Lokale Kultur

„Hier wohnte . . .“

Film über die „Stolpersteine“ zur Erinnerung an deportierte Juden

Kirchheim/Köln. Es ist ein Erinnerungsprojekt der besonderen Art. Über 15 000 „Stolpersteine“ hat der Kölner Künstler Gunter Demnig inzwischen in 345 deutschen Orten, darunter auch Kirchheim, verlegt.

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elke vogel

Zwischen die gewöhnlichen Pflastersteine fügt er immer dort seine goldglänzenden Messing-Platten ein, wo die Nationalsozialisten jüdische Bürger aus ihren Wohnungen und Häusern zerrten, auf Lastwagen luden und in die Vernichtungslager brachten.

Passanten stolpern also im wahrsten Sinne des Wortes über die Schicksale der Holocaust-Opfer. „Hier wohnte...“ steht auf jedem „Stolperstein“, da­runter Name und Jahrgang, dann das Deporta­tionsdatum sowie Ort und Zeitpunkt der Ermordung durch die Nazi-Schergen. Auf dem Filmfestival Locarno stand jetzt der Dokumentarfilm „Stolperstein“ über Demnigs Projekt auf dem Programm.

„Der Name soll dorthin zurückkommen, wo die Menschen ihr Zuhause hatten“, erklärt Demnig. Auch aus dem europäischen Ausland gebe es immer mehr Nachfragen für Stein-Verlegungen.

Oft sind die Nachkommen der Ermordeten bei der Verlegung der ausschließlich privat finanzierten Steine dabei. Doch nicht alle deutschen Städte akzeptieren die „Stolpersteine“ als Form, der Holocaust-Opfer zu gedenken. In München etwa gebe es mangels Behördengenehmigung keine „Stolpersteine“. Nur auf einem Privatgrundstück wurde ein Stein verlegt.

Das Für und Wider spaltet aber auch den Zentralrat der Juden, sagt dessen Generalsekretär Stephan Kramer in einer Filmsequenz. Er betont, es sei wichtig, dass die Menschen durch die Gedenksteine auf ihrem Weg anhalten und nachdenken. Auf der Würde der Opfer dürfe nicht im Wortsinn herumgetrampelt werden, sagen dagegen Demnigs Kritiker, darunter Zentralrats-Präsidentin Charlotte Knobloch und Münchens SPD-Oberbürgermeister Christian Ude. Beide seien nicht zu Stellungnahmen vor der Kamera bereit gewesen, heißt es im Abspann von Dörte Frankes Film.

„Im Osten Deutschlands kriegen wir grundsätzlich Polizei mitgeschickt“, sagt Demnig. In einer Filmszene ist denn auch zu sehen, wie finster blickende Rechtsradikale eine Stein-Verlegung in Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern) beobachten. 41 Steine seien bislang beschädigt worden. In Halle verschwanden acht Steine. Ein Benefizkonzert habe dann das Geld für gleich 26 neue Messing-Platten eingebracht.

Der Film „Stolperstein“ kommt am 13. November in die Kinos.