Kirchheim

„Heimat muss bewahrt werden“

Erinnerung Die Kirchheimer Ortsgruppe des Schwäbischen Heimatbundes unterstützt die Informationsbroschüre des NS-Opfer-Mahnmals und die Renovierung der Martinskirche. Von Sabrina Kreuzer

Pfarrer Jochen Maier (Mitte) erklärt den interessierten Mitgliedern die Renovierungspläne der Martinskirche. Foto: Sabrina Kreuz
Pfarrer Jochen Maier (Mitte) erklärt den interessierten Mitgliedern die Renovierungspläne der Martinskirche. Foto: Sabrina Kreuzer

Was ist eigentlich Heimat? Diese Frage stellen sich immer mehr Menschen in der heutigen Zeit. Doch die Antwort auf diese Frage kann nicht verallgemeinert werden. Der Schwäbische Heimatbund (SHB) sieht Heimat als eine Aufgabe für Menschen und Kultur, Natur und Landschaft, Vergangenheit und Gegenwart, aber auch Zukunft.

Auf der Tagesordnung der Hauptversammlung der Ortsgruppe Kirchheim standen nicht nur der Bericht der Kassenprüferin, die Entlastung des Vorstands und die Wahl eines Beirats. Auch Gäste wie Dr. Frank Bauer, Leiter des Stadtarchivs, und Pfarrer Jochen Maier waren eingeladen.

„Wir brauchen den Heimatbund“, betonte Josef Kreuzberger, der Vorsitzende des Muttervereins SHB am Samstag im Albert-Knapp-Saal. Im vergangenen Jahr hat sich die Kirchheimer Ortsgruppe mit der Nürtinger Gruppe zusammengetan, sie sind sehr aktiv. Das wurde nicht nur klar, als Erich Traier, der Zweite Vorsitzende der Ortsgruppe, von den Erlebnissen im Jahr 2017 erzählte. Auch der Ausblick auf das aktuelle Jahr verrät so manche Aktion.

Mehrere Ganztagesfahrten, darunter nach Bietigheim-Bissingen, Schwäbisch Gmünd und Maulbronn, einige Halbtagesfahrten und eine dreitägige Exkursion nach Coburg sind geplant. Zudem interessieren sich viele Mitglieder für die Vortragsreihe des SHB im Hospitalhof Stuttgart. Hier stellen junge Leute Themen aus der landesgeschichtlichen Forschung vor.

Natürlich darf die eigene Heimat nicht vergessen werden. Die Säulen des SHB sind die Landesgeschichte, der Naturschutz und der Denkmalschutz. Um Letzteres ist auch Dr. Frank Bauer bemüht. Er erzählte den versammelten Mitgliedern vom Kirchheimer Mahnmal, das der zivilen Opfer des Nationalsozialismus gedenkt: „Es waren keine Fremden sondern Leute, die hier gelebt haben, Freunde und Weggefährten.“ Seit dem 19. November steht das Denkmal mit den 21 Spruchbändern auf dem Kirchheimer Friedhof. Nun soll es eine Informationsbroschüre dazu geben. „Die NS-Zeit ist zwar vergangen, aber Vertreibung und Völkermord sind nicht historisch. Wir wollen die Jugend sensibilisieren“, sagte Bauer. Die Begleitbroschüre gibt den Opfern ein Gesicht. Das Manuskript ist bereits fertig, Veranstaltungen sind geplant, Schulen werden eingebunden. Doch das Wichtigste fehlt: Erst die Hälfte der 8 500 Euro Kosten für den Druck der Broschüren ist durch Spenden gedeckt. Nun übernimmt die Ortsgruppe des Schwäbischen Heimatbundes einen Teil und auch der Mutterverein unterstützt den Druck. „Der Zweck des Mahnmals ist, die Erinnerung und das Andenken zu pflegen“, sagte Bauer. Mit den Spenden des SHB ist die Stadt diesem Ziel ein Stück näher gekommen.

Die Gruppe beschäftigt sich auch mit der Renovierung der Martinskirche. Die Außensanierung wird im Laufe dieser Woche abgeschlossen, es fehlen nur noch die Fenster. Doch damit ist nicht Schluss, erklärte Pfarrer Jochen Maier: „Die letzte Innenrenovierung war in den Jahren 1962 bis 1964. Dieser Posten stellt ungefähr zwei Millionen Euro dar.“

„Es gibt gewisse Sanierungsnotwendigkeiten“, sagte Maier, „dazu gehören der Sicherungskasten und die Leitungen, die noch aus den 60er-Jahren stammen. Diese sind mittlerweile fast gefährlich.“ Allgemein soll sich vieles um den Chor als „Schmuckkästchen“ der Kirche drehen. Hier finden Besucher und Gläubige viele geistliche Kunstwerke. „Diese Kunstwerke wurden geschaffen, um vom Glauben zu erzählen“, machte Maier bei einem Rundgang klar, „sie zeigen, wie sich die Glaubensauffassung mit der Zeit geändert hat.“

Ein wichtiges Anliegen vieler Gemeindemitglieder sind die Sitzplätze. Vor der letzten Renovierung gab es einen Mittelgang zwischen den Bänken, der die Besucher nach vorne geleitet hat. Heute blockieren die langen Holzbänke den Durchgang und wirken wie eine Barriere. „Wir möchten den Bestand bewahren und zeitgleich Flexibilität ermöglichen“, meinte Maier. Bis ein Entwurf der neuen Innenräume der Kirche vorliegt, dauert es wahrscheinlich noch zwei Jahre. Die Kirche muss zuerst 100 000 Euro aufbringen, bis ein Architekt beauftragt werden kann. Einen kleinen Teil dieser Summe übernimmt der Schwäbische Heimatbund - ein Schritt in die richtige Richtung.

„Es ist uns nicht nur wichtig, unsere Heimat zu erhalten, sondern auch Menschen zu finden, die das auch tun wollen“, erklärt Ruth Müller-Kneile. Der Ersten Vorsitzenden der Ortsgruppe ist wichtig, dass die jüngere Generation nachkommt. Erich Traier, Zweiter Vorsitzender, stimmt ihr zu: „Die Begegnung mit Heimat ist wichtig, Heimat muss bewahrt werden.“

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