Lokale Wirtschaft

Historie attraktiv präsentiert

„Die Schreiner“ in Jesingen bauten Möbel für Dauerausstellung im Hambacher Schloss

Die glänzende Präsentation historischer Zeugnisse wird immer mehr zum Spezialgebiet der Jesinger Firma „Die Schreiner“. Nach dem Bau der Vitrinen für die Skythen-Ausstellung in Berlin 2007 haben sie in den vergangenen Monaten die aufwändigen Möbel für die Dauerausstellung auf dem Hambacher Schloss erstellt. Heute wird dort der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck zum Bürgerfest erwartet.

richard umstadt

Kirchheim. „Hinauf, hinauf zum Schloss“ lautete am 27. Mai 1832 der Ruf über die Grenzen der Pfalz hinaus. Aus allen Nationen, von Frankreich bis Polen, und allen Bevölkerungsschichten, vom Studenten bis zum Abgeordneten, strömten die Menschen nach Neustadt. Zwischen 20 000 und 30 000 Männer und Frauen kamen in und um die Schlossruine Hambach zu einem großen Fest zusammen. In zahlreichen glühenden Reden wurden bürgerliche Freiheiten und die deutsche Einheit gefordert. Die Veranstaltung war dabei tief geprägt von der Solidarität mit den europäischen Nachbarvölkern, insbesondere den Polen. Das Hambacher Fest war die bis dato größte Veranstaltung, auf der liberale und demokratische Forderungen einer breiten Öffentlichkeit präsentiert wurden.

Die neue Dauerausstellung in den zwei Sälen des obersten Stockwerks, die am jetzigen Wochenende offiziell eröffnet wird, dokumentiert die Ereignisse von 1832 sowie ihre Voraussetzungen und Nachwirkungen. Seit im Mai 1832 über den Zinnen der mittelalterlichen Burg auf dem Kastanienberg bei Neustadt zum ersten Mal die schwarz-rot-goldene Fahne wehte, gilt das Hambacher Schloss als Wiege der deutschen Demokratie und das Hambacher Fest als Symbol des Aufbruchs in eine demokratische Zukunft.

Sie ist zwar zerschlissen, aber noch erhalten und nimmt in der Dauerausstellung einen besonderen Platz ein. „Die Schreiner“ bauten für die drei Meter breite, schwarz-rot-goldene Fahne eigens eine Vitrine. Doch nicht nur das. Nach einer beschränkten Ausschreibung durch das Karlsruher Architekturbüro Schwarz-Düser & Düser erhielten sie im Sommer den Auftrag, die Möbel, Wände und Vitrinen mit allem, was dazu gehört, zu bauen. Rund zwei Kilometer Latten und 250 Quadratmeter Wandfläche verarbeiteten die Jesinger Holzspezialisten.

Die Aufgabe war trotz der genauen und detaillierten Pläne der Architekten nicht einfach. „Die geschwungenen Wände zu erstellen war sehr aufwändig und erforderten einen komplizierten Unterbau“, berichtet Schreinermeister Martin Renz. Eine besondere Herausforderung dabei: die Krümmungen mussten mit Nischen für Ausstellungsstücke versehen werden und die Texte der Wandplatten noch vor deren Einbau mit einem riesigen Tintenstrahldrucker bedruckt werden.

Zu Hilfe kamen dem Jesinger Schreiner andere örtliche Handwerker. So fräste die Kirchheimer Schreinerei Kiedaisch an einer CNC-Maschine die Rippen für den Unterbau und eine Nürtinger Firma lackierte die großen Flächen. Während fünf bis sechs Schreiner in der Werkstatt an den Ausstellungsmöbeln arbeiteten, montierten parallel dazu vier bis fünf Mann plus eine Architekturpraktikantin die fertigen Teile vor Ort im Hambacher Schloss. Für die Montagetruppe war es immer wieder aufs Neue spannend zu erleben, wie perfekt die genau nach Plan vorgefertigten und erst im Schloss zusammengebauten Stücke zu einem harmonischen Ganzen wurden.

Finanziert wurde die Dauerausstellung vom Land Rheinland-Pfalz sowie der Stiftung Hambacher Schloss. Insgesamt befasst waren mit dem Auftrag neben den Schreinermeistern Tobias Hermann, Martin Renz, Klaus Kromer weitere zwei Meister, drei Lehrlinge, eine Praktikantin sowie drei Montageschreiner.

Unter www.hambacher-schloss.de können sich Interessierte über die Ausstellung und die Geschichte des Hambacher Festes informieren.

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