfen.“ Manfred Kleinbielen geht jedoch auch hier von einer Übergangsfrist für Lieferanten aus.

„Wie sieht es bei der Kundenfahrt eines Mitarbeiters ohne Material aus?“, wollte ein Zuhörer wissen. Die Antwort: „So blöd das klingt: Wir empfehlen, ihm einen Werkzeugkasten mitzugeben. Das reicht dann schon.“ Die Stadt Stuttgart habe signalisiert, dass sie es gar nicht schafft, zu kontrollieren. Gezielt würden alte Fahrzeuge rausgepickt. „Sprinter und Transporter werden meistens durchgewinkt“, ist die Erfahrung von Manfred Kleinbielen.

Er stellte mögliche Alternativen zum Verbrennungsmotor vor. Ein Wandel im Bewusstsein und eine andere Sichtweise, was Mobilität ist, sei hilfreich. Zum Umstieg zwingen kann die Handwerkskammer die Betriebe nicht, aber beraten. „Die E-Mobilität wäre der Königsweg. Es gibt aber weitere Bausteine“, sagte er. Unerlässlich sei jedoch der Wille, von sich aus etwas beizutragen und nach Alternativen Ausschau zu halten und beispielsweise die Fördermöglichkeiten für E-Autos oder Nachrüstung für Dieselmotoren zu nutzen. Wichtig sei auch, die Mitarbeiter mitzunehmen. Er selbst musste erstaunt zur Kenntnis nehmen: „Die haben Einfluss und suchen sich die Autos selbst aus, weil sie bestimmte Marken nicht fahren wollen. Die Mitarbeiter sollten deshalb unbedingt mit ins Boot geholt werden, insbesondere wenn auf E-Autos umgestiegen wird.“

Oder man nimmt sich ein Beispiel an Steinmetz Heinz Blaschke aus dem Stuttgarter Norden. „Der hat sich ein Elektro-Lastenrad angeschafft und transportiert damit auch kleine Steine fröhlich durch die Stadt. Dabei wird er regelmäßig angesprochen und macht auch dank der Firmenaufkleber Eigenwerbung“, sagte Manfred Kleinbielen. Ein weiterer Vorteil dieses neuen Firmenfahrzeugs: Der Steinmetz kann damit schön leise durch den Friedhof fahren.