Lokale Kultur

Heiraten in Serie oder aus Leidenschaft ledig

KIRCHHEIM Um das Ende des Abends mit dem Kabarettisten Martin Herrmann gleich vorwegzunehmen: Auch in Kirchheim hatte er mit seiner Heirats-Show keinen Erfolg und muss weiterhin mit dem Verdacht leben, aus Leidenschaft ledig zu sein. Dabei sollen doch in Zukunft

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USCHI NEROLADAKIS

Nichtverheiratete den doppelten Rentenbeitrag zahlen und die derzeitige Bundesregierung macht nicht nur Druck auf die Singles, sondern geht gleich mit gutem Beispiel voran und beweist, dass Heiraten auch in Serie möglich ist.

Vielleicht lag ja der Misserfolg des "Frauenflüsterers" an seinem etwas schrägen Outfit, denn wer steht heutzutage noch auf bordeauxrote Jacketts in Kombination mit einem orangefarbenem Hemd? Mit Sicherheit vergraulte Martin Herrmann die reichlich anwesende Damenwelt jedoch mit seinem hinterhältigen Grinsen, mit dem er seine Boshaftigkeiten und skurrilen Wortspiele begleitete.

Dabei hatte alles so verheißungsvoll angefangen. Der Keller des club bastion war bis auf den letzten Platz belegt und der heiratswillige Künstler war bereit, alle Facetten seines Wesens zu offenbaren, um in Zukunft dem Junggesellen-Mobbing zu entgehen.

Katholisch sei er und aus Gründen des Unterhaltungswertes bezahle er sogar gerne die Kirchensteuer und empfahl den Damen im Hinblick auf andere Religionen, doch gelegentlich mehr das verhüllende Element auszuprobieren. Den erkennbaren Trend zum Kopftuch sah er für beide Geschlechter als durchaus positiv an für Männer sozusagen "Transsexualität light" und demonstrierte sogleich das String-Kopftuch in dezentem Neongrün.

Mode kann bei Frauen ein Ausdruck sichtbar gemachter Körperbehinderung sein, doch dieses gelebte Leid löst angeblich bei Männern den Kavaliersinstinkt aus vor allem bei nächtlichen Autopannen und Stürzen auf Grund zu hoher Schuhe.

Mit hämischem Grinsen trieb Martin Herrmann seine Gemeinheiten auf die kabarettistische Spitze: Schon das Wort "Pumps" deutet für ihn lautmalerisch den bevorstehenden Sturz an und beiläufig, aber eindrucksvoll demonstrierte er, dass im Namen des amerikanischen Präsidenten ein Langstreckenbomber zu hören sei, was der amerikanischen Nation jedoch bislang wohl entgangen ist.

Aufgestaute Kavaliersgefühle entladen sich bei Martin Herrmann in Liebesliedern, die sich zwar reimen, aber nicht immer sofort. Deutlich zu hören war dies beim Lacherfolg des "Knusperhäuschen-Songs", der den Zuhörern anschaulich "die Waffeln einer Frau" vor Augen führte.

Seinen Sinn für Romantik bewies der Heiratskandidat mit dem Vorschlag, beim Spülen Kerzen aufzustellen und anschließend mit 30 sauber gespülten Alu-Deckelchen im Kofferraum mit dem Auto zum Sammelcontainer zu fahren. In modernen Partnerschaften spiele auch das passende Sternzeichen eine bedeutende Rolle und der richtige ,,Assistent'' ersetzte da schon einmal das Abitur.

Esoterisch beeinflusst sang Martin Herrmann das Lied von der Wiedergeburt, zu dem er sich mit einem zur "tibetanischen Taschenharfe" zweckentfremdeten Eierschneider eindrucksvoll begleitete. Bedeutsame Fragen stellten sich aber auch angesichts der hohen Scheidungsrate: Warum lassen Männer ihre Socken herumliegen? Sind das Duftmarken, die auch bei Dunkelheit den Pfad zum Herzen des Gatten führen sollen?

Ist Schnarchen ein männerspezifisches Geräusch, das Frauen bei einer Trennung vom Partner durch eine spezielle Single-CD ersetzen können? Gibt es außer einem Ödipus- auch einen Ötzipus-Komplex? Auch mit seinem Gesundheitszustand hielt der Heiratswillige nicht hinterm Berg: Er habe etwas zu hohe Cholesterinwerte, gegen die er aber mit morgendlichem Joggen ankämpfe, damit aber leider auch zum Waldsterben beitrage. Jogger erzeugen nach seiner Theorie nicht nur aufdringliche Deo-, sondern auch für den Wald tödliche Schockwellen. Als Event und Single-Treff für Senioren bietet sich der "Warmbadetag" an und am Beispiel des eigenen Alterungsprozesses zeigte der Künstler seinen Sinn für Realität.

Im Hinblick auf die Unterstützung der pharmazeutischen Industrie und etliche prominente ältere Herren, die den Generationenvertrag auch noch mit 63 Jahren erfüllen, scheint sich der "Frauenflüsterer" durchaus an den Rat seiner Mutter zu halten: "Man muss auch warten können . . ."

Auf eine Zugabe ließ er das begeisterte Publikum allerdings nicht lange warten und ergötzte sich und die Bastionsbesucher noch mit Auszügen aus dem Tagebuch eines Globetrotters, die wie konnte es auch anders sein an Bosheit nichts zu wünschen übrig ließen.