Lokale Wirtschaft

Hürden auf dem Weg zum Solardach

Die Sonnenstrom KG hat sich bereits mit zwei Projekten im Landkreis etabliert: Auf dem Plochinger Stumpenhof ist eine Anlage entstanden und auf dem Dach der Schillerschule in Esslingen. Nun will auch das Plochinger Gymnasium ein Solardach.

HANS-JOACHIM HIRRLINGER

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PLOCHINGEN Die großen Flachdächer des Plochinger Gymnasiums legen diese Idee nahe: In Rektor Arne Rentzsch keimt der Plan eines Solardaches. Lehrer, Eltern und andere Menschen könnten Anteile zeichnen und damit das Kraftwerk auf dem Gymnasium finanzieren. "Kann das funktionieren?", fragte Rentzsch den Chef der Naturstrom AG aus Düsseldorf, Thomas Banning. Doch Banning warnt: "Wir haben solche Schulprojekte oft, aber in drei von vier Fällen haben die ihr Geld nicht eingesammelt."

Das gilt laut Banning teilweise auch für die "Sonnenstrom Neckar-Fils-Fildern GmbH & Co. KG", die seine Naturstrom AG zusammen mit dem Kreisverband der Grünen und der Offenen Grünen Liste (OGL) Plochingen vor einem Jahr gründete. "Auch da haben sich die Leute nicht drauf gestürzt, obwohl die Initiatoren vorher ganz anderer Meinung waren", sagt Banning. Die von den Kreisgrünen erwarteten Kommandit-Anteile kamen nicht in voller Höhe. Bisher fehlen noch mehr als 10 000 Euro zum damals angepeilten "Co"-Kapital von 60 000 Euro, die über zusätzliche Kredite finanziert werden mussten.

Dadurch sinkt die Rendite erwartet wurden durchschnittlich 5 Prozent auf die Kommanditeinlagen , die Ausschüttung von Gewinnen verzögert sich. Doch Hubert Arnold, einer der Initiatoren aus der Plochinger OGL, betont: "Nach spätestens zehn Jahren ist mit einer Ausschüttung zu rechnen. Andererseits können Anleger das unternehmerische Risiko vermeiden, wenn sie fest verzinste Solarbausteine kaufen, das sind Darlehen in Höhe von 500 Euro. Die Zinsen steigen nach je vier Jahren von 2,5 über 3 auf 3,5 Prozent.

Die Sonnenstrom KG hat sich bereits mit zwei Projekten im Landkreis etabliert: Für 184 000 Euro entstand auf dem Plochinger Stumpenhof eine Anlage, die rund 36 000 Kilowattstunden Strom im Jahr liefern soll. Die zweite Solaranlage steht auf dem Dach der Schillerschule in Esslingen. 71 000 Euro wurden dort investiert. 88 Module sollen 13 000 kWh pro Jahr liefern.

Doch auch der Markt der erneuerbaren Energien ist kompliziert, wie Thomas Banning dem Direktor des Plochinger Gymnasiums erklärt. Das beginnt mit dem technischen Fachwissen und endet nicht bei der Werbung für Kapitalanteile, die gesetzlich genau geregelt ist, um Missbrauch zu vermeiden. Banning macht deutlich, dass das in Eigenregie kaum zu leisten ist. Martin Herrmann bietet deshalb als örtlicher Ansprechpartner der Sonnenstrom KG die erfahrene Bürgerbeteiligungsgesellschaft für die Realisierung eines Solarprojektes an.

Winfried Kretschmann, Fraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen im baden-württembergischen Landtag, wirbt ebenfalls für lokale Projekte. "Die erneuerbaren Energien boomen", sagt er bei einem Informationsabend der OGL, die diesen hoffnungsvoll und zweifelnd "Sonnenstadt Plochingen???" überschrieben hat. Seit 1998 habe sich ihr Anteil an der Energieproduktion mehr als verdoppelt. "2005 werden wir die 10-Prozent-Grenze sprengen", versichert der Politiker. Kretschmann hält erneuerbare Energien auch für eine Job-Maschine. Rund 130 000 Menschen arbeiten nach seinen Angaben bereits in diesem Bereich, bis 2010 sollen es 500 000 werden.

Kretschmann freut sich: "Wo wir hinkommen, sehen wir, dass die Dächer schwarz werden." Doch auch er gesteht zu, dass die Rentabilität von der gesetzlichen Preisgarantie abhängig ist. Wobei er im Hinblick auf einen möglichen Regierungswechsel in Berlin versichert: "Man kann die Einspeisevergütung senken, aber nicht streichen. Da sollten sie wirklich keine Angst haben und sich nicht scheuen zu investieren." Rektor Rentzsch will nun die Möglichkeiten eines Solardaches ausloten: "Ich fände das auch aus pädagogischen Gründen gut."