Lokale Wirtschaft

Hiobsbotschaft: Kessler stellt Antrag auf Insolvenz

Die Firma Kessler, Deutschlands älteste Sektkellerei, hat beim Esslinger Amtsgericht Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.

CHRISTIAN DÖRMANN

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ESSLINGEN Trotz der Hiobsbotschaft so kurz vor Weihnachten zeigen sich Kessler-Geschäftsführer Clemens Weiss und der als Insolvenzverwalter eingesetzte Stuttgarter Rechtsanwalt Tibor Braun zuversichtlich, dass es für das mehr als 175 Jahre alte Unternehmen eine Zukunft gibt. Der Betrieb läuft vorerst ohne jede Einschränkung weiter und Weiss ist es ein wichtiges Anliegen, die Arbeitsplätze der momentan 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Esslingen zu sichern.

"Der Sektbranche geht es schon seit langer Zeit nicht gut", erklärt Weiss, der seit zweieinhalb Jahren die Geschäfte im Haus Kessler führt. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Sekt sei kontinuierlich zurück gegangen, was Weiss mit der allgemein schlechten wirtschaftlichen Lage begründet. Mit einem neuen Vertriebspartner, der laut Weiss über ausgezeichnete Auslandskontakte verfügt, wollte das Unternehmen gegensteuern. "Das hätte uns viele Türen gerade für das wichtige Auslandsgeschäft geöffnet", erklärt der Geschäftsführer. Wegen des Widerstands eines Gesellschafters sei die Partnerschaft allerdings nicht zu Stande gekommen und damit seien die Sanierungsbemühungen letztlich gescheitert. Als Reaktion folgte der Insolvenz-Antrag. Weiss: "Wir sind in einem sehr frühen Stadium zum Gericht gegangen, um die Chance zu wahren, dass es weiter geht." Nun wolle man "ohne Altlasten" neu durchstarten. Der Standort Esslingen steht dabei für den Geschäftsführer nicht in Frage.

Klar ist, dass es einen Neuanfang ohne Partner nicht geben wird. Dabei ist für Insolvenzverwalter Tibor Braun sowohl ein Interessent aus der Branche als auch ein branchenfremder Investor denkbar. "Die Marktsituation muss stabilisiert werden", sagt Braun, dem es wichtig ist, den Standort Esslingen zu sichern. Das gelte für die Produktion in den denkmalgeschützten Gebäuden des Unternehmens und für die Arbeitsplätze gleichermaßen. Über die Zukunft des Betriebs will Braun auch mit der Esslinger Stadtverwaltung reden.

"Ich bedaure außerordentlich, dass dieser Schritt noch vor Weihnachten notwendig wurde", sagt Weiss. Der Betrieb laufe ohne Einschränkung weiter, auf die Kunden habe das Verfahren keinerlei Einfluss. Im Jubiläumsjahr 2001 betrug die durchschnittliche Jahresproduktion bei Kessler etwa drei Millionen Flaschen. 15 Sorten hat der Sekt-Hersteller im Programm. Die Kellerei hatte im 175. Jahr ihres Bestehens noch 58 Mitarbeiter beschäftigt.

ez