Lokale Kultur

Hilfe zur Selbsthilfe Spagat zwischen Neidlingen und Burkina Faso

Dass eine in Neidlingen lebende Lehrerin sich über viele Jahre hinweg intensiv mit dem Thema Schattentheater befasst hat, ist an sich nichts Außergewöhnliches. Dass sie immer wieder mit einer als "Initiative Regenbogen" im

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WOLF-DIETER TRUPPAT

Landkreis Esslingen schon gut bekannten und immer wieder gerne gesehenen Gruppe in Kindergärten, Schulen, Altenheimen, Behinderteneinrichtungen im Landkreis Esslingen auftritt und selbst bei einer Daimler-Jubiläumsveranstaltung als

O:7060503.JP_Programmpunkt gebucht wurde, lässt dagegen schon etwas aufhorchen. Dass die Arbeit von Regina Fährmann, der Regisseurin der für den Ehrenamtspreis 2006 vorgeschlagenen "Initiative Regenbogen", allerdings auch von Dr. Ulrich Hochschild, dem Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Burkina Faso "nachdrücklich empfohlen" und als "unterstützenswert" bezeichnet wird, ist sicher etwas ganz Besonderes.

"Kultur verbindet" lautet bekanntlich das Motto des von der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen in Zusammenarbeit mit dem Teckboten ausgeschriebenen Wettbewerbs, für den mit der in Neidlingen beheimateten "Initiative Regenbogen" auch ein von Regina Fährmann zu verantwortendes und weit über das Verbreitungsgebiet des Teckboten hinaus wirkendes Projekt vorgeschlagen wurde. Mit ihrem ehrenamtlichem Engagement und der sie verbindenden Freude an Schattenspiel und Musik möchte die aus einer Trommelgruppe hervorgegangene "Initiative Regenbogen" mit ihren Auftritten im Landkreis Esslingen intensiv dazu beitragen, mit den Mitteln des Schattenspiels massiv gegen Vorurteile anzugehen, mit denen auch hierzulande Menschen begegnet wird, die aus Afrika stammen.

Während verfilmte Bestseller wie beispielsweise Tanja Blixens unter dem Titel "Out of Afrika" vor Jahren erfolgreich in die Kinos gekommene Liebeserklärung an den "dunkel lockenden Kontinent", Corinne Hofmanns auflagenstark vermarktete und inzwischen auch filmisch publikumswirksam umgesetzte Amour fou einer "Weißen Massai" oder auch Stefanie Zweigs von den Kriegswirren diktiertes "Nirgendwo in Afrika" für abenteuerliches Kino sorgen und auf Großleinwänden vor allem faszinierende Bilderbuch-Impressionen Afrikas transportieren, waren Regina Fährmanns vor Ort gemachte Eindrücke deutlich alltagsgeprägter und verständlicherweise völlig anders.

Auf Einladung und voller Erwartungen von Neidlingen ins westafrikanische Burkina Faso gereist, war Regina Fährmann bei ihrer Ankunft im ehemaligen Obervolta zunächst absolut schockiert, als sie sah, unter welch unsäglichen Bedingungen die Menschen dort in den Städten leben. Ihre mitgebrachten Schattenspiel-Utensilien sorgten dann rasch dafür, dass aus Regina Fährmanns ursprünglich geplanter Bildungsreise auch für sie völlig überraschend eine Aufklärungskampagne und über Wochen sich hinziehende abenteuerliche Tour über die Dörfer wurde.

Ihre das afrikanische Publikum absolut begeisternde Aufführung eines Schattenspiels erregte bei der Premiere allergrößte Aufmerksamkeit und sorgte nicht zuletzt dafür, dass ein ehemaliges Regierungsmitglied auf die Idee kam, dass sich Regina Fährmanns Schattenspiel eigentlich ideal für eine Aufklärungskampagne in den vielen Dörfern des Landes eignen könnte. Die leicht verständliche und trotz ernsten Inhalts vergnügliche Form der Darstellung könnte einen wichtigen Beitrag dazu leisten, der ungemein wichtigen Aufklärungsarbeit für das Thema Aids die ihr gebührende Aufmerksamkeit zu garantieren.

Jean Baptiste Tapsoba war sofort überzeugt, dass es im Anschluss an die jeweiligen Vorführungen gelingen könne, den Besuchern weitere wichtige Informationen zu geben und mit ihnen über ein bislang tabuisiertes lebensbedrohliches Thema ins Gespräch zu kommen. Da sie für die mögliche Umsetzung des von dem ehemaligen Regierungsmitglied Tapsoba vorgeschlagenen Aids-Projekts ohnehin erst dem Kultusminister vorgestellt werden musste, gelang es Regina Fährmann in dieser immerhin zweiwöchigen Wartezeit, mit ihren afrikanischen Freunden das Stück "Glück im Unglück" einzuüben. Da ihre aus Neidlingen mitgebrachten filigranen Pappfiguren der Luftfeuchtigkeit und den Bedingungen der afrikanischen Regenzeit nicht lange hätten standhalten können, wurden alle schon in Pappe vorhandenen "Darsteller" kopiert und in Form von deutlich belastbareren und dennoch sehr gut beweglichen Figuren aus Reifengummi zu neuem und erwartungsgemäß lange währendem Leben erweckt.

