Lokale Kultur

"Hochmusikalischer Neuzugang im Kirchheimer Schloss"

KIRCHHEIM "Das Schönste, was man von einem Klavier sagen kann", überlieferte einst Wilhelm Furtwängler im Zusammenhang mit einem

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ANDREAS VOLZ

Fabrikat aus Leipzig: "Blüthner-Flü-gel können wirklich singen." Auf einen Flügel aus diesem Hause, der im Jahr 1900 gebaut worden sein muss, können sich künftige Kirchheimer Konzertbesucher freuen: Im Rundsaal des Schlosses steht das frisch restaurierte Prachtstück, von dem Kulturring-Leiter Gerhard Fink in den höchsten Tönen schwärmt. Letzteres gilt beileibe nicht nur für den Diskant, sondern reicht hinunter bis zum tiefsten Basston.

"Das Instrument zeigt die typischen Merkmale von Blüthner", lobte Gerhard Fink bei einem Pressetermin den "hochmusikalischen Neuzugang im Schloss" und machte anhand von kurzfristig aus dem Gedächtnis angeschlagenen Akkorden und Läufen deutlich, mit welch zauberhaftem und zugleich glockenreinem Klang dieser Flügel den Rundsaal zu füllen vermag. Das Instrument scheint im Kirchheimer Schloss genau am richtigen Platz zu stehen, denn es eigne sich besonders "fürs Filigrane, für ältere Musik, aber auch fürs Romantische oder für sensible französische Sachen das geht auf diesem Flügel hier großartig."

Der Blüthner-Flügel sei somit ideal für kommende Kammermusikereignisse im Rundsaal. Auch für die Liedbegleitung lasse sich nichts Besseres denken. Schon Liszt und Tschaikowsky hätten Blüthner-Fabrikate geschätzt. Auch führende Pianisten des 21. Jahrhunderts würden zunehmend wieder auf alten Instrumenten spielen, meint Gerhard Fink, der mit diesem Schmuckstück eine weitere Stärkung des Kulturstandorts Kirchheim verbindet: "Wir haben damit drei erstklassige Konzertflügel in Kirchheim."

Man müsse schon weit gehen, um irgendwo vergleichbare Verhältnisse zu finden. Andere Städte wären froh, wenn sie nur ein einziges solches Instrument vorweisen könnten. "Wenn wir Künstler nach Kirchheim einladen, können wir ihnen auch etwas bieten. Sie freuen sich an den Instrumenten."

Bei den anderen beiden Flügeln handelt es sich um den Steinway in der Stadthalle und um den Petroff in der Schlosskapelle. Der dritte im Bunde ist nun der über 100 Jahre alte Flügel aus dem Hause Blüthner. Er stammt aus dem Besitz der Kirchheimerin Dr. Hedwig Pfleiderer, die sich umzugsbedingt schweren Herzens von ihm trennen musste. Weil sie ihn einst als Hochzeitsgeschenk erhalten hatte, dachte sie sich nun, dass er ihr Haus am besten auch als Geschenk wieder verlassen sollte. So kam der Kontakt zum Kulturring zustande, und so fand das alte Instrument letztlich einen neuen würdigen Platz im Kirchheimer Schloss. Für die vormalige Besitzerin besteht dadurch die Möglichkeit, bei Konzerten regelmäßig mitzuerleben, wie professionelle Pianisten auf dem Instrument spielen, das sie über Jahre und Jahrzehnte hinweg durchs Leben begleitet hat.

Ihr Geschenk kommt nun allen zugute, die in Kirchheim Kammermusik vom feinsten genießen möchten. Schon bei der Tastatour werde der Blüthner-Flügel eine wichtige Rolle spielen, verspricht Gerhard Fink. Der "Neuzugang" stehe allerdings nicht nur für Kulturring-Veranstaltungen zur Verfügung, "sondern für Konzerte aller Art". So gebe es beispielsweise Firmen, die den Rundsaal gleich inklusive Instrument mieten. Die Bedeutung des neuen Flügels für seine Institution erkennt Kulturring-Leiter Fink gleichwohl: "Wir sind wahrscheinlich die häufigsten Nutzer."

Zur Restaurierung des "schönen Museumsstücks", bei dem es sich um ein "sehr gepflegtes Instrument" handelt, seien vor allem Routinearbeiten nötig gewesen, erzählt Gerhard Fink. "Die Hauptarbeit war eine Äußerlichkeit: der Lack." Klavierbaumeister Tobias Gaiser vom Kirchheimer Pianohaus Werner, der die Arbeiten ausgeführt hat, gelte als Koryphäe für alte Instrumente und habe auch diesen Flügel so authentisch wie möglich restauriert. Die Mittel dafür stammen von der Volksbank, von der Bürgerstiftung und vom Kulturring. Gerhard Fink freut sich bei diesem "Neuzugang" besonders über "das schöne Zusammenspiel von Bürgersinn und gelungenem Sponsoring, das wirklich erkennbar der ganzen Stadt zugute kommt".