Lokale Kultur

Hinreißender Auftritt

Tanja Becker-Bender und Oliver Kern begeistern mit Beethovens Violinsonaten

Kirchheim. Zum Auftakt ihrer Konzerttrias von insgesamt drei Abenden mit dem Zyklus von zehn Sonaten, die in Beethovens virtuos konzertanter „mittlerer“ Schaffensphase zwischen 1797 und 1805 entstanden, hatten sich die beiden in Kirchheim bereits bestens bekannten Künstler vier Werke vorgenommen.

ERNST KEMMNER

Einen stimmigen Anfang bildete die Sonate D-Dur op. 12 Nr. 1, die anders als bei manchen Mozartsonaten bereits zwei kongenial gleichberechtigte musikalische Partner vorsieht. Schon im energisch vorwärts drängenden Ecksatz Allegro con brio mit motivischem Wechselspiel zwischen Violine und Klavier beeindruckte das dynamisch ausdifferenzierte Spiel der beiden Musiker, die übergangslos perfekte Ablösung der beiden Stimmen, der schön aufblühende und in feinstem Piano verklingende Geigenton von Tanja Becker-Benders Guarneri del Gesù. Nicht minder eingängig war dann der Variationssatz des Andante con moto, der einen ausgeprägt liedhaften Charakter aufweist und dessen vier Variationen eine Fülle musikalischer Einfälle und Abwandlungen des thematischen Materials enthalten.

Besonders schön musiziert wurde die zweite Variation mit raunenden Klavierarpeggien, über denen sich die Geigenmelodie entspinnt, wobei im melodischen Rankenwerk die Klangfülle der Violine voll zur Geltung kam. Das an Mozart erinnernde Rondo Allegro im 6/8-Rhythmus bildete in seiner heiter losgelösten Beschwingtheit bis hin zu rasanten Zweiunddreißigstelsequenzen, mit gekonnten Echoeffekten und feinstem Pianissimo vor zupackendem Schluss einen furiosen Kehraus, bei dem der zwischen beiden Instrumenten perfekt abgestimmte Vortrag bestach.

Die Fortsetzung bildete die Sonate A-Dur op. 30 Nr. 1, bei der schon beim kompositorisch dichten Allegro eine spannungsreiche und geheimnisvolle Interpretation gelang, bei der die souverän ausdifferenzierte Anschlagskultur Oliver Kerns ebenso gefiel wie der selbstbewusste und ästhetische geigerische Gestus von Tanja Becker-Bender. Das folgende Adagio mit einigen Molltrübungen, das auf dreiteiliger Liedform basiert und im Mittelteil mit einer betörend schönen Melodie über präzis rhythmisiertem Klavierostinato aufwartet, gelang genauso gut wie das einfallsreich komponierte, ungebremste Spielfreude verströmende Allegretto con variazioni mit insgesamt sechs Variationen. Federleichte Spiccatotriolen, lupenreine Geigenintonation und unforciert perlendes Laufwerk des Klaviers begeisterten hier die Hörer

Nach der Pause erklang die Sonate a-Moll, op. 23, eine Art Konterpart zur bekannteren „Frühlingssonate“. Nach dem rasanten Presto-Eingangssatz kam mit dem abwechslungsreich schillernden Andante scherzando più Allegretto einer der Höhepunkte des Abends. Die beiden keck kapriziös musizierten, immer wieder von beiden Instrumenten variierten Themen drückten hier wirklich den vom Komponisten beabsichtigen Charakter eines musikalischen Scherzes aus: besonders gefällig hier der hin- gehauchte Schluss im Pianissimo. Ein Leuchtfeuer virtuoser Brillanz und Ritornelle mit bravourösem Schwung brachte schließlich das abschließende Allegro molto. Effektiv platzierte retardierende Passagen im Wechsel mit wuchtigen Akkordschlägen und abschließende Laufkaskaden brachten den Künstlern einen wahren Beifallssturm ein.

Die Sonate op. 12 Nr. 3 in Es-Dur bildete den Abschluss dieses denkwürdigen Konzerts, bei dem die musikalische Sensibilität und der ausgeprägte Gestaltungswille beider Künstler immer spürbar waren. Hervorzuheben wäre hier noch das ausdrucksstark dargebotene, kantab­le Adagio con molt’ espressione, bei dem Tanja Becker-Benders schwelgerischer Geigenton nochmals so richtig zur Geltung kam. Das Allegro molto, gespickt mit technischen und dynamischen Herausforderungen für beide Instrumente, brachte dann den viel beklatschten Abschluss des Konzerts, das noch mit zwei Zugaben von Igor Strawinsky und Johann Sebastian Bach „garniert“ wurde.

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