Ganz wichtig war Regina Fährmann von Anfang an aber, dass sie selbst sich möglichst rasch wieder zurückziehen und durch die erfolgreiche Suche nach geeigneten vor Ort handelnden Personen die ungemein wichtige Hilfe zur Selbsthilfe initiieren und damit dafür sorgen kann, dass die Aufklärungskampagne auch ohne erkennbare europäische Unterstützung erfolgreich ihren Marsch durch die Dörfer antreten kann.

Dass ihr dieses ambitionierte Vorhaben gut gelungen ist, dessen Komplexität ohne entsprechende Erfahrung vor Ort kaum angemessen beurteilt werden kann, wird nicht zuletzt aus Botschaftskreisen nachhaltig bestätigt. Dr. Ulrich Hochschild, der Regina Fährmann anlässlich eines Besuchs des Königs der Gourmachtché in Fada N'Gourma kennengelernt hat, macht in seinem Schreiben deutlich, dass sie die Arbeit an dem von der Frau des Königs geleiteten Aids-Hilfszentrums durch ihr Schattentheaterstück "Glück im Unglück" maßgeblich unterstützt hat.

"Die veranschaulichenden Filme über die Aufführungen unterstreichen nicht nur eindrucksvoll das große Engagement der Schauspieler, sondern auch die Betroffenheit und das rege Interesse des Publikums, das sich in Fragen an die Schauspieler im Anschluss an die Aufführungen äußert", schrieb Dr. Ulrich Hochschild im März dieses Jahres. Für ihn steht außer Zweifel, dass diese Art der Aufklärungsarbeit ein gelungenes Beispiel für Hilfe zur Selbsthilfe ist, weshalb er "die Arbeit von Regina Fährmann, die bislang lediglich vom "Förderkreis AIDS Aufklärung in Afrika e. V." unterstützt wird, auch aus Sicht der Deutschen Botschaft nachdrücklich empfehlen kann und daher auch um entsprechende Unterstützung bittet.

Dass die von ihr in Burkina Faso ausgebildete Theatertruppe, die sich ausschließlich aus HIV-positiven Akteuren zusammensetzt, vor allem innerhalb der ländlichen Bevölkerung in Burkina Faso sowie in Mali beachtliche Erfolge erzielt habe, beeindruckte den deutschen Botschafter ganz besonders.

Während Regina Fährmann hofft, gemeinsam mit Susanne Frey, Antje Klink, Gretel Pfäffle, Tanja Samsel, Sonja Stark und Verena Zuleger-Junghans mit ihrem vor wenigen Wochen im Michaelshof in Hepsisau mit großem Erfolg uraufgeführten und vor allem auch sehr lustigen neuen Stück "Der listige Hase" möglichst oft in Schulen, Kindergärten, Alten- und Behinderteneinrichtungen im Kreis Esslingen eingeladen zu werden und auftreten zu können, ist sie längst mit einem neuen und erneut sehr ernsten Projekt beschäftigt und plant einmal mehr, nach Westafrika zu reisen.

Neben der Aids-Aufklärung, die dort mit "Glück im Unglück" dank der von ihr initiierten Aufführungen vielen Menschen ins Bewusstsein gerufen werden konnte, möchte sich Regina Fährmann in einem neuen Stück einem anderen tabuisierten Thema zuwenden, das nicht nur im fernen Afrika, sondern auch hier in Deutschland Jahr für Jahr vielen Mädchen, jungen Frauen, angehenden Müttern und oft auch ihren Kindern das Leben kostet.

Dass ein Schatten-Theaterstück über das Tabu-Thema "Beschneidung" nur dann die erhoffte Wirkung haben kann, wenn nicht eine europäische Regisseurin vor Ort agiert, sondern kritisch eingestellte Afrikaner sich der notwendigen Diskussion um diese unheilbringende Tradition stellen, ist Regina Fährmann bewusst. Auch hier hofft sie freilich, mit ihrem neuen Theaterstück die richtigen Anstöße für die ungedingt erforderliche Diskussion geben und dank einer engagierten Gruppe afrikanischer Freunde vor Ort erneut dafür sorgen zu können, mit dem Mittel des Schattenspiels auch in diesem Fall Menschen für die intensive Auseinandersetzung mit einem wichtigen Thema gewinnen zu können.

Wer sich für dieses Projekt interessiert oder der Regisseurin möglicherweise auch aus eigener Betroffenheit heraus entsprechende Anregungen geben oder weitere wichtige Einsichten vermitteln kann, erreicht Regina Fährmann per E-Mail unter regina.faehrmann@web.de. oder telefonisch unter 0 70 23 / 57 93. Wer sich vor allem für das vielseitige Repertoire der "Initiative Regenbogen" und die Konditionen eines Auftritts des unterschiedlichste Stücke aufführenden Schattentheaters interessiert, kann sich per E-Mail unter SonjaH.Stark@web.de oder unter der Rufnummer 0 70 23 / 48 70 mit Sonja Stark in Verbindung setzen.