Lokale Kultur

Höchstmaß an Präzision überzeugt

DETTINGEN Zu einem Serenadenkonzert hatte das Symphonische Orchester der Musikschule Kirchheim ins Gemeindehaus im Dettinger Pfarrgarten eingeladen. Den Auftakt machte ein symphonisches Konglomerat aus Jean Sibelius' "Andante

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FLORIAN STEGMAIER

Festivo" und drei Sätzen aus Benjamin Brittens "Simple Symphony", wobei der eigentliche Kopfsatz der Symphony die barockisierende "boisterous", also lärmend-fröhliche "Bourée" an den Schluss gestellt wurde, sodass dennoch der Eindruck einer zyklischen Geschlossenheit erreicht werden konnte.

Wenn auch die "Simple Symphony" das Werk eines gerade einmal zwanzigjährigen Studenten ist, haftet ihr weder die Trockenheit akademischer Pflichterfüllung an, noch ist sie simpel oder gar naiv. Verwurzelung in musikalischen Traditionen und das Bemühen um eine innovative und zeitgemäße Idiomatik gehen in diesem Werk eine fruchtbare Verbindung ein. Gerade im Auskosten "tragischer" Affekte man denke etwa an den Mittelteil der "Sentimental Saraband" steht sie Werken "großer" Symphoniker wie Gustav Mahler kaum nach.

Dies wurde auch in der Interpretation des Musikschulorchesters unter der Leitung von Johannes Stortz erlebbar. Auch Heikles, zum Beispiel des "Playful Pizzicato", ein Satz, der sich an vergleichbare Stücke von Tschaikowsky oder Johann Strauß anlehnt und den Ausführenden ein Höchstmaß an Präzision des Zusammenspiels abverlangt, wurde überzeugend gemeistert. Mit den Violinkonzerten "Herbst" und "Winter" aus Antonio Vivaldis "Vier Jahreszeiten" bekamen mit Kerstin Veeser und Johannes Wagler zwei junge Violinisten Gelegenheit, ihr solistisches Können unter Beweis zu stellen.

Beide Künstler agierten dabei äußerst überzeugend, ihr Spiel hatte gerade in den schnellen Sätzen stets einen angenehmen Zug nach vorne, auch entstand keineswegs der Eindruck, die jungen Musiker begegneten den hohen technischen Anforderungen mit unnötiger Zurückhaltung oder Scheu.

Im Gegenteil, Veeser und Wagler interpretierten die Werke souverän und selbstbewusst, und wenn an einigen wenigen Stellen dann doch die technische Schikane des "prete rosso" überhand nahm und hörbar wurde man darf nicht vergessen, dass es sich bei aller Popularität der "Jahreszeiten" um spätbarocke Virtuosen-Literatur handelt , besaßen beide Künstler das genügende Maß an Erfahrung und Kaltblütigkeit, in der Live-Situation damit adäquat umzugehen. Mit dem Symphonischen Orchester hatten sie zudem einen stets präzis funktionierenden Begleitapparat zur Seite.

Ein reizvolles Konzert, das schöne und vor allem hoffnungsvolle Einblicke in die offensichtlich hochwertige musikpädagogische Arbeit der Kirchheimer Musikschule gewähren konnte.